Pirmasens
Fachkräftemangel: Wie der Leistenhersteller framas Azubis findet
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Mehr als ein Drittel der Unternehmen in der Westpfalz finden keine geeignete Auszubildenden. Hinzu kommt, dass potenzielle Bewerber sich zunehmend an weiterführenden Schulen oder an Hochschulen einschreiben, statt eine Ausbildung anzustreben.
„Man muss etwas machen und Zeit investieren, um an Auszubildende zu kommen, aber es lohnt sich“, sagt Jonas Klein, der Regionalleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Südwestpfalz. Ein Unternehmen, das offenbar einiges richtig macht in dieser Frage ist framas. Von den weltweit 3500 Mitarbeitern arbeiten 140 am Standort auf der Husterhöhe. 14 Auszubildende beschäftigt das Unternehmen hier, insgesamt sind sieben Ausbildungsberufe möglich, vor allem gewerblich-technische.
Eric Mayer hat am 1. September seine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. 950 Euro verdienen er und seine Kollegen im ersten Lehrjahr. Pro Lehrjahr kommen weitere 100 Euro dazu. Eine attraktive Bezahlung sei zwar nicht alleine entscheiden, aber doch ein Pfund, mit dem die Firma wuchern will, Die Azubis sprächen in der Berufsschule über ihr Einkommen, sagt Personalreferent Nils Groh. Da will framas nicht negativ auffallen.
Das Konzept scheint aufzugehen, zumal sowohl Groh als auch Ausbildungsleiter Benjamin Pukalla berichten, dass es durchaus vorkomme, dass Auszubildende in ihrem Bekanntenkreis für framas werben und sich so neue Mitarbeiter finden. 500 Euro zahlt der Betrieb als Prämie für Mitarbeiter, die neue Mitarbeiter werben.
Wer als junger Mensch bei framas seine Ausbildung startet, den erwartet ein volles Programm. Die Azubis werden eingebunden und übernehmen vergleichsweise früh Verantwortung in Projekten, fahren gemeinsam zu Teambuildingsmaßnahmen und dürfen teilweise sogar an einen der Standorte im Ausland, um dort Erfahrung zu sammeln. Die Firma stellt ihnen sogar Paten zur Seite, damit sie sich besser zurecht finden im Betrieb.
Allerdings ist auch bei framas die Anzahl der Bewerber rückläufig. Gab es früher 20 Bewerbungen auf so manche Stellen sind es heute oft nicht mal mehr zehn. Und: „Die Qualität der Bewerber wird schlechter“, sagt Pukalla, der seit 2015 bei framas ist. Vielen fehle beispielsweise in Mathe Grundlagenwissen. Das Unternehmen hat deshalb eine innerbetriebliche Nachhilfe organisiert, um seine jungen Mitarbeiter fit für die Berufsschule zu machen. Wer an Prüfungsangst leidet, erhält bisweilen sogar ein spezielles Coaching, berichtet Pukalla.
Um Jugendliche und junge Erwachsene auf sich aufmerksam zu machen, setzt framas weiterhin auf die großen Berufsmessen, wie etwa die BIB, die demnächst wieder stattfindet. Aber damit sei es nicht getan, betont Pukalla. Regelmäßig fährt er in Schulen und erzählt in den Klassen über die Arbeit und die Möglichkeiten bei framas und umgekehrt besuchen Schüler und Lehrer die Firma, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.
Wer es einmal geschafft hat, hat gute Aussichten auf eine dauerhafte Anstellung. Die Übernahmequote liegt bei 80 Prozent, sagt Groh auf Nachfrage und ergänzt, dass es nach der Ausbildung zahlreiche Fort- und Weiterbildungen geben.
IHK-Regionalleiter Klein verweist darauf, dass auf die Lebenszeit gerechnet, das Einkommen von Facharbeitern nicht zwangsweise geringer sei als das von studierten Menschen. Auch das sei ein weithin unbekanntes Argument für eine Ausbildung.
Groh, der vor sieben Jahren selbst bei framas seine Ausbildung durchlaufen hat, sagt: „Die Ausbildung soll Spaß machen.“