Pirmasens Ein Meilenstein in der Schuhgeschichte

Die Geschichte des Rheinbergers fasziniert. Das merkte man letzten Samstag nicht zuletzt daran, dass rund 20 Interessierte zu einer Gästeführung von Klaus Brenner gekommen waren, die sich um die Pirmasenser Schuhgeschichte am Beispiel des Rheinbergers drehte.
„Seit der Gründung der Stadt im Jahr 1763 wurden immer mal wieder Schuhe in Pirmasenser gefertigt“, erzählt Brenner bei seinem Vortrag im Dynamikum. Der eigentliche Schuhfabriken-Boom war allerdings erst 1898 erreicht, „da gab es 47 größere und 74 kleinere Schuhfabriken in Pirmasens“. Brenner verweist auf die zwei großen, führenden Schuhfabriken, die sich damals schon in Pirmasens ansiedelten: Peter Kaiser und der Rheinberger, der sich bald zu einer der größten Schuhfabriken Europas mausern sollte. Im August 1882 gründete der 26-jährige Eduard Rheinberger mit 15 Mitarbeitern seine Schuhfabrik im „Husarenstall“. Zuvor hatte er in der Schuhfertigung seines Halbbruders Jakob Rheinberger gearbeitet, stellte sich bald jedoch auf eigene Füße. „Sein Konzept sah schlichte und bequeme Ware zu reellen Preisen vor“, erzählte Brenner am Samstag. Die Qualität der oft als „schlecht“ empfundenen Pirmasenser Ware sollte außerdem verbessert werden. Bereits drei Jahre später stieg die Zahl der Beschäftigten im Rheinberger auf 100 Personen. Neue Räumlichkeiten mussten her, weswegen ein eigenes Gebäude in der Ringstraße gebaut wurde. 1903 wurde weiter expandiert und das heutige Rheinberger-Gebäude in der Schachenstraße gekauft. Bald arbeiteten dort 1500 Mitarbeiter, auch in Teilbetrieben in Clausen und Lemberg. 1909 und 1910 wurde der Rheinberger ein Familienunternehmen: Eduards Söhne, Robert und Gustav, traten in die Firma ein und übernahmen sie 1918, nach dem Ersten Weltkrieg und dem Tod ihres Vaters. 1922 machten die Brüder aus dem Rheinberger eine Aktiengesellschaft, an der aber nur Mitglieder der Familie Anteile hatten. Im Jahr 1927 produzierten 1800 Arbeiter 5000 Paar Schuhe täglich für neue Absatzmärkte wie Dänemark, Österreich, Schweiz und Holland. „Bis ins Jahr 1937 wurden die Fabrikgebäude mehrfach erweitert und die Zahl der Beschäftigten wuchs auf 2300 an“, erklärt Brenner. Als im September 1939 die Stadt Pirmasens geräumt werden musste, erwarb Gustav Rheinberger in Offenbach ein Zweitwerk, in dem bis August 1940 1200 Mitarbeiter Schuhe fertigten. „Bald schon wurde die Produktion aber nach Pirmasens zurückverlagert“, so Brenner weiter. Bei Bombenangriffen im Jahr 1945 wurden alle Betriebe zerstört, jedoch schaffte der Rheinberger es 1947 wieder in die erste Reihe der größten Schuhfabriken Europas. Eineinhalb Millionen Schuhe schafften es von hier aus in die ganze Welt. Nach dem Tod von Gustav Rheinberger im Jahr 1968 und dem Niedergang der Schuhindustrie in Pirmasens wurden die Aktien der Firma 1972 an zwei Privatbanken verkauft. Im gleichen Jahr übernahm die Hauensteiner Josef Seibel GmbH die Firma Rheinberger. An dieser Stelle schloss Gästeführer Brenner seine Ausführungen und machte sich mit seinen Gästen zu den historischen Plätzen und Gebäuden auf, die die Geschichte des Rheinbergers auf ihre ganz eigene Art erzählen.