Gesundheitssport RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Sturz kann das Leben verändern

Kraft, Motorik, Gleichgewicht, Reaktionsvermögen: All das braucht es, um sicher auf zwei Beinen durch das Leben zu gehen. Achtkl
Kraft, Motorik, Gleichgewicht, Reaktionsvermögen: All das braucht es, um sicher auf zwei Beinen durch das Leben zu gehen. Achtklässler der IGS Waldfischbach-Burgalben bei Übungen im Fitness-Studio Vitalis.

In einem Fitness-Studio machen Waldfischbacher Schüler einen Kurs in Sturzprävention. Was sie dabei erleben und erfahren.

Sturzverletzungen können dazu führen, dass Selbstständigkeit verloren geht. Dauerhaft. Um das Risiko zu minimieren, ist es wichtig, die Fähigkeiten zu trainieren, die es für sicheres Laufen braucht. Damit sollte früh begonnen werden. Die biologische Uhr tickt schneller, als mancher glaubt.

„Macht euch bewusst, wir werden alle alt“, sagt Ruben Behzumi zu den Jungs und Mädels, die 13 bis 15 Jahre jung sind. Der Personal Trainer arbeitet im Fitness-Studio Vitalis in Waldfischbach-Burgalben und beschäftigt sich von Berufs wegen mit körperlicher Fitness. Die ist wichtig, sagt er, „um so lange wie möglich so gut und selbstständig wie möglich durch das Leben zu kommen“. Deshalb steht Sturzprävention auf dem Plan der Kursteilnehmer, denen Behzumi an diesem Morgen theoretisch und vor allem praktisch Übungen näherbringt, die helfen, so sicher wie möglich auf zwei Beinen durch das Leben zu kommen. Es sind 15 junge Kursteilnehmer. Schüler der achten Klasse der IGS Daniel Theysohn, die sich besonders für Sport und Gesundheit (auch als Berufsfeld) interessieren, erläutert Lehrerin Martina Stein die Idee hinter der besonderen Trainingsstunde.

Muskelabbau unerwartet früh

„Hat von euch jemand Erfahrung mit Stürzen?“, fragt Behzumi. Vereinzelt gehen Hände nach oben. Aufgrund der Erfahrungen, was braucht es, um sicher durch das Leben zu gehen? Reaktionsvermögen, sichere Motorik, ein gutes Gleichgewichtsgefühl und natürlich Muskeln, lauten Antworten. „Ab wann glaubt ihr, fängt der Körper an, Muskeln abzubauen?“, will der Personal Trainer wissen. „60“. „Früher“. „50“. „Noch früher“, sagt Behzumi und erntet ein unüberhörbares „Ohh“, als er erklärt, dass der Prozess des Muskelabbaus bereits im Alter von 30 Jahren beginnt.

Deshalb sei es wichtig, so früh wie möglich mit gezieltem Training zu beginnen, Prophylaxe zu betreiben. Was heißt Prophylaxe, will er wissen. Als eine Antwort „vorbeugen“ lautet, wird aus Theorie im Handumdrehen Praxis. „Genau. Also alle mal vorbeugen“. Rumpfbeugen werden gemacht. Zum Aufwärmen für das folgende Zirkeltraining, das die Fähigkeiten stärken soll, die es braucht, um nicht zu stürzen, oder um gut reagieren zu können, wenn sich der Sturz nicht vermeiden lässt.

Rauf aufs Mini-Trampolin und den großen Sitzball an die Wand werfen und wieder fangen. Damit es eine Herausforderung ist, die neben den Muskeln und Reaktionsfähigkeit auch die Koordination stärkt, darf nur auf einem Bein gehüpft werden. Es zeigt sich schnell, wer Muskeln hat, wer ein bisschen trainieren sollte. Auch in jungen Jahren.

Nicht zu einseitig trainieren

Hindernisse werden übersprungen, ein kleines Box-Sparring gehört dazu. Allein die Hände einige Minuten oben halten, ist ziemlich anstrengend. Natürlich dürfen die Liegestütze nicht fehlen, die die oft vernachlässigte Körpermitte stärken.

„Das sehen wir nicht nur bei älteren Menschen, sondern oft auch bei aktiven Sportlern, die zum Beispiel zu einseitig trainieren“, sagt Behzumi. Auch ein Fußballer braucht zum Beispiel einen stabilen Oberkörper. Was der Sturzprävention dient, hilft auch, körperliche Dysbalancen auszugleichen. Einseitige Belastungen, Fehlstellungen, die dauerhafte Schmerzen nach sich ziehen können, können vermieden werden.

Zirkel mit Musik

Die einzelnen Übungen sind erläutert und ausprobiert. Jetzt geht es in den Zirkel, und der macht mit Musik viel mehr Spaß. Die Kettlebells, also die Kugelhanteln, die einige Kilogramm wiegen, schwingen leichter bei der Stabilisationsübung, die gleichzeitig dem Muskelaufbau dient. Wer ins Straucheln kommt, hat mit einem stabilen Oberkörper, starken Armen und Reaktionsvermögen die Chance den Sturz noch so abzufangen, dass er glimpflich verläuft.

Von Minute zu Minute wird die Stimmung besser, werden aus eigenem Antrieb Übungen variiert. Warum auf dem Trampolin den Ball an die Wand werfen? Der lässt sich ja auch von Trampolinspringer zu Trampolinspringer passen. Schweißtreibend, aber sichtlich lustig. „Stark, super!“, lobt der Fitnesstrainer und ruft zum Abschluss noch „eine kleine Challenge“ aus. Wer kann am längsten im korrekt ausgeführten Unterarmstütz – der im Fitnessbereich Plank heißt – bleiben? Körperspannung ist gefragt. Wichtig. Auch zur Sturzprävention.

x