Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Der Pirmasenser Volker Christ ist musikalisch breit aufgestellt

Volker Christ freut sich, dass er immer wieder als Dirigent der Philharmonie Baden-Baden gebucht wird. Hier beim Neujahrskonzert
Volker Christ freut sich, dass er immer wieder als Dirigent der Philharmonie Baden-Baden gebucht wird. Hier beim Neujahrskonzert 2025.

Als Dirigent, Konzertpianist sowie als Musikpädagoge ist der wahl-Pirmasenser Volker Christ bekannt. Er ist ein wahrer „Hansdampf in allen Gassen“.

„Lokomotivführer wollte ich nie werden“, beteuert Volker Christ (64). Viel lieber wollte er als Kind Astrophysik, alte Sprachen oder Musik studieren. Heute ist der gebürtige Dillenburger, der in Pirmasens lebt und arbeitet, Dirigent und Konzertpianist sowie Musikpädagoge am Immanuel-Kant-Gymnasium. Der agile 64-Jährige kann auf eine höchst interessante Vita zurückblicken.

„Obwohl ich aus einer soliden Handwerkerfamilie stammte, durfte ich ebenso wie meine beiden Geschwister ein Instrument erlernen“, erklärt Volker Christ. Seine Wahl fiel auf Flöte und Klavier. Gerne erinnert er sich an seine Zeit, als er im Chor von Kirchenmusiker Wolfgang Schult sang. „Er förderte mich und bildete mich auch in Harmonielehre und Gehörbildung aus“, erinnert sich der 64-Jährige. Heute gebe er sein Wissen an seine Schüler weiter. Inspiriert durch seinen Lehrer studierte Volker Christ nach dem Abitur Dirigieren an der Musikhochschule Detmold bei Karl-Heinz Bloemeke und Schulmusik sowie Klavier bei Edmundo Lasheras mit dem Abschluss Diplom-Instrumentalpädagoge. „Daneben besuchte ich in Bielefeld ein Semester lang Latein“, so der gebürtige Hesse.

Auswanderung nicht ausgeschlossen

Es folgte eine spannende Zeit, als Volker Christ in den Jahren 1989 bis 2005 als Dirigent an verschiedenen Opernhäusern engagiert und bei Konzertproduktionen im In- und Ausland beteiligt war. Unter anderem auch als Assistent von Christoph von Dohnanyi. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ verrät er, dass er mit dem Gedanken spielte, dank eines lukrativen Angebotes, in die USA auszuwandern. Christ hatte mehrfach an der Eastman School of Music in Rochester, N.Y., gearbeitet und war 1999 zum ständigen Gastdirigenten und „Associate Professor of Conductin, Part-Time“ ernannt worden. „Letztlich gaben meine beiden Kinder den Ausschlag, dass ich in Deutschland blieb.“ Sohn und Tochter waren damals nach der Trennung der Eltern bei der Mutter geblieben. Doch nach wie vor hatte der Vater Kontakt mit ihnen, den er nicht aufs Spiel setzen wollte.

„Ich hatte aber gemerkt, dass es für mich an der Zeit war, den großen Bühnen adieu zu sagen“, berichtet Christ. Damals war er Generalmusikdirektor der Stadt Heidelberg und Chefdirigent des Heidelberger Philharmonischen Orchesters. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Steffi Sieber, die aus Pirmasens stammt und sich als Sopranistin einen Namen gemacht hat, kam er 2006 in die Horebstadt. Hier gründeten die beiden die Freie Musikschule Pirmasens. Ein Jahr später erhielt der Musikpädagoge das Angebot, als Elternzeitvertreter im Immanuel-Kant-Gymnasium zu arbeiten. Eine Tätigkeit, die ihm so viel Spaß machte, „dass ich als Seiteneinsteiger mit Mitte 40 ein zweites Staatsexamen anstrebte und auch erfolgreich ablegte“, freut sich der 64-Jährige noch heute über seine Beharrlichkeit. Es folgte eine Festanstellung – allerdings nicht als Beamter.

Begeisterung rübergebracht

Begeisterung liegt in seiner Stimme, als er erzählt, dass es ihm gelungen sei, „fast die halbe Schule für den Chorgesang zu begeistern“. So gründete der beliebte Pädagoge drei Ensembles: „Kantileni“ (Klassen 5 bis 7), „Kantiamo“ (Klassen 8 bis 13) sowie den Kant-Kammerchor, der bereits mehrmals im Pirmasenser Kulturprogramm aufgetreten ist. Nächste Veranstaltung ist das Weihnachtskonzert mit anspruchsvoller Chormusik und Lesungen am vierten Adventssonntag in der Johanneskirche. Mit deren Kantor und Kirchenmusikdirektor Maurice Croissant hat er eine sehr gute Beziehung. Beide hatten bereits mehrfach bei verschiedenen Veranstaltungen zusammengearbeitet.

Zwar sei der Beruf als Lehrer sehr anstrengend, trotzdem freue er sich, wenn er nach wie vor als Dirigent gefragt sei, erklärt Christ. „Es ist schön, dass ich von den Profis akzeptiert werde, obwohl ich nicht mehr auf dem Markt bin.“ So arbeitet er öfter mit der Philharmonie Baden-Baden zusammen und dirigierte am 1. Januar 2025 das Neujahrskonzert im Kurhaus. Zwar bedeute dies alles zusammen Stress pur. Aber das sei positiver Stress: „Ich liebe diese Nebentätigkeit, in die ich viel Herzblut investiere“, so Christ. Er gehe darin total auf. So ist er neben der Philharmonie Baden-Baden regelmäßig zu Gast bei der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und den Frankfurter Sinfonikern.

Eine Rock-Pop-Ader

„Ich habe aber auch eine Rock-Pop-Ader“, bekennt der Musiker. Er sei mit Deep Purple und den Eagles groß geworden. Geprägt von dieser Zeit, habe er das Crossover-Projekt „Philharmonic Wonders“ gegründet, das in Zusammenarbeit mit der Freddy Wonder Combo Rockband und Sinfonieorchester zusammenführt. In diesem Jahr veranstaltete Volker Christ mit dem jungen Singer/Songwriter Marcus Zimmermann ein Konzert unter dem Motto „Face the Truth“.

Viel Zeit für Freizeitaktivitäten hat er nicht. Doch Volker Christ bleibt am Ball: „Als Ausgleich gehe ich ins Fitnessstudio oder mache einfach nur einen Spaziergang rund um den Eisweiher.“

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