Pirmasens / Münchweiler
Der Beckenhof – geschichtsträchtiger Ort und beliebtes Ausflugsziel
Wer vom Beckenhof spricht, denkt selten daran, dass dieses Areal in den historischen Quellen als „Finsterbacherhof“ geführt wird. Vielen Besuchern der gleichnamigen Ausflugsgaststätte ist nicht bekannt, dass der Beckenhof, der unter diesem Namen weit über die Region hinaus bekannt ist, auf der Gemarkung der Gemeinde Münchweiler liegt. Für viele Gäste befindet er sich dennoch „in de Stadt“, also in Pirmasens. Erstmals bebaut wurde der Hof vor 240 Jahren, im Jahr 1786.
In den Jahren um 1760 lag das Finsterbachtal in den herrschaftlichen Wäldern des Lemberger Amtes. So ist nachzulesen: „Wie andere fürstliche Beamte und Offiziere, so trug sich auch der Pirmasenser Major Georg Bernhard Müller mit der Absicht, in den herrschaftlichen Wäldern des Lemberger Amtes ein Hofgut anzulegen.“ Aber hier waren um 1760 sämtliche Holländerbäume gefällt worden. Diese Waldblöße wollte Major Müller nutzen. Er beabsichtigte im Sattel zwischen dem großen und dem kleinen Arius, unweit der Haselkaut, ein Hofhaus zu errichten.
Name geht auf Leutnant zurück
Zum ersten Flächenankauf kam es 1764. Major Müller erwarb von den Erben des in Münchweiler verstorbenen Försters Georg Marx Helfrich eine zwei Morgen große Waldwiese, wofür er 100 Gulden und einen Taler Trinkgeld entrichten musste. Es erfolgten noch mehrere Grundstücksankäufe von Müller; zwar mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten, aber letztendlich konnte sich der zielstrebige Major eines großen Flächenbesitzes erfreuen. Holzfäller und Kohlenbrenner, so wird vom Chronisten vermutet, die in der Nähe der Fläche in armseligen Hütten hausten, hätten wohl den Grundbesitz des Offiziers urbar gemacht.
Es ist davon auszugehen, dass diese Waldleute das Neuland gegen mäßigen Pachtzins nutzen durften. Es folgten weitere Grundstückskäufe, nicht ohne Schwierigkeiten, am Ende aber mit beträchtlichem Flächenzuwachs.
Es folgten weitere Grundstückskäufe, nicht ohne Schwierigkeiten, am Ende aber mit beträchtlichem Flächenzuwachs.
Zum Namen „Beckenhof“ führte ein Vorgang aus dem Jahr 1780. Im Jahre 1780 bemühte sich Brigadier Georg Bernhard Müller, so weit hatte er nun den militärischen Aufstieg geschafft, seinem „Tochtermann“ (Schwiegersohn) Leutnant Friedrich Franz Adolf Beck den gesamten Grundbesitz in der Finsterbach zu übertragen. Müller war von seinem Schwiegersohn überzeugt, dass dieser hier auch ein Hofhaus aufbauen könnten. Aber Leutnant Friedrich Franz Adolf Beck lehnte ab. Er fürchtete, dass es aufgrund dieser Begünstigung innerhalb der Familie seiner Frau Streit geben könnte.
Jedoch Generalmajor und Schwiegervater Müller ließ diese Ablehnung nicht zu. Am 3. Februar 1781 erschien er auf der Pirmasenser Amtschreiberei und gab eine Erklärung: Es sei „sein väterlicher Wunsch und Wille, ohne jegliche Widerrede seiner Kinder“ seiner Tochter Johanna den Hof um den geschätzten Preis von 191 Gulden 22 Kreuzer zu vermachen. Darüber hinaus räumte er seinem Schwiegersohn, Leutnant Beck, die Grundstücke zum nutznießlichen Gebrauch gegen eine jährliche Bezahlung von 22 Gulden ein. Der Bevorzugte nahm an.
Beck vergrößerte den Besitz und errichtete 1786 ein Hofgebäude. „Das Volk gab dieser Neugründung den Namen Beckenhof“, vermerkt die Chronik. Erste Pächter waren die aus Lemberg stammenden Brüder Peter und Johannes Büchsler (Bixler). Bereits am 27. Februar 1787 veräußerte Beck den Hof an die Brüder: ein einstöckiges Hofhaus mit Holländerdach, Stallungen, Scheuer, Backofen und Schweineställen, 29 Morgen, drei Viertel und 28 Ruthen Land sowie eine Wiese von fünf Morgen und zwei Ruthen. Der Kaufpreis betrug 1322 Gulden. Das könnten in heutiger Währung etwa 13.220 Euro sein.
Trotz Fleiß traf die Familie Schicksalsschläge. Im Januar 1791 starb die Ehefrau von Peter Büchsler im Alter von 38 Jahren nach schwerer Geburt. Im Oktober desselben Jahres starb Johannes Büchsler im Alter von 50 Jahren an hohem Fieber. In der Folge veräußerte die Witwe Johannes Büchslers im August 1793 ihren Hofanteil an das Ehepaar Jakob und Barbara Ehrgott aus Ruppertsweiler. Nach deren Tod ging dieser Anteil an den Pirmasenser Förster der Nationalwaldungen, Georg Hammel.
Hof wird mehrfach verkauft
Die zweite Hofhälfte wurde am 25. Mai 1793 versteigert und von Adam und Sophia Siegentaler erworben. Deren Nachfolger verkauften am 12. März 1818 an Georg Hammel, der damit alleiniger Eigentümer des Finsterbacher Hofes (Beckenhof) wurde. 1824 erwarb der bayerische Staat das Anwesen für 2150 Gulden. Die Regierungsforstkammer erklärte das Hofhaus zum Forstdienstgebäude und besetzte es mit einem Förster. Seither diente der Beckenhof als Dienstwohnung. Der letzte Förster vor Ort war Adolf Mertel (1959–1975). Das Forsthaus Beckenhof galt schon damals als beliebtes Wanderziel; Gäste wurden von den Försterfamilien bewirtet.
Nachfahre besucht den Weiler
Ein besonderes Kapitel begann im Sommer 1938, als Generaloberst Ludwig Beck, damals Chef des Generalstabes, mit Gefolge am Beckenhof vorfuhr. Er nutzte eine Inspektionsreise durch die Pfalz, um der Hofsiedlung seiner Vorfahren einen Besuch abzustatten. Beck gehörte später zum Kreis der Männer um den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 und zahlte dafür mit seinem Leben. Zur Erinnerung errichtete der Landkreis Pirmasens ein Mahnmal am Beckenhof, das am 29. Juni 1977 feierlich eingeweiht wurde.
Verwaltungsgeschichtlich blieb der Beckenhof stets Teil der Gemeinde Münchweiler. 1969 nahm die Stadt Pirmasens Verhandlungen auf, um das rund 48 Hektar große Areal als Naherholungsgebiet auszuweisen. Der Gemeinderat stimmte dem Verkauf „im Prinzip“ zu, setzte ihn jedoch im Zuge der Debatten über eine mögliche Mülldeponie in den 1970er-Jahren aus. 1971 ließ Pirmasens das Gelände für rund 22.000 Deutsche Mark vermessen und mit Grenzsteinen markieren. Diese Maßnahmen blieben ohne Wirkung, denn 1972 trat das Landesgesetz zur Verwaltungsvereinfachung in Kraft: Der Beckenhof gehört seither – wie Münchweiler auch – zur Verbandsgemeinde Rodalben und blieb im Eigentum von Münchweiler.
Forsthaus wird zum Restaurant
Nach dem Tod von Förster Adolf Mertel 1978 verließ seine Familie das Forsthaus, das acht Jahre leer stand. Die Forstdienststelle war auf die Ruhbank verlegt worden. Die Stadt Pirmasens erwarb den Hof und plante die Nutzung als Naherholungsziel. Ein Verkauf an die Firma Rewe scheiterte am Denkmalschutz, der den Abriss zugunsten eines Hotelbaus verhinderte. Die Stadt nahm das Anwesen zurück und verpachtete es 1983 an Jürgen Schlapmann, der die historische Fassade erhielt und im Innern eine Waldgaststätte einrichtete.
Für Thomas „Tom“ Memmer ist der Beckenhof eine Herzensangelegenheit. Der heutige Betreiber blickt anerkennend auf seine Vorgänger. Bereits unter Förster Adolf Mertel seien viele positive Bausteine hier zum Einsatz gekommen, die dem Beckenhof seine Zugkraft verliehen. Unter Jürgen Schlapmann seien weitere Modernisierungen angelaufen; sei ein Erbpachtvertrag mit der Stadt Pirmasens als Besitzerin des Anwesens abgeschlossen worden. Die Gastronomie habe nach Leerstand Auftrieb erhalten.
1994 kaufte der damals 30-jährige Gastwirt den Beckenhof. Zunächst ließ er den Erbpachtvertrag verlängern. Zwischen 1997 und 1998 erwarb er von der Stadt ein rund 10.000 Quadratmeter großes Grundstück; der Erbpachtvertrag erlosch, Memmer wurde Eigentümer. Er investierte rund 3,5 Millionen Mark, erweiterte den Innenraum um etwa 200 Sitzplätze und löste das Abwasserproblem durch einen Kanalanschluss nach Ruppertsweiler. Das Ausflugslokal inmitten des Pfälzerwaldes wurde grundlegend saniert und modernisiert.
„Ich bin stolz darauf, den Beckenhof seit 32 Jahren als eines der bekanntesten und beliebtesten Ausflugsziele weit über die Region hinaus aufgebaut zu haben“, sagt Memmer. Zur Attraktivität tragen Lage und Angebot bei. Unterhaltungsformate wie Altweiberfasching, Rosenmontagsball, „Tanz in den Mai“ und Oktoberfest prägten den Ruf des Hauses. Der städtische Seniorentag stößt regelmäßig auf große Resonanz. Das Oktoberfest ist in diesem Jahr in abgespeckter Form geplant.
Der 62-Jährige beschäftigt derzeit vier Festangestellte. „Ich suche noch einen Koch oder Köchin“, sagt e, sowie zwei Teilzeitkräfte und einige Aushilfen. Alle Stammgäste und Stammtischgäste seien ihm ans Herz gewachsen, sagt Memmer, aber ganz besonders seine langjährigen Mitarbeiter. Die stärksten Besuchertage seien der 1. Mai, der Vatertag und Pfingstmontag. Der größte Wunsch von Tom Memmer ist „dass ich von 80 Arbeitsstunden auf die Hälfte pro Woche reduzieren kann. Dann hätte ich privat mehr Zeit für mich und meine Familie“.