Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Der FKP-Doc: Mediziner, Pianist und Fußballfreund

Bei Verletzungen schnell auf dem Rasen: FKP-Mannschaftsarzt Sebastian Schreiber, hier mit Mittelfeldspieler Thomas Selensky, der
Bei Verletzungen schnell auf dem Rasen: FKP-Mannschaftsarzt Sebastian Schreiber, hier mit Mittelfeldspieler Thomas Selensky, der nach »Eisbein«-Pause am Samstag wieder mitmischen kann.

Etliche verletzte Spieler verzeichnet der FK Pirmasens. Also viel zu tun für Teamarzt Sebastian Schreiber. Er hat stets etwas dabei, das er hofft, nie anwenden zu müssen.

Wenn der luxemburgische Fifa-Schiedsrichter Jasmin Subotic am Samstag um 14 Uhr im Framas-Stadion das Oberliga-Heimspiel des FK Pirmasens nach der Winterpause gegen Rot-Weiß Koblenz anpfeift, wird auf der Bank der Gastgeber auch Sebastian Schreiber sitzen. Der 29-Jährige, Assistenzarzt in der Unfallchirurgie der Homburger Uniklinik, ist in der zweiten Saison Mannschaftsarzt des FKP und in der Regel bei allen Heimspielen, aber auch bei einigen Auswärtspartien dabei. FKP-Vereinsarzt Nils Veith aus Nünschweiler, der als Mannschaftsarzt die Zweitliga-Profis des 1. FC Kaiserslautern betreut, vermittelte den Homburger nach Pirmasens.

„Als Mannschaftsarzt schaue ich mir das Spiel mit einem anderen Auge an“, erzählt Schreiber. „Natürlich fiebere ich mit dem Team mit, aber ich habe insbesondere angeschlagene Spieler im Blick.“ Wenn er dann mal auf den Rasen muss, laute seine erste Frage an den am Boden liegenden Fußballer: „Kannst du weiterspielen?“ Aber selbst wenn der Spieler dies bejaht, kann es sein, dass er dem an der Außenlinie gespannt wartenden Cheftrainer Daniel Paulus mit einem Daumen nach unten eine nötige Auswechslung signalisiert. Schreiber: „Vorsicht ist vor allem bei Zusammenstößen mit dem Kopf geboten. Es ist die Pflicht des Arzts, da eine Gehirnerschütterung zu erkennen und den Spieler, der meist trotzdem weitermachen will, zu schützen und ihn rauszunehmen.“

Bei DFB-Arzt promoviert

Sein Equipment ist vielfältig. „Ich habe natürlich Sachen zum Kühlen, zur Wundversorgung, Schmerzmittel und ein Nahtset für Platzwunden“, berichtet Schreiber, der auch zertifizierter Sportarzt der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ist. Als Mike Andreas im Oktober beim Heimspiel gegen Gonsenheim am Kopf blutete, habe er ihn allerdings nicht kurzerhand genäht, sondern „mit einem Wundkleber versorgt“. Andreas spielte dann mit einem turbanartigen Kopfverband weiter. Immer dabei hat der FKP-Doc, der 2023 mit einer Arbeit über das „Risiko einer Übertragung von SARS-CoV-2 auf dem Fußballplatz im Jugend-, Amateur- und Profibereich“ beim ehemaligen Arzt der deutschen Nationalmannschaft, Tim Meyer, promovierte, auch einen AED. Der automatisierte externe Defibrillator könne den plötzlichen Herztod verhindern. „Ich habe das der Mannschaft auch schon mal präsentiert. Ich hoffe, dass wir den AED nie brauchen werden, aber man muss darauf vorbereitet sein“, betont Schreiber.

Er selbst war auch leidenschaftlicher Fußballer in der Jugend des FC Homburg und später in der saarländischen Herren-Landesliga als Linksverteidiger und Kapitän des SV Reiskirchen. „Bis zu meinem 23. Lebensjahr habe ich gespielt“, sagt der heute auf Jogging und Fitness-Studio setzende Mediziner. In der C-Jugend bestritt er auch mal mit Homburg ein Regionalligaspiel gegen den 1. FC Saarbrücken mit dem heutigen FKP-Angreifer Luka Dimitrijevic, der beim 2:1-Hinspielsieg bei Rot-Weiß Koblenz beide Pirmasenser Tore erzielte.

Verletzungsgründe

Dass die Pirmasenser beim Re-Start nach der Winterpause so viele verletzte Spieler haben, begründet er so: „Das Problem jeder Vorbereitung ist die hohe Intensität, die per se die Verletzungsgefahr erhöht. Auch ist der Kunstrasen, auf dem im Winter trainiert wird, ein Problem, obwohl die Kunstrasenplätze immer besser werden. Im Winter werden auch Hallenturniere gespielt, was durch die Wartezeiten zwischen den Spielen und die eingeschränkten Möglichkeiten, sich warmzumachen, gefährlich ist.“ Dario Tuttobene, der schon kurz vor der Winterpause einen Muskelfaserriss hatte, erlitt im Januar bei der Hallen-Stadtmeisterschaft einen Muskelbündelriss, „weil er vermutlich nicht richtig nachbehandelt hatte und nicht völlig warm war“, wie Trainer Paulus anmerkt. Der junge Angreifer, der meist im Verbandsligateam spielt, soll „in 14 Tagen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen“.

Sebastian Schreiber mit FKP-Vereinsarzt Nils Veith (links) nach der Knieoperation von Rechtsverteidiger Manuel Grünnagel.
Sebastian Schreiber mit FKP-Vereinsarzt Nils Veith (links) nach der Knieoperation von Rechtsverteidiger Manuel Grünnagel.

Sebastian Schreiber hilft dem FKP nicht zuletzt auch beim Vermitteln von MRT-Terminen – so auch diese Woche, als unter anderem Kevin Büchler nochmals in die Röhre kam. Bei dem im Dezember an der Leiste operierten Standard-Experten aus Weselberg, dessen Rückkehr ins Team stockt, sei „auf den Bildern nichts zu sehen gewesen“, informiert Paulus. Über Krafttraining und Stabilisierungsübungen soll Büchler nun möglichst bald wieder fit werden. Neben Stamm-Rechtsverteidiger Manuel Grünnagel, der wegen einer schweren Knieverletzung inklusive Kreuzbandriss seit einem halben Jahr pausieren muss, fallen gegen RW Koblenz auch Silas Gutmann, Grischa Walzer (Schambeinentzündung) und vielleicht auch Miguel Deho (Oberschenkelprobleme) verletzt aus. Dazu kommt die Gelb-Rot-Sperre von Luca Eichhorn. Die zuletzt angeschlagenen Dennis Krob und Thomas Selensky sind beim Oberliga-Zweiten vor der Partie gegen den Elften, der in dem Japaner Kanata Todate einen gefährlichen Stürmer hat, wieder einsatzfähig.

Zum 30. nach New York

Es gab und gibt also viel zu tun für den Mannschaftsarzt und die Physios. Wenn Sebastian Schreiber sich mal entspannen will, setzt er sich gerne ans Klavier. Früher gab er auch Konzerte. Ende März fliegt er mit seiner Lebensgefährtin nach New York und feiert dort seinen 30. Geburtstag. Zuvor aber will er „in den entscheidenden Wochen mit dem Spiel beim FCK II am 13. und dem Pokal-Halbfinale am 18. März“ noch ganz eng beim Team dabei sein.

Gibt auch Klavierkonzerte: Sebastian Schreiber.
Gibt auch Klavierkonzerte: Sebastian Schreiber.

VORVERKAUF GESTARTET

Noch zwei Siege braucht der FKP, um sich wieder für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Das Verbandspokal-Halbfinale beim VfR Kandel wird am Mittwoch, 18. März, um 19.30 Uhr nicht im Bienwaldstadion, sondern auf dem benachbarten Kunstrasen ausgetragen. Dort finden nur rund 1000 Zuschauer Platz. Der Online-Kartenvorverkauf hat begonnen. Tickets gibt es für zehn (ermäßigt acht) Euro unter „www.meinkandel.de“.

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