Meinung
Die Kooperation zwischen Schuhstadt und Outlet ist spitze, wirft aber Fragen auf
Das Zweibrücker Outlet ist ein Erfolgsmodell. Seit 25 Jahren lockt es Kunden in die Südwestpfalz. Sie kommen von weit her, aber auch aus Pirmasens, dem Landkreis und Zweibrücken selbst. Natürlich hat es Auswirkungen auf die Innenstädte, wenn ein Kundenmagnet wie das Outlet nur wenige Autominuten entfernt ist.
Teile der Pirmasenser Kommunalpolitik, vor allem die CDU-geführte Stadtratskoalition, tun aber oft so, als ob das Outlet alleine die Schuld am Wandel der Pirmasenser Fußgängerzone hätte. Bisweilen wird argumentiert, als ob sich das Einkaufsverhalten nur deshalb geändert habe, weil mit dem Outlet-Center ein übermächtiger Konkurrent vor der Haustür steht. Andere geänderte Konsumgewohnheiten, Stichwort Online-Handel, werden dabei schnell vergessen.
Kooperation statt Konfrontation
Die Pirmasenser Schuhfabrikanten haben das einzig richtige getan: Statt über das Outlet zu lamentieren und die Konfrontation zu suchen, wollen sie künftig kooperieren. Das ist klug. Das ist der Unterschied zwischen Unternehmern und Politik. Während der Pirmasenser Stadtrat noch über eine Klage gegen die Outlet-Erweiterung sinniert, machen die Geschäftsleute Nägel mit Köpfen. Sie haben erkannt, welches Potenzial für sie im Outlet steckt. Jährlich kommen dort rund vier Millionen (!) Kunden hin. Wenn es nur gelänge, einen Bruchteil von ihnen nach Pirmasens zu locken, wäre das sicher keinen Schaden. Umgekehrt müssen sich die Pirmasenser Schuhoutlets nicht verstecken. Seitdem sie geeint unter dem Label „Schuhstadt“ auftreten, haben sie noch einmal an Schlagkraft gewonnen. Ihr Konzept gleicht dem des Outlets: Wer will, kann in den Schuhfabriken Schnäppchen machen, und kostenlose Parkplätze gibt es auch.
Fast wie bei Donald Trump
Warum ist im Pirmasenser Stadtrat und seitens der Stadtspitze trotzdem immer wieder die Rede von einer möglichen Klage gegen die Erweiterung des Outlets von rund 21.000 auf 29.500 Quadratmeter? Die Antwort ist einfach: So funktioniert eben Politik. Die Pirmasenser halten das Schreckgespenst einer Klage am Leben. Ob die jemals eingereicht wird, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Die Verantwortlichen wollen so Druck auf die Genehmigungsbehörden und letztlich das Land ausüben. Sie hoffen auf eine Kompensation. Oder wie US-Präsident Trump sagen würde: Sie wollen einen Deal. Der könnte folgendermaßen aussehen. Pirmasens verzichtet großzügig auf seine Klage, dafür gewährt das Land aber an der ein oder anderen Stelle eine ebenso großzügige Förderung. Das würde natürlich niemals jemand so bestätigen, aber darauf läuft es hinaus.
Wenn nun aber namhafte Pirmasenser Unternehmen in großem Umfang mit dem Zweibrücker Outlet kooperieren, erschwert das die Argumentation der Stadt Pirmasens. Wie soll das gehen: Mit Verweis auf mögliche negative Folgen für Pirmasens gegen das Outlet klagen, obwohl die Schuhstadt-Initiative den Schulterschluss gesucht hat? Das wäre töricht. Die Klage hätte wohl wenig Erfolg. Die Pirmasenser Kommunalpolitik wäre klug beraten, wenn sie das Kapitel „Klage gegen das Zweibrücker Outlet“ endgültig abhakt.
