Pirmasens
Altkleider-Entsorgung: Vom Geldbringer zum Zuschussgeschäft
„Bisher wurde für die Standorte der Altkleidercontainer Geld gezahlt, jetzt wird Geld für die Entsorgung verlangt“: Beigeordneter Denis Clauer fasste am Montag im Werkausschuss mit einem Satz zusammen, wie sich in den vergangenen Monaten der Altkleidermarkt verändert hat. Es ist beileibe kein Pirmasenser Problem, mit dem sich die Stadtverwaltung momentan herumschlägt. Denn bundesweit ist das Marktgeschehen rund um die Altkleidersammlung aus den Fugen geraten: Verwerter sind in Insolvenz gegangen oder ziehen sich zurück, Containerbetreiber, ob gewerblich oder karitativ, ziehen die Notbremse und bauen – bestenfalls – ihre Container ab. Gleichzeitig braucht es aber Annahmestellen für Altkleider, denn die Europäische Union verbietet die Entsorgung über den Restmüll.
Und dann ist da noch die Vermüllung vieler Containerstandorte in der Horebstadt, die der Stadtverwaltung zusätzliche Arbeit und Kosten beschert. Vor einem halben Jahr schon hatte die Mehrheitskoalition von CDU, FWB und FDP im Stadtrat beantragt, dass die Stadtverwaltung etwas unternimmt gegen die Vermüllung der Standorte der Altkleidercontainer – da gab es die wirtschaftliche Krise der Branche noch nicht.
Stadt hat 33 Altkleidercontainer übernommen
Mitten in dieser Umbruchphase des Altkleidermarktes informierten Clauer und Sabine Stumpf von der Abfallentsorgung des Wirtschafts- und Servicebetriebs (WSP) nun im Werkausschuss, was sich in den vergangenen Wochen bewegt hat. 33 Altkleidercontainer sind vom WSP übernommen worden, was aber auch bedeutet, dass das städtische Tochterunternehmen für die Entsorgung und Verwertung der Altkleider wie auch für die Sauberhaltung der Standorte zuständig ist, betonte Stumpf. Für die Verwertung der alten Kleider wurde ein Partnerunternehmen gefunden, die FWS GmbH in Bremen, die weltweit mit gebrauchter Bekleidung handelt. Allerdings muss die Stadt für die Weiterverwertung der Altkleider zahlen, betonte Clauer. Viele Altkleidercontainer, die nicht vom Wirtschafts- und Servicebetrieb übernommen wurden, werden inzwischen von den Besitzern abgebaut – die Caritas, die gerade in der Horebstadt viele Altkleidewrcontainer augestellt hatte, kündigte dieser Tage an, dass sie ihre Container selbst abholt, nachdem ihr insolventer Partner Texaid dazu nicht in der Lage ist.
Mit der Übernahme der Altkleidercontainer hat der Wirtschafts- und Servicebetrieb auch einige Standorte in der Stadt aufgegeben, die in der Vergangenheit besonders zugemüllt waren. In der Zeppelinstraße, am Meßplatz im Winzler Viertel und an der Kreuzung Pestalozzi-/Rodalber Straße sind die Altkleidercontainer schon weg, in der Schäferstraße werden sie noch abgebaut, kündigte Sabine Stumpf an. „Von den bisher 59 Standorten werden noch einige verschwinden“, ergänzte Clauer. Der Beigeordnete versicherte aber, dass die Pirmasenser auch künftig wohnortnah ihre Altkleider entsorgen können, denn in allen Stadtvierteln wird es weiterhin Standorte geben. Und auch auf dem Wertstoffhof als zentralem Standort können alte Kleider abgegeben werden.
Auswirkungen auf Müllgebühren unvermeidlich
Die Entwicklung der vergangenen Wochen auf dem Altkleidersektor wird die Stadt dauerhaft viel Geld kosten, machten Clauer und Stumpf deutlich. Altkleiderentsorgung ist innerhalb weniger Monate von einem Geldbringer zu einem Zuschussgeschäft geworden. Die Abfallentsorgung der Stadt muss künftig für die Betreuung der Container, die Verwertung der alten Kleidung und für die Sauberhaltung der Standorte zahlen. Diese Kosten werden sich auch im Haushalt der Abfallentsorgung niederschlagen, machte die Sachbearbeiterin deutlich. Was sich am Ende auch auf die Müllgebühren niederschlagen wird. Momentan lasse sich allerdings noch nicht beziffern, was an Kosten auf die Abfallentsorgung zukommt.
Für die bürgerliche Rathauskoalition hakte CDU-Ausschussmitglied Philipp Scheidel nach, denn in ihrem Antrag wurde auch nach einer Verringerung privater Standorte für Altkleidercontainer gefragt und eine Prüfung von Haussammlungen angeregt. Clauer geht davon aus, dass es künftig deutlich weniger Privatstandorte geben wird: „Bisher war das lukrativ für die Eigentümer der Flächen, weil sie dafür Geld bekommen haben. Wenn jetzt nichts mehr gezahlt wird, gehen die privaten Standorte aus meiner Sicht gegen Null.“
Haussammlungen als Alternative?
In der Vergangenheit habe es immer wieder einmal private Haussammlungen von Altkleidern gegeben, erinnerte Stumpf, als sie finanziell noch attraktiv waren. Sie gibt es wegen der mangelnden Wirtschaftlichkeit schon länger nicht mehr, erklärte die Sachbearbeiterin, die daran zweifelt, dass Haussammlungen mit finanzieller Unterstützung der Stadt mit der aktuellen Gesetzeslage vereinbar sind. Scheidel regte an, dass die Stadtverwaltung kalkulieren soll, was eine Haussammlung in der Regie der Stadt kosten würde.