Pirmasens
Experte berichtet: Das sind die kniffligen Ecken für Autofahrer in Pirmasens [Bildergalerie]
„Wer in Pirmasens fahren kann, der kann es überall.“ Diesen Spruch haben wohl die meisten, die ihren Führerschein in der Horebstadt gemacht haben, schon einmal gehört. „Da ist schon was dran“, sagt Ralf Müller. Er ist nicht nur durch und durch ein „Bärmesenser“, er arbeitet seit über 30 Jahren als Fahrlehrer in seiner Heimatstadt. „Da kann die Stadt aber eher wenig dafür. Das liegt hauptsächlich an der Topografie“, weiß Müller und spielt damit auf die vielen steilen Straßen in Pirmasens an.
Berüchtigt ist etwa der „Zwinger“. Die steile Zwingerstraße und ihre Kreuzung zur Rodalber Straße haben Generationen von Fahrschülern dicke Schweißperlen auf der Stirn beschert. „Aber in Zeiten von Berganfahrhilfen hat er seinen Schrecken verloren“, sagt Müller mit einem Lachen.
„Geht immer um den Faktor Mensch“
Nichtsdestotrotz gibt es im Pirmasenser Verkehr einige Stellen, die besonders sind, meint Müller und ergänzt: „Die Stellen sind nicht wegen den Markierungen oder der Verkehrsführung kompliziert. Es geht immer um den Faktor Mensch und darum, aufeinander Rücksicht zu nehmen.“
Schnelle Spurwechsel, wenn man sich falsch eingeordnet hat, können im Straßenverkehr gefährlich werden, nennt der Fahrlehrer ein Beispiel. Das sei etwa an der Kreuzung an der Parkbrauerei – von der Rodalber Straße kommend – zu beobachten. „Das ist vor allem ein Problem für Leute von außerhalb“, weiß Müller. Der rechte Fahrstreifen, der die Fahrer in die Gärtnerstraße leiten soll, verläuft nicht geradlinig, sondern erst nach links ins Zentrum der Kreuzung und dann rechts in die Gärtnerstraße. „Das blickt keiner einfach so, man muss Rücksicht nehmen“, sagt Müller. Aufgrund der Bauarbeiten am ehemaligen Z1 auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist das aber aktuell kein Thema.
Direkt nebenan braucht es an der selben Kreuzung ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit, wenn man zur Gärtnerstraße fährt. Aus der Dankelsbachstraße kommend wird das Problem durch die Baustelle aber nicht egalisiert. Ganz im Gegenteil, sagt Müller: „Das ist im Moment noch schlimmer als normalerweise.“ Hier führen zwei Fahrstreifen in Richtung Gärtnerstraße, dort ist die rechte Spur durch die Bauarbeiten aber so verengt, dass man sie kaum befahren kann. „Man muss zwangsläufig leicht links fahren. So landet man schnell in der anderen Spur“, erklärt der Fahrlehrer. Müller ergänzt: „Wenn man aufeinander achtet, klappt das trotzdem ganz gut.“
Viele Wechsel bei mehreren Spuren
Unweit entfernt birgt die Kreuzung am Oppenheimer Tor ebenfalls Risiken in Sachen abrupte Spurwechsel. Von der Ring- in die Schützenstraße verlaufen zwei Fahrbahnen nach links. „Hier wird ständig hin und her gewechselt“, kritisiert Müller. „Wir Pirmasenser sind das mehrspurige Abbiegen ja aber auch nicht so gewohnt“, scherzt er. Umso überraschender: Nur wenige Meter weiter, wo die Schützen- in die Teichstraße führt, klappt das zweispurige Abbiegen wiederum erstaunlich gut, berichtet er.
Einer der Verkehrsknotenpunkte der Horebstadt ist die Walhalla-Kreuzung. „Hier bin ich immer ganz stolz auf Pirmasens. Es verlaufen vier Spuren nebeneinander! Das ist ja wie in der Großstadt – Wahnsinn“, erzählt Müller lachend. Die Vielzahl der Fahrbahnen erleichtert das richtige Einordnen allerdings nicht. „Verkehrstechnisch kann man hier eigentlich nichts verändern“, sagt der Fahrlehrer. Die Verkehrsteilnehmer müssen aufmerksam sein, um nicht falsch zu fahren. Wer das nicht tut, kann beispielsweise zur Lemberger Straße wollen, aber in der Simter Straße landen.
Haifischzähne sollen Bewusstsein schärfen
In besagter Simter Straße blüht es seit rund eineinhalb Jahren auf dem Schillerplatz. Dieser wurde komplett umgestaltet und unter anderem mit Bäumen und Blumenkübeln bestückt. Dadurch haben sich auch die Verkehrsregeln geändert: An der Kreuzung gilt seitdem rechts vor links. Das Problem: „Hier hält kein Mensch an“, moniert Müller. Bei der jüngsten Verkehrsschau der Stadt hat man sich bereits für eine Maßnahme entschieden. Auf der Fahrbahn sollen sogannte Haifischzähne eingezeichnet werden. Dabei handelt es sich um eine gezackte Linie, die das Bewusstsein der Fahrer für die nicht mehr ganz so neue Vorfahtsregelung zu schärfen.
Als einzigartig beschreibt Ralf Müller den Weg zum Waldfriedhof – und das nichts zwingend im positivem Sinne. „Das habe ich noch nirgendwo gesehen“, gesteht er. Konkret geht es um die Straße, die vom Eisweiher aus kommend unter der Unterführung hindurch zum Haupteingang des Friedhofs führt. Hier erwartet Autofahrer ein Stop-Schild – sie müssen für die Fahrer anhalten, die gerade von der B10 abfahren. „Es ist eigentlich ein völlig unhaltbarer Zustand, quer über die Ausfahrt einer Kraftfahrstraße zu müssen. Das ist schon eine Besonderheit“, sagt Müller und ergänzt: „Aber irgendwie funktioniert’s.“
Von der reinen Verkehrsführung gibt es laut Müller nichts zu bemängeln: „Wir haben ein Stop-Schild und man hat eine recht gute Sicht.“ Dennoch sei besondere Vorsicht geboten, betont der Fahrlehrer. Der Grund: „Viele, die abfahren, sind mit wesentlich mehr als 50 Stundenkilometern unterwegs.“
Noch komplizierter wird die Stelle auf dem Rückweg. „Hier ist die Sicht nicht gut. Man muss sich schon etwas verrenken, um zu sehen, wer von der B10 kommt“, so Müller.
Kritik an Kreisel-Beschilderung
Abseits konkreter Stellen bemerkt Müller immer wieder hausgemachte Probleme im Pirmasenser Straßenverkehr. „Wenn jemand zum Beispiel direkt vor der Bäckerei auf dem Gehweg parkt, wird die Straße verengt und es staut sich. Das ließe sich so leicht vermeiden“, schildert der Fahrlehrer.
Eine Kritik, der er regelmäßig höre, betrifft den Kreisel am Dr.-Robert-Schelp-Platz, berichtet Müller. Das Problem liege hier aber nicht etwa an der Verkehrsführung, sondern viel mehr an der Beschilderung. „Durch die Schilder an den Ein- und Ausfahrten hat man keine gute Sicht nach links“, erklärt der Fahrlehrer. „Das stimmt auch“, sagt er. Aber: „Das ist durchaus so gewollt, damit die Leute langsamer in den Kreisel reinfahren. Und das funktioniert.“
