Münchweiler
Bernhard Haßler führt Schuberts „Deutsche Messe“ auf
Innere Freude klangewaltig inszeniert: Bernhard Haßler präsentiert am Sonntag Franz Schuberts Deutsche Messe, eine Musik, zu der nicht nur der Münchweiler Kirchenchor St. Georg in seiner Stammkirche auftritt, sondern das Bläserensemble der Kammerphilharmonie Karlsruhe und Dekanatskantor Michael Ziesche an der Orgel.
Am Sonntag wird das Konzert nachgeholt, das im November krankheitsbedingt ausfiel. Die Kirche ist voll besetzt, nach dem Konzert gibt es Ovationen im Stehen. Denn geboten wird ein Chorprojekt, von dem man nur ahnen kann, wie aufwendig die Vorbereitung gewesen sein muss: Die Chorsänger mit ihren wunderbaren Stimmen – 21 Frauen, 18 Männer –, die Klangfarben von Oboe, Klarinette, Fagott und Kontrabass und das Orgelspiel von Dekanatskantor Michael Zieschke, der zwischen dem Instrument auf der Empore und der kleinen Schwester auf der Bühne hin und her wechselt.
Überraschend viele Männerstimmen
Es sind bemerkenswert viele Männer im Chor vertreten, für das Projekt konnten befreundete Chorleiter der Region gewonnen werden, auch Christoph Haßler.
Bernhard Haßler hat das Original von Schuberts „Deutscher Messe“ D 828 mit dem Text von Philipp Neumann ausgesucht, ein Werk, dessen neun Gesänge zu den am häufigsten aufgeführten Kirchenwerken des Komponisten gehört. Die Lieder wurden mit den Originaltempi des Maelzel-Metronom aufgeführt, so wie Schubert sie aufgeschrieben hat, betont Bernhard Haßler, dessen Liebe für diese Musik seinem souveränen Dirigat anzumerken ist.
„Zum Sanctus“: voluminös
Das Lied Nr. 5 „Zum Sanctus“ ist wohl allen bekannt, die Gottesdienste und Kirchenkonzerte besuchen. Am Sonntag allerdings ist es in einer besonders schönen, voluminösen Version zu hören. „Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr!“ heißt es darin.
„Die Texte sind derart sensibel religiös, dass man noch vor einigen Jahren gedacht hat, das muss doch nicht sein“, erzählt Bernhard Haßler. Doch in diesen Tagen voller Bedrängnis, Krieg und Hass kämen diese Texte gerade recht, findet er. Deswegen wünschte er dem Publikum ausdrücklich, den Text zu verstehen, Texte, die von der Allmacht Gottes handeln, von Wundern und Liebe. Natürlich könne man die Musik auch über den Klang in vollen Zügen genießen, aber den Texten zuhören lohne sich noch mehr.
Wunderbare Kulisse
Das Konzert sollte nicht beginnen, ohne dass Bernhard Haßler eine persönliche Anmerkung zu Schuberts Musik macht. Diese Messe in deutscher Sprache sei im Vergleich zu Messen von Johann Sebastian Bach und denen der Meistern der Klassik oft als minderwertig betrachtet worden, als volkstümlich sei sie bezeichnet worden. „Dennoch hat es im Kaiserreich unter Franz I. in Wien und Böhmen und Mähren Bestrebungen gegeben, deutsche Texte in Gottesdiensten zu singen, nicht nur lateinische“, berichtet er. Den Auftrag dazu habe der „Liedermacher“ Philipp Neumann vom Komponisten persönlich bekommen.
Von dieser vermeintlichen Minderwertigkeit ist nicht ein Funke zu spüren. Es ist ein wunderbares Konzert im voll besetzten Kirchenraum von St. Georg, der eine wunderbare Kulisse bietet. Das Publikum ist begeistert. Diese Wertschätzung gründet sich vielleicht nicht zuletzt auf der deutschen Textversion und deren schlichten, liedhaften Charakter. Das Konzert erweist sich als Balsam für die Seele. Bewusst wünscht der Chorleiter dem Publikum kein Vergnügen vor dem Konzert, sondern innere Freude.
Zugabe: „Waldgesang“
Neben Schuberts „Deutscher Messe“ erklingen das Segenslied „Du lässt den Tag nun enden“ (1874) von Clement Coterill Scholefield sowie als Zugabe das weltliche Lied „Waldgesang“ (1879) von Richard Strauss. Der Erlös des Konzertes soll der Erhaltung der Gerhard-Kuhn-Orgel in der Pfarrkirche St. Georg Münchweiler zugute kommen, die seit 2002 dort erklingt.