Analyse zur Landtagswahl
AfD-Hochburg Pirmasens: CDU kommt mit blauem Auge davon
Zum Wahlkreis Pirmasens gehören neben der Stadt die Verbandsgemeinden Pirmasens-Land, Hauenstein, Rodalben sowie das Dahner Felsenland. Der Blick auf die politische Karte des gesamten Gebietes ist weitgehend schwarz. Sowohl bei den Landes- als auch bei den Wahlkreisstimmen hat die CDU in den vier Verbandsgemeinden die Mehrheit gewonnen. Gänzlich anders sieht es in Pirmasens selbst aus. Hier hat die AfD erstmalig den höchsten Landesstimmenanteil erzielt. Und auch ihr Wahlkreiskandidat Lutz Wendel lag klar vor CDU-Mann Christof Reichert mit 32,1 zu 26,0 Prozent der Stimmen.
Ist Pirmasens eine AfD-Hochburg?
Ein Stück weit folgt das Wahlergebnis einem landesweiten Trend: In sämtlichen kreisfreien Städten und Landkreisen in Rheinland-Pfalz liegt die AfD über ihrem Resultat der Landtagswahl 2021. Allerdings hat die in Teilen rechtsextreme Partei nirgends im Land so viele Stimmenanteile dazu gewonnen wie in Pirmasens: 17,1 Prozentpunkte. Pirmasens ist damit unumstritten eine, wenn nicht sogar die Hochburg der AfD. Im Vergleich dazu holte die Partei in Mainz gerade einmal 7,8 Prozent der Landesstimmen.
Wie sieht es mit der AfD in den Dörfern aus?
Ausgerechnet in Lemberg, einer SPD-Hochburg, in der sogar eine sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete wohnt, legte die AfD nicht nur kräftig zu, sondern liegt sowohl bei den Erst- als auch den Zweitstimmen vorne. Die SPD musste in Lemberg 8,6 Prozentpunkte Rückgang bei den Stimmen verkraften, parallel dazu hat die AfD dort über 17 Prozentpunkte im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl dazugewonnen. In Bottenbach, Erlenbach und Ruppertsweiler sieht es ähnlich aus. Die Wähler in diesen Orten machten ihr Kreuz ebenfalls mehrheitlich bei der AfD.
Wie sieht es in Pirmasens bei SPD und CDU aus?
In Pirmasens muss die SPD herbe Verluste einstecken. Im Vergleich zur Wahl 2021 haben die Sozialdemokraten sogar zehn Prozentpunkte weniger geholt. Sie landeten mit 23,3 Prozent der Stimmen auf Platz drei hinter der AfD (32,1 Prozent) und der CDU (26). Die CDU kommt mehr oder weniger mit einem blauen Auge davon und hat nur 1,6 Prozentpunkte verloren. Allerdings sieht der Landestrend bekanntermaßen anders aus. Landesweit hat die CDU 3,3 Prozentpunkt im Vergleich zur letzten Wahl dazu gewonnen. Vor dem Hintergrund der anstehenden OB-Wahl im September dürfte das den Partei-Strategen zu denken geben.
Fällt noch etwas auf?
Die CDU hat in der Verbandsgemeinde Rodalben alle Gemeinden gewonnen, sowohl bei den Erst- als auch den Zweitstimmen. Das ist interessant, weil vor nicht allzu langer Zeit die SPD dort mit Peter Spitzer die Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde gewonnen hat. Das zeigt einmal mehr: Bei den Kommunalwahlen zählt meist weniger das Parteibuch als die Persönlichkeit der Kandidaten.
Wie sieht es in den Heimatorten der Wahlkreiskandidaten aus?
Zwei der drei Bewerber der großen Parteien haben in ihren Heimatorten souverän gewonnen. Fast jeder zweite Hauensteiner stimmte für Christof Reichert (48 Prozent). Die Landesstimmen für die CDU belaufen sich im Schuhdorf auf 37 Prozent. Markus Keller (SPD) ist in seinem Heimatort nicht nur Bürgermeister, sondern wollte auch in den Landtag einziehen. Dass der Traum nicht wahr wurde, lag aber nicht an seiner Heimatgemeinde. In Bobenthal holte er mit 46,1 Prozent der Stimmen ein sehr gutes Ergebnis. Interessant ist auch: Bei den Landesstimmen lagen CDU und SPD gleichauf. Lutz Wendel (AfD) stammt zwar aus Pirmasens, lebt aber schon sehr lange in Eppenbrunn. Im Gegensatz zu Reichert und Keller schaffte er es aber nicht, in seinem Wohnort die meisten Stimmen auf sich zu vereinen. Wendel kam auf 25,8 Prozent der Stimmen, Reichert auf 35,6.
Wie sieht es mit den Grünen aus?
Die Grünen spielen in der Südwestpfalz landespolitisch keine Rolle. Die Partei holte gerade einmal vier Prozent der Landesstimmen im gesamten Wahlkreis Pirmasens. In der Stadt selbst fahren die Grünen ihr landesweit schlechtestes Ergebnis ein. Mit 3,5 Prozent kratzen sie hier noch nicht einmal an der Fünf-Prozent-Marke, während sie landesweit immerhin knapp acht Prozent der Stimmen holten und zehn Abgeordnete in den Landtag schicken. Mit Manfred Seibel (Hauenstein) und Fred Konrad (Käshofen) schafften es auch schon Grüne aus der Südwestpfalz in den Landtag. Das ist aber lange her.
