Pirmasens „Apotheke vor Ort stirbt nie aus“

„Das Apothekengeschäft in Pirmasens ist schwieriger geworden.“ Claus Schäfer, Inhaber der Engel- und neuerdings auch der Pelikan-Apotheke, verweist auf mindestens zehn Schließungen von Apotheken in den vergangenen Jahren in der Stadt und in Winzeln. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei heutzutage nur noch möglich, wenn Ärzte in der Nähe einer Apotheke praktizieren. Schäfer hat deshalb zusätzlich zur Engel- die Pelikan-Apotheke in der Kaiserstraße erworben. Außerdem sicherte er sich eine Miet-Option im Ärztehaus, das am Messegelände gebaut wird.

Die Engel-Apotheke in der oberen Hauptstraße sei fast schon nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, so Schäfer. Vor sieben Jahren hat er das Geschäft übernommen, nachdem er zuvor als angestellter Apotheker gearbeitet hatte. Rund 40.000 Euro hat er seit 2007 in die Renovierung der Engel-Apotheke gesteckt, die er voraussichtlich noch zwei Jahre betreibt. Dann läuft sein Mietvertrag aus. Als ihm die Pelikan-Apotheke zum Kauf angeboten wurde, zögerte er keine Minute. Sie sei zwar flächenmäßig kleiner als die Engel-Apotheke, vom Umsatz aber weitaus besser. „Das ist eine attraktiver Standort in der Kaiserstraße, mit Parkplätzen vor der Tür und Arztpraxen in der Nähe.“ Auch in der Pelikan-Apotheke will der 35-Jährige, der in Lemberg wohnt, die Einrichtung auf den neusten Stand bringen. Die Pelikan-Apotheke ist wochentags von 8 bis 12.30 und von 14.30 bis 18.30 geöffnet. Die Engel-Apotheke öffnet wochentags erst um 8.30 Uhr. Mittwochnachmittags sind beide Geschäfte geschlossen. Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in beiden Apotheken beschäftigt; drei in der Engel-, fünf in der Pelikan-Apotheke. Sollte er die Miet-Option im künftigen Ärztehaus wahrnehmen, würde das Personal mit umziehen. Das Geschäft mit den verschreibungspflichtigen Medikamenten laufe gut. Der Anteil liege zwischen 60 und 70 Prozent. 20 Prozent betragen die apothekenpflichtigen Produkte, der Rest des Umsatzes stammt aus dem Verkauf von Kosmetik, Körperpflege- und Nahrungsergänzungsmitteln. Um sich von den Internet-Apotheken abzugrenzen, setzt auch Schäfer auf Dienstleistungen wie Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinmessung und bietet einen Ausfahrdienst an. Gleichwohl sieht er das Internet lediglich als Konkurrenz für hochpreisige Produkte. „Die Apotheke vor Ort wird nie ganz aussterben“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Patienten können schließlich nicht zwei oder drei Tage lang auf ihre Medikamente warten. Die brauchen sie in der Regel sofort.“ Zudem würden beispielsweise von Hautärzten individuelle Rezepturen gefordert, die von Hand hergestellt werden müssen. Schäfer: „Das kommt regelmäßig vor, drei- bis fünfmal in der Woche.“ Außerdem würden sich viele ältere Leute nicht mehr mit dem Internet befassen. „Die Apotheke vor Ort ist für sie ein Kontakt, wo man andere Leute trifft und sich austauschen kann.“ Was die Apotheke vor Ort auszeichne, sei der Notdienst, der von der Landesapothekenkammer festgelegt wird. Zum Notdienstkreis in Pirmasens zählen das Stadtgebiet sowie die Gemeinden Lemberg, Bottenbach und Trulben. Bei den 13 hier ansässigen Apotheken, die immer im selben Rhythmus Nachtdienst schieben, kommt jede Apothekenbesatzung alle 13 Tage dran. Wobei die Resonanz unter der Woche eher gering sei. Freitag, Samstag, Sonntag sind die Schwerpunkttage. (pt)

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