Pirmasens „Etwas typisch Pirmasenserisches“

Der Duft des gebratenen Spanferkels, das sich am Spieß dreht, mischt sich mit den Aromen der ätherischen Öle und dem Geruch der Brote, die frisch aus dem Holzofen kommen. Zu barocken Klängen lässt man sich die Leckereien munden, während man seine Runde dreht und die Künste der alten Handwerke bewundert. Die Landgrafentage haben wieder Einzug gehalten am Schlossplatz.

Mit Fanfaren und Trommeln werden der Landgraf und seine Holde durch die Fußgängerzone geleitet, in seiner Entourage befinden sich die diversen Hoheiten des Landes, Weinköniginnen, Erdbeer- und Kastanienköniginnen und sonstige gekrönte Häupter. „Die Landgrafentage sind einfach etwas typisch Pirmasenserisches. Man kann sich für zwei Tage in der Zeit zurückversetzen lassen und die Lebensweisen und die Atmosphäre genießen“, beschreibt Beigeordnete Helga Knerr die alljährliche Veranstaltung. Zum fünften Mal ist Thomas Seidig mit seinen selbstgemachten Seifen dabei. „Es ist einer der ersten Märkte der Saison, von daher kommen wir immer gerne, außerdem ist das barock angehauchte Ambiente wirklich schön. Letztes Jahr war das Wetter ja nichts, aber der heutige Auftakt lässt doch hoffen“, sagt er am Samstag. Nicht weg zu denken von dem Markt ist auch Oskar Rindchen mit seinen Mini-Schuhen, die immer wieder bestaunt werden. Fast ein halbes Jahrhundert hat er in der Schuhfabrik gearbeitet und die Leidenschaft des Schuhhandwerks hat ihn nie verlassen. Von kleinen Sportschuhen über Wanderstiefeln bis zu Damen-Pumps ist sein Repertoire breit gefächert. Zum ersten Mal dabei ist der Scherenschleifer Wolfgang Hohl mit seinem Stand. Mit einem uralten, manuell betriebenen Schleifstein verleiht er den stumpfen Klingen wieder ihre ursprüngliche Schärfe. Vom Bodensee ist er angereist, extra für die Landgrafentage. „Da die Ordnungsämter was gegen fahrendes Handwerk haben, besitzen wir eine Werkstatt, aber im Prinzip reisen wir durch die ganze Republik mit unserem Stand. Viele Museen buchen uns und die zahlreichen historischen Märkte überall im Land bieten sich an für dieses Handwerk“, sagt er. Auch zum ersten Mal dabei ist der Lederpunzer Hilmar Fritz. „Mich hat der Scherenschleifer auf die Idee gebracht, hier mitzumachen. Es ist eine sehr schöne Atmosphäre hier. Ich bin von Hauptberuf Lederpunzer und nutze die Wochenenden in der Regel, um die zahlreichen Mittelaltermärkte des Landes zu besuchen, um die traditionelle Ausübung dieses alten Handwerks zu demonstrieren.“ Das Interesse an alter Handwerkskunst scheint ungebrochen zu sein, wenn man die zahlreichen Zuschauer betrachtet, die an allen Ständen stehen und sich die Fingerfertigkeiten der Profis betrachten. Wo sieht man denn auch sonst noch, wie man eine alte Schere wieder auf Vordermann bringt oder wie man ein paar Schuhe fertigt. Der kleine Tim brachte es auf den Punkt, als er die reich verzierte Ledertasche am Stand des Punzers bewunderte: „Dass is mol was anneres als dä Kram, wo mir immer im Kinnergarde machen.“ (rezi)

x