Pirmasens Auch Windsberg soll Gas bekommen

Nach einem Jahr Bauzeit könnte die Gasleitung nach Windsberg fertig sein.
Nach einem Jahr Bauzeit könnte die Gasleitung nach Windsberg fertig sein.

Windsberg soll als letzter Vorort der Stadt an das Gasnetz angeschlossen werden. Stadtwerke-Chef Christoph Dörr verkündete am Montag im Stadtrat einen ambitionierten Zeitplan. Schon im August soll mit dem Bau der Transportleitung nach Windsberg begonnen werden. 2025 soll alles fertig sein.

Der Zeitpunkt für die Erweiterung des Gasnetzes ist ungewöhnlich, und das weiß auch Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Dörr. Die Bundesregierung hat eine sogenannte Dekarbonisierung beschlossen, die auch besagt, dass fossiles Erdgas bis 2050 als Heizmittel verschwinden soll. Jetzt eine Gasleitung und ein Gasnetz in einem Dorf zu bauen, ist somit ein finanzieller Drahtseilakt, da sich diese Investition − kalkuliert auf 25 Jahre − kaum rechnen dürfte.

Dörr sieht jedoch auch über das Jahr 2050 hinaus Potenzial für Gas als Heizmittel; es müsse sich nicht unbedingt um fossiles Erdgas handeln. „Durch ein heute vorhandenes Gasnetz können später auch andere Energieträger fließen“, sagte Dörr am Montag. Das könnte Erdgas sein, das mit Wasserstoffgas angereichert wurde, oder auch Methangas, das in Biogasanlagen und durch Umwandlung von Wasserstoff aus der Elektrolyse gewonnen wird, wie es bereits in Winzeln in der Anlage vom Prüf- und Forschungsinstitut geschieht. Das dann entstehende Bio-Methan könnte auch nach 2050 geliefert werden und gleichzeitig den Zielen des Klimaschutzes entsprechen.

Dörr sieht außerdem Potenzial für Gas, da Heizöl schon bald deutlich teurer werde als Erdgas. Die Kohlendioxid-Abgabe wird für Öl stärker als für Gas steigen.

Schon im kommenden Monat will Dörr mit der Werbung um neue Gaskunden in Windsberg starten; er kündigte vielfältige Werbemaßnahmen an. Ende Mai soll es eine Infoveranstaltung vor Ort geben. Wenn 40 Interessenten in Windsberg zu finden sind, könne der Stadtwerke-Aufsichtsrat schon in seiner nächsten Sitzung am 17. Juni den Startschuss für das Projekt geben; im August würde dann der Bau der Transportleitung starten. Diese Leitung würde am Gersbacher Sportheim beginnen und durch den Wald bis zum Ortseingang von Windsberg reichen. Ein Jahr Bauzeit rechnet Dörr für die Transportleitung.

Im Januar will der Stadtwerke-Chef mit dem Bau des Versorgungsnetzes beginnen und die ersten Hausanschlüsse herstellen. In drei Bauabschnitten soll Windsberg erschlossen werden. Zunächst sind die Baugebiete südlich der Hochwaldstraße dran. Als letztes folgt die Hochwaldstraße. 2025 könnte die erste Gasheizung in Windsberg in Betrieb gehen. Dörr will dann ein „Fackelfest“ feiern.

Der Stadtwerke-Chef verwies im Pressegespräch und in der Stadtratssitzung auf die umweltfreundlichen Aspekte von Erdgas, was die geringe Menge an Feinstaubemissionen gegenüber Öl und vor allem Holz betreffe und die deutlich bessere Kohlendioxidbilanz gegenüber Heizöl. Auch gebe es keine Transportprobleme wie beim Öl. Die Stadtwerke beabsichtigen, für die Neukunden entsprechend günstige Konditionen anzubieten. Dazu gehören ein garantierter Fixpreis über einen längeren Zeitraum sowie ein bereits jetzt verfügbarer Kombipreis für Kunden, die Strom und Gas von den Stadtwerken beziehen. 266 Gaskunden hält Dörr in Windsberg theoretisch für möglich.

Windsbergs Ortsvorsteherin Stefanie Eyrisch (CDU) begrüßte in der Stadtratssitzung am Montag, dass ihr Vorort nun die Möglichkeit hat, angeschlossen zu werden. Allerdings sei das Interesse im Ort vor fünf Jahren noch größer gewesen. Damals hätten die Pirmasenser Stadtwerke die Erschließung jedoch abgelehnt. In der Folge seien dann mehrere Leute von Öl auf Pellets als Heizmittel umgestiegen.

Daran, dass sich bis Juni bereits genügend Interessenten bei den Stadtwerken melden, hegt Eyrisch Zweifel: Der Umstieg sei eine Investition, „die man nicht einfach so übers Knie bricht“. Grundsätzlich „besteht aber noch Interesse an Gas in Windsberg, wenn auch nicht mehr so stark wie noch vor fünf Jahren“, sagte sie und versprach, für das neue Angebot zu werben. Die Ortsvorsteherin regte außerdem an, sollte es zum Leitungsbau kommen, „gleich Leerrohre für Glasfaser mitzuverlegen“.

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