Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung von Susanne Wadle und Corine Kleck: Kuriositätenkabinett

Im Saal von Corine Kleck dominieren rote Textilfiguren. In der Mitte findet sich eine Figur von Susanne Wadle.
Im Saal von Corine Kleck dominieren rote Textilfiguren. In der Mitte findet sich eine Figur von Susanne Wadle.

Tentakel wachsen aus Wand und Boden, Lampenschirme werden zu Musikinstrumenten und seltsam-amorphe Formen münden in Barbiepuppenbeinen.

Die Künstlerinnen Susanne Wadle und Corine Kleck haben die Kreisgalerie zum Kuriositätenkabinett gemacht. In der Regel ist die Dahner Kreisgalerie mit den zwei großen Schulsälen für zwei Künstler völlig ausreichend, manchmal sogar zu groß. Die aus Landau stammende Wadle und Kleck, die aus Schweighouse-sur-Moder kommt, hätten locker die Säle alleine füllen können. Für Wadle ist die Kreisgalerie entschieden zu klein. Kein Wunder, da die Landauerin eine frühere Waggonfabrik als Atelier hat und damit wohl genug Platz, um ihre raumgreifenden Objekte zu entwickeln. Mit Wadle ist eine Künstlerin zu Gast, die an der renommierten Karlsruher Kunstakademie studiert hat. Davor hatte sie in Mainz und Dijon Kunsthochschulen besucht.

Die Landauerin nimmt für ihre Kunst, was ihr im Leben so über den Weg läuft. Fundstücke wie Lampenschirme, Häkeldeckchen oder Kaffeesäcke werden nach einem sichtlich aufwendigen Prozess zu Kunst. Mit viel Liebe zum Detail wird alles vernäht oder verschraubt und seiner ursprünglichen Bedeutung entrückt. Die 1966 geborene Künstlerin legt sich für ihre Objekte nicht neu fest und bleibt im Dazwischen, so auch der Titel der Ausstellung, die am Sonntag startete.

Kunst greift nach dem Besucher

Wer die Kreisgalerie aktuell besucht, muss aufpassen. Es gibt kaum Bilder im klassischen Sinne als zweidimensionale Werke an den Wänden. In allen Ecken und von allen Mauern greift die Kunst nach dem Besucher. So bei einem Objekt, das aus Stoffen und Häkeldeckchen besteht, die von Wadle zu einem gedrungenen Körper an der Wand vernäht wurden. Aus der Mitte strecken sich dutzende Beine von Barbie-Puppen mit ihren Füßen in den Raum. Wie Tentakeln wirken die Spielzeugbeine. In einem anderen, ähnlichen Objekt hat die Künstlerin Felle statt der Beine in der Mitte vernäht. Die Puppenvariante hält den Betrachter auf Distanz, während das Fell eher zum Drüberstreichen einlädt.

In der Ausstellung ist wegen meist fehlender Nummerierung der Werke nicht erkennbar, welcher Bildtitel auf der Preisliste zu den Werken gehört. Der Betrachter muss raten. Relativ klar ist die Zuordnung bei zwei Objekten, für die sich Wadle wohl in Hauenstein oder Pirmasens aus Beständen alter Schuhfabriken bedient hatte. Hinterkappen aus Leder wurden von der Künstlerin auf sehr gelungene Art zu einem Panzer montiert, so auch der Bildtitel. Hunderte der Lederkappen hat sie dafür verwendet.

Tuba mündet im Lampenschirm

Verträumt wirken dagegen die Objekte aus den Lampenschirmen, die als Verstärkung für Blechinstrumente, wahrscheinlich Tuben, dienen. Die Tuba hängt mit ihren Trichter nach unten und mündet im bemalten Lampenschirm und dessen Fransen wurden von Wadle noch bis zum Boden verlängert. Wie dieser Tuba-Lampenschirm klingt, bleibt das Geheimnis der Künstlerin. Der Raum wird aber allein durch die Objekte zum surreal-anmutenden Traum, der von Wadle als Circusblume betitelt wurde.

Im Raum dazu gesellt steht noch ein Turm, der von Wadle aus Kaffeesäcken sowie Rohlingen von Adventskränzen aus Stroh zusammengefügt wurde. Der Besucher könnte, sofern es erlaubt wäre, durch die Öffnungen greifen oder einfach nur durchsehen, andere Blickwinkel auf den Rest der Ausstellung einnehmen.

Äste wachsen über Wand und Boden

Ganz anders, aber dennoch verwandt erscheint die Kunst der Französin Corine Kleck im zweiten Saal. Hier wird es farbkräftiger und auch eleganter. Die Elsässerin wurde 1963 geboren und hat in Straßburg Objektkunst studiert. Auch Kleck näht gerne ihre Objekte zusammen, verwendet aber meist neue Materialien aus Samt oder reinweißen Baumwollstoffen. Dazu wird gestickt und gerne auch Materialien verwendet, die aus anderen Kontexten bekannt sind. So beispielsweise in dem Werk „Graine“, was sich mit Keim übersetzen lässt. Äste aus tiefrotem Textil wachsen über Wand und Boden in den Raum und münden in dutzendfache Finger, auf die Kleck kurzerhand Fingernägel aus einem Nagelstudio geklebt hat. Eine perfekte Arbeit, die genauso sein muss. In „Bourgeonnements“, was sich sinngemäß mit „Ansatz“ übersetzen ließe, hat sich Corine Kleck Handschuhe ohne Fingerspitzen ausgesucht, aus denen wurzelgleich Gebilde aus Paraffin wachsen. Die Kombination aus weißem Textil und hartem Material nimmt die Künstlerin auch für die Objekte, die treffend als „Flora“ betitelt wurden. Hier hat sie Blumen aus Keramik mit weichen Wurzeln aus Textil kombiniert.

Klecks Objekte sind extrem aufwendig. Über mehrere Meter erstrecken sich die samtroten Tentakeln in den Raum. Oder bei dem Objekt „Mélancholie“, das aus einer großen Südseemuschel mit dutzenden Textilarmen besteht, die in einer Art Augen münden. Es handelt sich dabei um die Art Muschel, die auch als Blasinstrument genutzt werden kann. Im Fall von „Mélancholie“ entwachsen ihr aber zig Blicke, die sich nach etwas Unbestimmtem sehnen.

Mit ihrem eigenen Namen spielt die Französin in einem der wenigen Wandbilder. „Klecksographie“ hat sie ihre Technik hier benannt und spielt damit auf das deutsche Wort „Klecks“ und ihren Namen an. Die Kleckse auf dem feinen Papier wurden mit Tinte betont und zeigen das Innere des menschlichen Körpers mit Lungenflügeln, Arterien und Speiseröhre.

Info

„L’entre deux/Dazwischen“, Susanne Wadle und Corine Kleck, Kreisgalerie Dahn, Schulstraße 14, bis 10. Mai täglich außer Montag von 15 bis 18 Uhr.

Für Susanne Wadle ist die Kreisgalerie eigentlich zu klein. Die Künstlerin kann deutlich größere Räume füllen.
Für Susanne Wadle ist die Kreisgalerie eigentlich zu klein. Die Künstlerin kann deutlich größere Räume füllen.
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