Vinningen Ein letztes Mal Erich Kästner: Duo Carambole gibt überzeugende Abschiedsvorstellung

Einen umfassenden Einblick in das Leben und Werk Erich Kästners gaben Wolfgang Spitz (rechts im Bild) und Wolfgang Sobiraj am So
Einen umfassenden Einblick in das Leben und Werk Erich Kästners gaben Wolfgang Spitz (rechts im Bild) und Wolfgang Sobiraj am Sonntag in Vinningen.

Interessantes über den Schriftsteller Erich Kästner erfuhren die Besucher der gut gefüllten Alten Kirche in Vinningen am Nachmittag des Ewigkeitssonntags. Wie bei einem Interview unterhielten sich Wolfgang Spitz in der Rolle von Kästner und Wolfgang Sobiraj als Fragesteller.

Duo Carambole nennen sich Wolfgang Spitz und Wolfgang Sobiraj. Im Kulturzentrum Alte Kirche brachten die beiden am Sonntagnachmittag, wie der Titel ihres Programms bereits versprochen hatte, Erich Kästner auf den Punkt.

Wie ein roter Faden zog sich dessen Biografie durch das Programm, in das seine Zitate, seine Texte, seine Lyrik eingeflochten waren. Wolfgang Spitz rezitierte während des fast zwei Stunden langen Programms komplett auswendig – und Wolfgang Sobiraj untermalte das Ganze am E-Piano mit der jeweils passenden Musik. Eine großartige Leistung der beiden reifen Herren, die an diesem Tag übrigens ihre Abschiedsvorstellung gaben. Es soll ihr letzter Auftritt als Künstler-Duo gewesen sein.

Der Zeitgeist der 1920er Jahre

Erich Kästner beschrieb in seinem Werk den Zeitgeist der goldenen 1920er Jahre, aber auch die politischen und vor allem finanziellen Probleme während der Weimarer Republik, wozu Sobiraj die zeitlich und inhaltlich passenden Schlager lieferte. Viele davon sind auch heute noch bekannt, beispielsweise „Schöner Gigolo, armer Gigolo“.

Doch auch der Zweite Weltkrieg war Thema in Kästners Werk. In diesem bedrückenden Abschnitt seines Lebens entstanden viele Antikriegstexte, was zur Verbrennung seiner Werke unter den Nationalsozialisten führte. Musikalisch wurden die beiden Künstler in Vinningen auch unterstützt: Das Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ sang Petra Berg-Knecht.

Fröhliche und schwermütige Musik

Natürlich war auch die Liebe Thema bei Erich Kästner. Im Programmabschnitt „Romanzen“ machten Spitz und Sobiraj klar, dass Kästner einen realistisch-unromantischen Blick auf die Paarbeziehung hatte und eher Trennungs- als schwärmerische Szenarien behandelte. Auch dem melancholischen Lied „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“ lieh Petra Berg-Knecht ihre Stimme, während Wolfgang Sobiraj mal fröhlich persiflierende, mal schwermütige Musik auswählte und diese immer gekonnt vortrug.

Der Rezitator Wolfgang Spitz brachte mit einer amüsanten Aneinanderreihung von kurzen und prägnanten Zitaten Kästner am Ende auf den Punkt und das Publikum zum Schmunzeln. Dieses bedankte sich bei dem Duo mit herzlichem Applaus.

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