Pirmasens Fake-Chat überzeugt Gericht nicht von der Unschuld eines Drogenhändlers

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Das Pirmasenser Schöffengericht hat am Montag einen 30-Jährigen wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge in zwei Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Letztlich konnte der Angeklagte das Gericht nicht überzeugen, dass er mit Drogen nichts zu tun hätte.

Das Gericht war davon überzeugt, dass der Mann zwischen Ende 2022 und Ende Mai 2023 zweimal je 500 Gramm Amphetamin von einem 19-jährigen Pirmasenser Drogenhändler für je 1000 Euro auf Kommissionsbasis gekauft und für insgesamt 10.000 Euro weiterverkauft hatte. Der 30-Jährige hat das vehement bestritten, auch dass er den 19-Jährigen überhaupt kenne. Er habe nur in der Vergangenheit konsumiert. Eine Tasche voller Drogen, die in der Wohnung seiner ehemaligen Freundin sichergestellt wurde, habe nicht er, sondern der Bruder seiner Ex dort abgestellt. Der Bruder wiederum sei ein guter Freund des genannten Drogenhändlers. Aus Verärgerung, weil die Tasche mit den Drogen weggekommen war, solle ihm etwas angehängt werden, so die Argumentation des 30-Jährigen.

Diese These sollte ein Chat-Verlauf zwischen seiner Ex-Freundin und deren Bekannten stützen. Darin wird behauptet, der Bruder wolle dem Angeklagten etwas ans Bein binden. Aber der Chat enthält verräterische Passagen: Dort wird gesagt, dass der Angeklagte den Bruder auch nicht verraten habe. Dabei kennt sie diesen Mann angeblich nicht. Es war ein Chat, der auf Zuruf der Ex-Freundin fabriziert worden war, wie sich herausstellte. Einen „Fake-Chat“ nannte ihn die Ober-Staatsanwältin.

Richter lobt die „Buchführung“

Der genannte 19-Jährige hatte den Angeklagten und weitere Männer nach seiner Festnahme als Drogenhändler als seine Abnehmer genannt. Später hatte er aber behauptet, er habe den Namen des 30-Jährigen verwechselt. Das nahmen ihm Staatsanwaltschaft und Gericht aber nicht ab. Zumal der Künstlername des Angeklagten als Pirmasenser Rapper in einer Schuldnerliste des 19-Jährigen auftaucht. „Die buchhalterischen Fähigkeiten des 19-Jährigen sind nicht zu verachten“, lobte der Vorsitzende Richter Alexander Kolb. Als Bewährungsauflage muss der 30-Jährige 2000 Euro an den Pakt für Pirmasens zahlen und jährlich vier Urinproben abgeben. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung von 10.000 Euro an Taterträgen an.

Verteidiger Christian Zinzow plädierte hingegen auf Freispruch für seinen Mandanten nach dem Motto „Im Zweifel für den Angeklagten“. Er betonte, dass bei dem 30-Jährigen nichts gefunden wurde. Hingegen habe sich der 19-Jährige durch seine Aufklärungshilfe für die Polizei eine mildere Strafe erhofft und auch erhalten. Der habe „mal so und mal so“ gesagt. Darauf könne man eine Verurteilung nicht stützen. Der 30-Jährige wiederum beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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