Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Container: Wo Pirmasenser ihre Altkleider noch abgeben können [mit Grafik]

Illegale Müllablagerungen und Verschmutzung durch parkende Lastwagen beklagt die Stadt am Altkleidercontainerstandort in der Car
Illegale Müllablagerungen und Verschmutzung durch parkende Lastwagen beklagt die Stadt am Altkleidercontainerstandort in der Carl-Schurz-Straße an der Bundesstraße 10: Dieser Standort soll aufgegeben werden.

Es wird weiter wohnortnahe Altkleidercontainer geben: Und doch ändert sich vieles bei den Alttextilien – auch dass die Stadt jährlich mit Kosten von 80.000 Euro rechnet.

Im Frühjahr wurde die Altkleidersammlung zu einem Aufregerthema bundesweit und in der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt sind zwei bundesweite Entwicklungen zusammengetroffen: Eine neue EU-Verordnung verbietet die Entsorgung von Alttextilien im Restmüll, stattdessen sollen sie einer Verwertung zugeführt werden. Gleichzeitig ist der Markt der Altkleiderentsorgung zusammengebrochen: Verwerter haben keine alten Textilien mehr angenommen, einige Akteure haben geschlossen oder sind sogar in Insolvenz gegangen. Wo über Jahrzehnte gutes Geld für Altkleider gezahlt wurde, muss jetzt sogar bezahlt werden, damit die alten Textilien überhaupt angenommen werden. Und lokal hat sich ein drittes Problem dazugesellt: Die Vermüllung der Altkleidercontainer-Standorte. Die Zustände hatten sich dermaßen verschlimmert, dass die bürgerliche Koalition im Stadtrat beantragt hat, über die Zukunft der Altkleidersammlung nachzudenken.

Diese drei Entwicklungen haben zu einem heißen Sommer rund um die Altkleidersammlung gesorgt: Karitative Organisationen wie Caritas und Rotes Kreuz haben sich zurückgezogen. Verdienten sie bis zum vergangenen Jahr noch an ihren Containern, indem ihnen nachgeschaltete Verwertungsfirmen Geld für die Abnahme der alten Textilien zahlten, gab es nun kein Geld mehr. Im Gegenteil, die Verwerter gaben auf oder verlangten sogar Geld. Die Konsequenz: Die karitativen Akteure haben sich zurückgezogen. In Pirmasens waren im Frühjahr noch 28 Altkleidercontainer an 22 Standorten von Caritas, Rotem Kreuz und Maltesern zu finden, die alle aufgegeben wurden. Alle diese Container wurden von der Stadtverwaltung übernommen, die in die Altkleidersammlung einsteigen musste, um eine flächendeckende Versorgung mit Containerstandorten aufrecht zu erhalten. Beigeordneter Denis Clauer betont: „Wir wollen als Stadt dafür sorgen, dass die Bürger dauerhaft fußläufig einen Standort für Altkleidercontainer erreichen.“

Nur wenige Problemstandorte werden aufgegeben

Mit diesen Worten beruhigt der Beigeordnete Bürger und Stadtpolitiker, die nach dem Rückzug der karitativen Einrichtungen einen Kahlschlag bei den Standorten befürchtet haben. Wenn Standorte aufgegeben werden, dann handele es sich um Problemflächen, die in der Vergangenheit besonders vermüllt wurden. In den meisten Fällen wird sogar versucht, Ersatzstandorte in der Nähe zu finden, erklärt Sabine Stumpf, Sachbearbeiterin für die Abfallentsorgung beim Wirtschafts- und Servicebetrieb. Bislang wurden der Standort in der Zeppelinstraße unterhalb des Neufferparks, der Standort auf dem Meßplatz und der Standort vor dem Banana-Building (Ecke Rodalber / Pestalozzistraße) geschlossen. Als vierter Problemstandort wurde die Fläche in der Carl-Schurz-Straße gegenüber dem Lidl-Markt identifiziert: Schließung und Verlegung sind auch hier ein Thema, allerdings fehlt bislang der Ersatzstandort.

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Gleichzeitig hat die Stadtverwaltung aber auch schon einen neuen Standort eingerichtet: Auf dem Wertstoffhof in der Ohmbach wurden sechs Altkleidercontainer aufgestellt. Für Clauer ist diese Annahmestelle ein Gewinn für die Bürger: „Wer seine Wertstoffe oder Grünschnitt in die Ohmbach bringt, kann künftig gleichzeitig auch seinen Sack mit Altkleidern einladen und entsorgen. Das ist dann ein Weg.“ Momentan befinden sich etwa 50 Prozent der Altkleidercontainer in städtischer Hand. Mit der kostenpflichtigen Leerung, Transport und Verwertung des Inhalts wurde die FWS GmbH aus Bremen beauftragt, informiert Stumpf. Sie bringt die Pirmasenser Alttextilien zu Sortieranlagen in Deutschland und den Niederlanden, wo sie sortiert und weiterverwertet werden.

Verunreinigung von Standorten der Stadt melden

Die zweite Hälfte der Standorte wird von noch vier verbliebenen gewerblichen Altkleiderfirmen betrieben: 47 Container an 32 Standorten. Ob diese Standorte eine Zukunft haben, darauf hat die Stadtverwaltung keinen Einfluss, machen Clauer und Stumpf deutlich, allerdings wären sie auch nicht überrascht, wenn angesichts der wirtschaftlichen Lage der Branche einige Standorte aufgegeben werden. Wer einen Altkleidercontainer im öffentlichen Raum aufstellt, braucht eine Genehmigung des Ordnungsamtes. Allerdings nutzen die privaten Akteure auch Privatgelände, etwa Parkplätze von Einkaufsmärkten. Aktiv werden kann die Stadtverwaltung an den Standorten der privaten Unternehmen nur, wenn sie vermüllt sind. Denn die Säuberung und rechtzeitige Leerung gehört zu den Genehmigungsauflagen. Für die Reinigung der städtischen Containerstandorte ist der Wirtschafts- und Servicebetrieb zuständig. Wer Verunreinigungen feststellt, kann diese telefonisch unter der Rufnummer 06331 240824 melden.

Der Einstieg in den Betrieb der Altkleidercontainer und die Reinigung der Stellplätze kostet die Stadt Geld – und nicht zu wenig. Zwar fehlen derzeit noch die Erfahrungswerte, aber der Beigeordnete rechnet nach ersten Schätzungen mit jährlich etwa 80.000 Euro. Diese Kosten fallen im Abfallhaushalt an, der gebührenfinanziert ist. Was im Klartext heißt: Die Altkleidersammlung, die lange Zeit Geld gebracht hat, ist jetzt ein Zuschussgeschäft, das über die Müllgebühren bezahlt werden muss. Inwieweit sich die Altkleiderkosten auf die Höhe der Gebühren auswirken, ist noch nicht geklärt.

Fast-Fashion und unbrauchbare Textilien

Zu den Gründen, warum das Altkleidersystem in Deutschland in die Krise geraten ist, gehören zwei entscheidende Faktoren:

Da ist einmal das Problem von Fast-Fashion, sprich besonders billiger Kleidung, die dann auch schnell in den Altkleidercontainern landet, wenn sie nicht gleich in den Restmüll geworfen wird. Diese Kleidungsstücke lassen sich einerseits nicht mehr weiternutzen, sodass sie von den Verwertern kostenpflichtig entsorgt werden müssen, was deren Wirtschaftlichkeit belastet. Gleichzeitig sorgen sie für eine Krise in Second-Hand-Läden, gibt Stumpf zu bedenken, weil diese ihre Kunden verlieren, wenn neue Billigkleidung, aus Fernost importiert, günstiger ist als Ware aus zweiter Hand.

Und da ist dann noch die EU-Vorschrift: Für die Abfall-Sachbearbeiterin ist sie in der Anfangsphase nach ihrem Inkrafttreten missverstanden worden. Da war die Rede davon, dass jede auch noch so verschmutzte und unbrauchbare Textilie in die Altkleidersammlung muss. „Das ist falsch ausgelegt worden“, betont Stumpf: „Jede noch irgendwie brauchbare Textilie soll in die Altkleidercontainer und nicht in den Restmüll. Aber unbrauchbare Kleidungsfetzen haben dort nach wie vor nichts zu suchen.“ Sie sollten weiterhin im Restmüll landen. Indem nach Bekanntwerden der EU-Vorschrift massenhaft unbrauchbare Textilien in den Container landeten, wurde die Krise des deutschen Sammelsystem noch verschärft, denn auch sie müssen gegen Bezahlung entsorgt werden – statt für die Verwertung Erlöse zu erzielen.

Ab 2028 müssen Textilunternehmen zahlen

Allerdings gibt es in dieser EU-Verordnung noch eine Passage, so Clauer, die das System und dessen Wirtschaftlichkeit in den kommenden Jahren beeinflusst: „Momentan sind wir in einer Übergangsphase, aber ab dem Jahr 2028 müssen sich Textilunternehmen an den Kosten beteiligen.“ Mit Spannung warte er darauf, wie sich die Altkleidersammlung in Deutschland unter dieser Prämisse entwickelt.

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