Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Fernwärme in Pirmasens: Was man darüber wissen muss

Eine Gasturbine des Fernwärme-Kraftwerkes.
Eine Gasturbine des Fernwärme-Kraftwerkes.

Plötzlich wollen viele einen Fernwärmeanschluss in Pirmasens. Stadtwerke-Chef Christoph Dörr kündigte in Modellprojekt im Winzler Viertel an.

Beim Bürgerforum Wärmeplanung der Stadtwerke meldeten sich mehrere Hausbesitzer, die lieber heute als morgen an das Wärmenetz der Stadt angeschlossen werden. Bis der erste zusätzliche Meter an das derzeit 16 Kilometer lange Fernwärmenetz der Stadtwerke gebaut wird, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. Erst steht die Wärmeplanung auf der Tagesordnung der Stadtwerke, die bis 30. Juni 2028 fertig sein muss. Den Auftrag für die Erstellung der Planung hat die Stadt an die Stadtwerke vergeben und die haben sich die Unternehmensberatung Fichtner in Stuttgart zur Unterstützung engagiert. Die wiederum haben als ersten einen digitalen Zwilling der Stadt erstellt, wie Jan Netter von Fichtner am Dienstagabend erläuterte.

Die Fernwärme spielt bei den Stadtwerken derzeit eine eher untergeordnete Rolle. Gerade mal 200 Hausanschlüsse gebe es in der Stadt, berichtete Netter. Dem stehen fast 10.000 Gasanschlüsse gegenüber. Die Unternehmensberater von Fichtner haben einen hohen Sanierungsbedarf in den Pirmasenser Heizungskellern festgestellt. 20 Prozent der Heizungen seien älter als 30 Jahre alt. Für alle Gaskunden werde es keinen Fernwärmeanschluss geben, betonte Stadtwerke-Geschäftsführer Dörr. Die Berater von Fichtner haben nur für einen Teil der Kernstadt eine rentable Größe für Fernwärme ermittelt. Ein Wärmebedarf von 500 Megawattstunden pro Jahr und Hektar sei nötig, um ein Fernwärmenetz wirtschaftlich betreiben zu können, rechnete Netter vor.

Wärme kommt von den Dächern und aus dem Wald

Vor dem Ausbau des Wärmenetzes müsse zudem die Einsparung von Energie stehen. Hier sehen die Unternehmensberater großes Potenzial. Allein in der Kernstadt könnten 6,5 Gigawattstunden an Wärme durch energetische Sanierungen eingespart werden, schätzt Netter.

Wo die Fernwärme herkommen könnte, haben die Experten von Fichtern auch ermittelt. 1200 Gigawattstunden kann die Sonnenenergie von Pirmasenser Dächern liefern. Weitere 1200 Gigawattstunden finden sich in den Wäldern der Südwestpfalz, die „holzartige Biomasse“ in Form von Hackschnitzeln und Pellets liefern könnten. Geothermie sei auch in Pirmasens eine Option. In einer Tiefe von zwei Kilometern fände sich 100 Grad Celsius heißes Wasser. Dessen Nutzung sei jedoch sehr kostspielig, schätzt Netter. Einfacher zugänglich sind hingegen die Abwässer der Stadt, die über Wärmetauscher genutzt werden könnten sowie Industrieabwärme. Hier müsse mit den entsprechenden Betrieben gesprochen werden.

Für Stadtwerke-Chef Dörr steht als nächster Schritt die Verdichtung der Fernwärmeanschlüsse auf dem Programm. An den bestehenden Wärmetrassen sollen Hausbesitzer angesprochen werden, die sich anschließen könnten. Dann könne über einen Ausbau in rentablen Bereichen nachgedacht werden. Für die Vororte lohne sich ein Anschluss an das Fernwärmenetz eher nicht. Wobei Dörr bei Fehrbach eine Ausnahme machen will, da über die Müllverbrennungsanlage als Wärmeproduzent die Fehrbach schon eine Fernwärmeleitung vor der Tür haben. „Wir haben da zwei Großkunden und werden ausbauen“, kündigte Dörr an. In den anderen Vororten müsse über Nahwärmenetze und dezentrale Lösungen nachgedacht werden. Hier kämen Großwärmepumpen als Hybrid in Frage. Diese funktionieren wie eine normale Wärmepumpe, nur im großen Stil, und in Spitzenzeiten könnte mit Gas zugeheizt werden.

Kosten von fast 25.000 Euro

Um die konkrete Resonanz in der Bevölkerung besser ermitteln zu können, will Dörr das Winzler Viertel als Modellprojekt mit mehreren Veranstaltungen und weiteren Datenerhebungen nutzen. Hier haben die Stadtwerke Kosten von fast zehn Millionen Euro für den Fernwärmeausbau ermittelt. Eine Leitung liegt bereits im PS-Patio-Quartier. Günstig werde der Anschluss für die Hausbesitzer aber nicht. Selbst bei einer 40-prozentigen Förderung kalkuliert Dörr mit Kosten von rund 25.000 Euro.

Wem das zu viel ist, der kann immer noch auf eine eigene Wärmepumpe als private Lösung ausweichen. Hier rechnet Dörr nicht mit großen Problemen bei der Leistungsfähigkeit des Pirmasenser Stromnetzes. Das sei für 60.000 Einwohner ausgelegt und nach dem Schrumpfen der Bevölkerung nicht zurückgebaut worden. Es könne natürlich vereinzelt zu Engpässen kommen, hier seien die Stadtwerke aber bemüht, diese im Vorfeld zu beseitigen.

Bio-Methan-Tarif soll kommen

Eine weitere Lösung wäre die Einspeisung von Bio-Methan in das Stadtwerkenetz, um den Anteil an klimaneutraler Energie zu erhöhen. Seit Jahren schon produzieren die Stadtwerke solches Bio-Methan im Winzler Energiepark, der dazu jedoch deutlich ausgebaut werden müsste. Vor allem fehlt dort der Elektrolyseur. Stadtwerke-Kunden sollen schon bald einen Bio-Methan-Tarif angeboten bekommen, der ähnlich wie der Ökostromtarif reines Bio-Methan verkaufen würde, das nicht nur bei den Stadtwerken produziert wurde. „Der Bio-Methan-Tarif kommt“, versicherte Dörr.

x