Vinningen
Chansonabend im Haus am Lindenbrunnen: Französisches Flair
Das Programm ist sogar eigens für Vinningen kreiert. Eine Premiere. Eigentlich wollte Alexandra Maas, die bereits wiederholt mit ihrer Band French Touch in Vinningen gastierte, den Chansonabend mit Adrienn Cunka gestalten. Doch dann hat sie Margit Engel gefunden und dem Vinninger Publikum einen beseelten Abend voller Liebesliedern beschert – aber nicht nur. All ihre Lieblingschansons haben sie in das Programm gepackt, von der Piaf über Barbara hin zu Charles Aznavour und Jacques Brel.
Wenn die klassisch ausgebildete Akkordeonistin spielt, ist ihr Faible für französische Musettes und Tangos kaum zu überhören. Ihr Spiel bietet das Fundament, auf dem sich Margit Engel mit ihrer Stimme ausbreiten kann. Und die ist bekannt dafür, Chansons zu zelebrieren. Die Chansonniere hat übrigens in Kaiserslautern Französisch unterrichtet und rief dort ein Atelier de Chanson ins Leben.
Es geht um die Liebe
Es geht natürlich um Liebe, aber nicht nur um glückliche, sondern auch um „Entliebte“ und ein Favorit der Frauen ist gerade so ein Chanson, das davon erzählt, dass Liebe auch große Leidenschaft und Ausdauer bedeutet. „Chanson Des Vieux Amants“ heißt Jacques Brels Meisterwerk, das Alexandra Maas und Margit Engel besonders überzeugend interpretieren.
Mit einigen Liedern wollen die Frauen auch die Charakteristik der Deutschen betonen sowie die Gemeinsamkeiten beider Nationen. Barbaras „Göttingen“ war seinerzeit sehr populär und hat mit Vorurteilen gegenüber den Deutschen aufgeräumt. Auf dieses Lied bezieht sich auch Patricia Kaas mit „D’Allemagne“, in dem sie Barbara zitiert. Schließlich haben sie mit „Lass es Liebe sein“ auch einen Song von Rosenstolz in ihr Programm gestreut.
Philosophie im Drei-Minuten-Format
Die Kulisse im Haus am Lindenbrunnen ist wie immer – gemütlich, wie es eben in einem Heuschober ist. Doch diesmal schmücken Federboen in Blau, Weiß, Rot den Raum sowie zwei Baskenmützen, die die Chansonniere im zweiten Teil trägt. Am Samstag geht es aber nicht nur um Musik, sondern auch darum, was ein Chanson überhaupt ist. Dafür haben die Frauen ein Brainstorming gemacht: Ein Chanson sei ein Flüstern mit Haltung, es trage Worte wie kostbare Steine auf einer schmalen Melodie, nichts sei zufällig, nichts bloß Klang. Hier spreche das Herz in vollständigen Sätzen – rauchig, trotzig, wahr. Solch poetische Vergleiche trägt die Akkordeonistin zusammen, die alleine schon die Fantasie beflügeln. Ein Chanson sei auch Theater en miniature und Philosophie im Drei-Minuten-Format, sagt sie und beweist es mit ihrem Spiel.
Dass es das erste Mal war, dass die Akkordeonistin und die Sängerin gemeinsam auf der Bühne standen, hat man schon ein wenig gemerkt. Dann anfangs knistert es vor Aufregung auf der kleinen Bühne. Die ist erst im zweiten Teil völlig verschwunden und die Frauen kommen an in ihrem Element.
Vinningen kommt dann doch nicht so oft vor. Außer in dem Block, der das 1700-Seelendorf mit Paris vergleichen will. Und eben bei dem Lied der großartigen Piaf „Sous le ciel de Paris“, der auch mal zum Himmel in Vinningen wird. Denn das Programm heißt „Sous le ciel de Vinningen“.
Rauschender Applaus
Ein Höhepunkt des Abends ist ganz klar „Tango Terrible“ von Lydie Auvray, der Grande Dame des Akkordeonspiels, ein Stück, das Alexandra Maas bravourös spielt und einen rauschenden Applaus erntet. Wie für Yann Thiersens Amelie-Musik auch.
Brigitte und Jürgen Kupper haben es gut gemacht, sich einen Chansonabend von Alexandra Maas zu wünschen. Mit Margit Engel an der Seite wurde ihr Anliegen wunderbar erfüllt.