Pirmasens Das Fieberthermometer muss mit

Eigentlich ist alles bereit. Die Koffer sind gepackt, das Auto vollgetankt, das Navigationsgerät programmiert. Nächste Station: Rimini, Adria, Italien. Oder das Flugzeug wartet schon. Auf nach Mallorca, Ägypten oder Laos. Nichts vergessen? Nein. Die Tickets sind schon in der Handtasche, die Pässe auch, sie sind sogar noch gültig. Doch, halt, da fehlt doch etwas. Stimmt. Die Reiseapotheke. Der hastige Griff in das private Arzneischränkchen, Heftpflaster und Tabletten eingepackt. Gut gerüstet aber ist anders. Ein Phänomen, das auch Claus Schäfer immer wieder erkennt. Er ist Apotheker in der Pirmasenser Pelikan-Apotheke.

Herr Schäfer, schenken die Urlauber – auch in Pirmasens – ihrer Reiseapotheke zu wenig Aufmerksamkeit und behandeln sie stiefmütterlich?

Das ist die Beobachtung. Erfahrungsgemäß kommen die Kunden ein, zwei Tage bevor es losgeht zu uns. Meistens schauen sie zunächst die Hausapotheke durch und überlegen, was man davon noch mit in Urlaub nehmen kann. Dann ergänzen sie kurzfristig die fehlenden Sachen. Manchmal werden aber einfach zu wenig Medikamente mitgenommen oder Präparate, die bereits abgelaufen sind. Aber ist es überhaupt noch notwendig, eine Auswahl an Medikamenten vor der Reise zusammenzustellen? Ja, natürlich. Auf jeden Fall sogar. Manche Medikamente sollte man immer im Koffer haben. Für akute Beschwerden, die unvorhergesehen auftreten können. Schmerzmittel, etwas gegen Kopf- und Gliederschmerzen zum Beispiel. Oder ein Mittel gegen Ausschläge, gerade in südlichen Ländern. Das meiste ist auch vor Ort erhältlich, aber es dauert, bis man sich durchgefragt hat. Und ein Arzt ist auch nicht immer sofort erreichbar. Ein Grundsortiment schadet also nie. Was gehört nun in eine gut ausgestattete Reiseapotheke. Für Babys und Kinder ... zählt auch ein Fieberthermometer zur Grundausstattung. Genauso wie ein sehr hoher Sonnenschutz. In erster Linie müssen die Medikamente kindverträglich sein. Ein Mittel gegen Fieber und Schmerzen, Zäpfchen zum Beispiel, etwas für den Magen, Tropfen gegen Blähungen und Völlegefühl, aber auch gegen Übelkeit und Durchfall. Beliebt bei Kindern sind Augenentzündungen, Hals- und Ohrenschmerzen. Etwas ältere Kinder nehmen dann auch schon niedrig dosierte Schmerzmittel als Tabletten, ansonsten empfehlen sich Säfte oder Tropfen. Mullbinden und elastische Binden, dazu eine Salbe für Prellungen, Stauchungen und Zerrungen. Bei Schürfwunden ist ein Desinfektionsmittel wichtig, Heftpflaster, vielleicht eine Schere und Einweghandschuhe. Das klingt alles ziemlich viel. Da ist der Koffer schon mit Arznei sehr voll. Die Reiseapotheke richtet sich natürlich auch nach dem Reisetyp. Jemand, der mit dem Rucksack drei Monate durch den Dschungel reist, muss sich anders vorbereiten als der Pauschaltourist, der sich mit der Familie am Strand erholen möchte. Und Jugendliche und junge Erwachsene, die nach Mallorca fliegen? Die brauchen viel Sonnencreme und noch mehr Schmerzmittel. Ein bisschen Aspirin hilft gegen den Kater am nächsten Tag (lacht). Müssen Senioren etwas Bestimmtes beachten? Speziell Senioren nicht unbedingt. Generell gilt für sie vielleicht eine Sache etwas mehr, von der aber auch Jüngere betroffen sein können: Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen, müssen in ausreichender Menge mit in den Urlaub genommen werden. Idealerweise auch ein bisschen auf Vorrat, ein paar Tage als Reserve. Einfach um auf Nummer sicher zu gehen, denn man weiß nie. Der Flug kann zum Beispiel ausfallen, sodass man noch zwei, drei Tage länger am Urlaubsort verbringen muss. Wenn dann die eigenen Herztabletten leer werden, ist das ungünstig. Bei lebenswichtigen Medikamenten ist ein Ersatzrezept vom Arzt eine weitere Absicherung. Dann weiß auch der Apotheker am Urlaubsort, was man benötigt. Wohin mit den Medikamenten: Koffer oder Handgepäck? Grundsätzlich ins Handgepäck, gerade auch die dauerhaft verschriebenen Medikamente. Stellen Sie sich mal vor, wenn ihr Koffer verschwindet. Bei Flugreisen dürfen Flüssigkeiten und Salben, Gele und Sprays nur in begrenzter Menge mit an Bord. Da muss man bei der Sicherheitskontrolle aufpassen. Ein ärztliches Attest kann dafür sorgen, dass Medikamente in jedem Fall die Sicherheitsschranke passieren. Im Auto, im Flugzeug, im Hotelzimmer – ist die Lagerung von Medikamenten ein Problem? Auf der Fahrt reicht eine Kühlbox mit Kühlakkus oder für den Zigarettenanzünder in der Regel aus, um Medikamente zu lagern. Im Frachtraum des Fliegers ist es ohnehin nicht allzu warm und vielleicht gibt es im Hotelzimmer auch einen kleinen Kühlschrank. Extreme Hitze ist nicht förderlich für manche Medikamente und kann ihre Wirkung mindern. Zäpfchen zum Beispiel sollten nicht auf die Hutablage im Auto abgelegt werden und sind in südlichen Ländern mit extremer Hitze nicht empfehlenswert. Sie weichen auf und sind dann kaum noch zu gebrauchen. Insuline hingegen halten es zur Not auch mal einen Tag ohne Kühlung aus. Wenn doch mal was fehlt: Kann ich am Urlaubsort ohne Bedenken in die Apotheke? Zumindest in europäischen Ländern würde ich mir überhaupt keine Sorgen machen. Da spricht nichts dagegen. Das größte Hindernis dürfte die Sprache sein. Man muss erklären können, was wehtut und was für ein Medikament man überhaupt kaufen möchte. Aber die Arzneimittel an sich sind die selben wie in Deutschland. Arzneimittel sind also nicht unterschiedlich zusammengesetzt? Es gibt ganz vereinzelt unterschiedliche Zusammensetzungen. Aber die meisten Pharmaunternehmen versuchen es, möglichst einheitlich zu gestalten. Das Aspirin in Deutschland ist genauso stark wie das Aspirin in Spanien oder Frankreich. Aber es gibt in Spanien zum Beispiel andere Stechmücken als hierzulande. Die Mittel sind identisch, die Hersteller auch. Die Produkte heißen dann nur anders. Die meisten Arzneimittel werden europaweit zugelassen. Fenistil hilft hier bei Juckreiz, aber auch in Portugal. Und außerhalb von Europa? Das ist etwas komplett anderes. Da muss man etwas vorsichtiger sein, wenn man sich vom Apotheker etwas empfehlen lässt. Da geht es auch um Produktfälschungen. Bei Medizin aus Thailand oder in einer Apotheke in Laos kann ich nicht sicher sein, die gleiche Qualität wie in Deutschland zu bekommen. Sind natürliche Mittel im Ausland eine Alternative? Wiederum: In Europa ja, im ferneren Ausland ist Vorsicht angesagt. Bei der traditionellen chinesischen Medizin weiß man nicht, welche Bestandteile verarbeitet wurden. Es ist nicht schlimm, hier ein ein bisschen konservativ zu handeln. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt die Medikamente, die er verträgt, von zuhause mit.

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