Fußball
FK Pirmasens: Benjamin Reitz, der Elfmeter-Killer
Eigentlich wäre Jonas Vogt am Mittwochabend gerne in Frankfurt gewesen. „Er ist Fan vom FC Liverpool und hatte Karten für das Champions-League-Spiel“, erzählte die Mutter des FKP-Außenverteidigers. Doch nach einigem Hin und Her musste sein FK Pirmasens an jenem Mittwoch zum Verbandspokal-Viertelfinalspiel bei Wormatia Worms antreten. Natürlich hatte das Vorrang für Jonas Vogt, das Ticket bekam der Bruder – und die Mama schaute wie immer beim FKP zu.
Bis zur 83. Spielminute war auch ihr Sohn Zuschauer, dann kam er für Luka Dimitrijevic auf den Rasen der EWR-Arena. 1:2 lag der Oberliga-Tabellenführer da beim Oberliga-Vierten trotz bester Chancen zurück. In der achten und letzten Minute der Nachspielzeit gelang dann Eliakim Mukanda mit einem herrlichen Schuss der 2:2-Ausgleich. Es ging in die Verlängerung, in der kein Tor mehr fiel.
Nach neun Minuten schon 2:1
Ein Elfmeterschießen musste entscheiden. Es wogte hin und her. Wormatia-Keeper Tobias Edinger hielt drei Elfer, FKP-Torwart Benjamin Reitz auch. Und als Reitz dann gar einen vierten Elfmeter parierte, musste Vogt als zehnter FKP-Schütze antreten. Und er schaffte es. Der 25-jährige Landauer, seit der C-Jugend in Pirmasens, schoss „die Klub“ zum 9:8-Sieg und damit ins Pokal-Halbfinale des Südwestdeutschen Fußballverbands.
Was für ein Spiel! Nach nur neun Minuten stand es schon 2:1. Kernige Schüsse der Wormser Marc Nauth und Altin Vrella wehrte Reitz jeweils nach vorne ab, Nico Jäger und Laurenz Graf nutzten die Abpraller zum 1:0 und 2:0. „In den ersten Minuten sind wir noch im Auto gesessen“, kommentierte FKP-Trainer Daniel Paulus später das schwache Defensivverhalten zu Beginn. Dann flankte Marc Ehrhart von links präzise zu Mittelstürmer Dennis Krob, der zum Anschlusstor einköpfte.
Es war von Beginn an vor 754 Zuschauern ein hektisches Spiel, von den Wormser Fans kamen viele unflätige Rufe. Die Wormatia hatte in der Folge Glück, dass Krob, Luka Dimitrijevic und Marc Ehrhart riesige Ausgleichschancen versemmelten – und dass Schiedsrichter Jan-Vincent Ritter bei der Notbremse von Luca Baderschneider gegen Krob nur Gelb statt Rot zog. Aber auch Reitz hatte zweimal gut zu tun. Der junge FKP-Rechtsverteidiger Noah Stilb hatte so seine Probleme. Paulus ließ ihn gegen Ende der ersten 45 Minuten mit Silas Gutmann die Seiten tauschen und wechselte ihn dann in der Pause gegen den etwas überraschend nicht von Beginn an aufgebotenen Eliakim Kukanda aus.
Kukandas Traumtor
Der Allrounder avancierte dann zum stärksten Mann auf dem Platz. Paulus: „Er hat gezeigt, dass er auch Außenverteidiger spielen kann.“ Weil in den zweiten 45 Minuten Marc Ehrhart mit einem Kopfball an die Latte und Yannick Grieß mit einem Freistoß an den Pfosten Pech hatten, lagen die nun drückend überlegenen Pirmasenser bis zur achten und letzten Minute der Nachspielzeit zurück. Dann schlenzte Kukanda den Ball herrliche zum 2:2 ins Wormser Tor. Das Pokal-Aus war erst mal abgewendet.
Auch in der Verlängerung hatte der FKP mehr vom Spiel, doch die ganz zwingenden Chancen blieben aus. Zweimal rettete der sehr aufmerksame Wormatia-Keeper Tobias Edinger gegen Nico Wiltz, der wenig später von Krämpfen geplagt wurde, und den eingewechselten Oskar Prokopchuk, der nach klasse Pass von Mike Andreas durch gewesen wäre.
Es ging ins Elfmeterschießen. Die ersten vier Pirmasenser Schützen, Marc Ehrhart, Oskar Prokopchuk, Eliakim Kukanda und Dennis Krob verwandelten ganz sicher, und da Reitz einen Elfer des Wormsers Nicolas Obas pariert hatte, hatte Yannick Grieß einen „Matchball“. Doch der als sehr guter Freistoßschütze bekannte FKP-Kapitän schoss schwach, Wormatia-Keeper Tobias Edinger hielt. Somit ging auch das Elfmeterschießen in die Verlängerung. Dort sollte Edinger zwei weitere Elfer abwehren – den kraftlosen Versuch von Wiltz konnte er sogar fangen, den Schuss von Miguel Deho parierte er klasse.
Dennoch reichte es nicht für die Rheinhessen, weil Reitz ein noch besserer Elfer-Killer war. Bobby Edet, David Schehl und Luca Baderschneider scheiterten an dem Mann, dessen eigentlich weißer Torwartdress im Dauerregen inzwischen grün-bräunlich geworden war. „Ich wusste nur von zwei Wormser Elfmeterschützen, wohin sie normalerweise schießen. Es war eine Mischung aus Intuition und Glück“, sagte Reitz später dazu, dass er erstmals in seiner Karriere vier Elfer in einem Spiel pariert hatte.
Halbfinale im März
So lag dann die Last auf dem zehnten Pirmasenser Elfmeterschützen, Jonas Vogt. Er meisterte die Aufgabe mit Bravour und erzielte den entscheidenden Treffer zum 9:8 für Pokalverteidiger Pirmasens, der damit ebenso wie der TuS Mechtersheim das Halbfinale im März 2026 erreicht hat. Die beiden anderen Semifinalisten werden erst im November ermittelt.
„Das war kräftemäßig brutal. Was wir wieder an Widerständen überwunden haben. Ich bin megastolz auf die Mannschaft“, sagte Trainer Paulus, dessen Team in 13 Tagen fünf Pflichtspiele bestreiten muss und die ersten vier nun gewonnen hat. Große Sorgen bereitet ihm Innenverteidiger Michael Müller, der in der 73. Minute offenkundig schwer verletzt ausgewechselt werden musste: „Da war wohl die Kniescheibe draußen. Der Wormser trifft ihn voll am Knie.“
Randale nach dem Spiel
Einige Wormser taten sich schwer damit, die Niederlage zu akzeptieren. Als die Pirmasenser in der Kabine feierten und insbesondere Torhüter Reitz hochleben ließen, wollten Wormatia-Fans das Fenster zur Kabine eintreten. Ordner kamen dann herbei. Von zwei Polizeiautos eskortiert, verließen die Pirmasenser dann das Stadion. FKP-Präsident Jürgen Kölsch kündigte eine Beschwerde beim Verband an: „Es kann ja nicht sein, dass wir nach dem Spiel Polizeischutz brauchen.“