Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Als Junior bei Uli Hoeneß daheim: Zum 75. von Helmut Steinbacher

War in den 1970er-Jahren einer der besten Linksaußen in der Region: Helmut Steinbacher (weißes Trikot).
War in den 1970er-Jahren einer der besten Linksaußen in der Region: Helmut Steinbacher (weißes Trikot).

Helmut Steinbacher hat für gleich vier südwestpfälzische Vereine in der 1. Amateurliga gespielt. Am Mittwoch feiert der Wahl-Rodalber seinen 75. Geburtstag.

Helmut Steinbacher macht auch mitten in seinem achten Lebensjahrzehnt einen äußerst fidelen und robusten Eindruck. Er spielt noch Tennis in der Ü70 des TC Rodalben. In Rodalben lebt der gebürtige Hengsberger seit Jahrzehnten. „Der Liebe wegen bin ich hierhergezogen“, erzählt der Mann, der am Mittwoch 75 wird und in den 1970er-Jahren als Fußballer einer der besten Linksaußen der Region war.

Schon früh war man beim FK Pirmasens auf den talentierten, sehr schnellen, trickreichen und torgefährlichen Helmut Steinbacher aufmerksam geworden. In der Jugend des FKP wurde er eine feste Größe und feierte als B-Junior mit den Blauen gegen die Jungs des favorisierten 1. FC Kaiserslautern die Bezirksmeisterschaft. Zusammen mit dem späteren Profi Hannes Riedl (441 Bundesligaspiele) stürmte er dann auch in der A-Jugend des FKP.

Meister 1972

Diese nahm in jener Zeit alljährlich an einem Pfingstturnier in Ulm teil. Und hier spielte auch ein gewisser Uli Hoeneß mit. Der spätere Welt- und Europameister, zehn Monate jünger als Steinbacher, stammt aus Ulm, und in dessen Elternhaus war der junge Hengsberger damals zweimal zu Gast, weil sein FKP-Kamerad Günter Schneider wie Hoeneß der Juniorennationalmannschaft angehörte und einen guten Draht zum heutigen Ehrenpräsidenten des FC Bayern hatte.

Im Gegensatz zu Hoeneß hat Steinbacher den Sprung nach ganz oben verpasst. Er saß bei einigen großen Spielen der ersten FKP-Mannschaft zwar auf der Bank, doch an einem Dieter Weinkauff oder Horst Brill kam er nicht vorbei. Aber immerhin wurde Steinbacher unter Trainer Heinz Schlickel mit den Amateuren des FKP und Mitspielern wie Volker Faul und Harry Ehrhart (beide später Zweitliga-Profis) 1972 Meister der 2. Amateurliga Südwest und stieg in die höchste Amateurliga auf.

Gegen Toppmöller und Briegel

„Ich hatte damals einen sogenannten Schubladenvertrag“, erzählt Steinbacher. 160 Deutsche Mark plus „einige Mark an Prämie“ habe er fürs Fußballspielen beim FKP „als Spesen“ erhalten. Bei den Profis habe er immer wieder mal mittrainieren dürfen. Dabei habe er „sehr viel von Robert Jung oder Trainer Bernd Hoss gelernt“. Jung, damals Kapitän und später Zweitliga-Trainer, sei ein wahrer „Schleifer“ gewesen: „Er hat uns zwei Medizinbälle unter die Arme gedrückt und uns Runden auf der 400-Meter-Bahn laufen lassen.“

Unvergessen sind ihm die Spiele gegen die Amateure des 1. FC Kaiserslautern, bei denen die späteren FCK-Stars Klaus Toppmöller, Hans-Peter Briegel oder Wolfgang Wolf am Ball waren. Bis Sommer 1973 blieb er dem FKP treu, ehe er für eine Saison zum TSC Zweibrücken wechselte und mit diesem Vizemeister der 1. Amateurliga wurde.

Drei Tore in der Matschschlacht

Dann ging es zur Spielgemeinschaft Pirmasens. Deren Trainer Hannes Breitzke hatte sich für die Verpflichtung des Stürmers stark gemacht. In der 2. Amateurliga bildete Steinbacher mit Ludwig Daniel und Lothar Eyrisch eine enorm starke Offensive. In dieser Zeit lieferte Steinbacher sein vielleicht größtes Spiel ab. In einer Matschschlacht an der Winzlerstraße schoss Steinbacher seine Farben mit drei Toren zum Sieg gegen den SV Alsenborn. Das Derby der SG gegen den FK Clausen wollten zu jener Zeit 3000 Zuschauer sehen. 1977 stieg Steinbacher mit den Schwarz-Weißen in die 1. Amateurliga auf. Nebenbei: Lothar Eyrisch und Helmut Steinbacher heirateten am selben Tag die Liebe ihres Lebens und feiern daher beide Anfang August 2026 ihre Goldene Hochzeit.

Vier Jahre lang war der SG-Platz an der Winzlerstraße die sportliche Heimat von Steinbacher, der dann dem Ruf Werner Tretters folgte und zum FC Rodalben wechselte, auch dort in der 1. Amateurliga spielte. Beim Traditionsverein beschloss Steinbacher – mittlerweile Vorstandsmitglied – seine Spielerkarriere.

Arbeitete 52 Jahre in der Lederbranche: Helmut Steinbacher.
Arbeitete 52 Jahre in der Lederbranche: Helmut Steinbacher.

Anekdoten mit fußballerischer Couleur könnte Steinbacher, der dicke Ordner mit Zeitungsberichten aus seiner erfolgreichen Zeit gesammelt hat, stundenlang erzählen. Stellvertretend die eine: „Bertl Breiner, Verteidiger beim FK Clausen, hat mich mal gewarnt: ,Wenn du den Ball annimmst, tret’ ich dich über die Barriere.’“ Nun, ganz so schlimm kam es nicht, doch sei Breiner schon ein harter Gegenspieler gewesen.

Schwiegersohn coacht SGR

„Der Fußball hat mich geformt“, ist sich Steinbacher sicher. Insgesamt 52 Jahre lang hat er in den Pirmasenser Firmen Leder Schmenger (30 Jahre) und Leder Bossert (22) gearbeitet. Es habe ihm „immer Spaß gemacht“, auch wenn es bisweilen schwierig gewesen sei, Fußball und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Ehefrau Ursula Steinbacher ist die dritte Beigeordnete der Stadt Rodalben. Beide haben eine Tochter, die mit Björn Hüther, dem Trainer des Fußball-Landesligisten SG Rieschweiler, verheiratet ist. Viel Freude hat Familie Steinbacher zudem mit Enkelin Cara.

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