Pirmasens
Debatte um Gedenktafel hält an
Gerhard Hussong (SPD) forderte am Montag die Beseitigung der Tafel oder mehr Aufklärung. Was die Verwaltung bisher zur Relativierung der propagandistischen Gedenktafel unternommen habe, sei ungenügend, ist Hussong überzeugt.
1924 war die Separatistenzeit in Pirmasens von einer aufgebrachten Menschenmenge mit dem Sturm auf das Bezirksamt blutig beendet worden. Neuere Recherchen von Historikern belegen, dass dabei Nazis maßgeblich bei der Vorbereitung und Ausführung beteiligt waren. 1937 wurde in der Bahnhofstraße eine Gedenktafel installiert, die in heroischem Ton an die dabei getöteten Angreifer erinnert.
1945 wurde die Tafel demontiert und nach einem Stadtratsbeschluss in den 1970er Jahren wieder aufgehängt. Neonazis nutzen die Tafel weiterhin als Gedenkort. Zuletzt im Februar vergangenen Jahres zum 100. Jahrestag des Sturms auf das Bezirksamt.
Neue Tafel erklärt die Nazi-Propaganda
Im August nun hat Dezernent Denis Clauer eine neue Tafel neben der Nazi-Gedenktafel installieren lassen. Diese zweite, viel kleinere Tafel schildert die Hintergründe des Separatistenaufstands und nennt die Namen der getöteten Separatisten. Auf der Gedenktafel aus dem Jahr 1937 sind nur die Namen der getöteten Angreifer genannt worden.
„In Größe und Aufmachung steht die zweite Tafel in keinem Verhältnis zur ersten“, findet allerdings Hussong, der in der zweiten Tafel keinen Ausgleich zur Gedenktafel des Jahres 1937 erkennen kann. Für Clauer ist das Thema jedoch erledigt: „Wir wollen Dinge erklären. Aus unserer Sicht ist es damit getan“, so Clauer im Stadtrat. Die Tafel von 1937 sei ein Relikt einer Zeit, das der Aufklärung bedarf, so Clauer und dies sei nun erledigt. Hussong kündigte an, mit einem Antrag der SPD die Beseitigung oder echte Aufklärung zu der Tafel einfordern zu wollen.