Pirmasens Abriss der Kaufhalle: So verschwindet ein Stück Stadtgeschichte

Der Abrissbagger kennt keine Gnade: Stück um Stück der früheren Kaufhalle fällt.
Der Abrissbagger kennt keine Gnade: Stück um Stück der früheren Kaufhalle fällt.
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Es gleicht dem hoffnungslosen Kampf eines trägen Riesen gegen ein geschicktes, gefräßiges Monstrum: Die ehemalige Kaufhalle stemmt sich dieser Tage letztmals mit dicken, eisenbewehrten Mauern gegen den Abriss. Doch der Bagger wird gewinnen.

Schon jetzt verblüfft eine vollkommen neue Perspektive die Passanten rund um den Exerzierplatz. Viel Raum ist entstanden, seit die eindrucksvollen Abrissbagger vor Wochen ihre Arbeit aufgenommen und sich nun auch die Fassade zur Schlossstraße hin vorgenommen haben.

Unentwegtes Besprühen der Abbruchstelle mit Wasser sorgt dabei für bemerkenswert wenig Staub, und ein am Kran hängender Schutzschild bewahrt die Autofahrer vor Trümmerteilen. Auch der Lärm hält sich rund um die Baustelle angesichts der massiven Arbeitsgeräte in Grenzen: auf hämmernde Meißel, die man zum Zertrümmern so manchen Betonteiles gut hätte gebrauchen können, wurde bewusst verzichtet, und auch die Motoren der riesigen Bagger liefern einen erträglichen Geräuschpegel.

Viele Schaulustige, die mal „einen richtigen Bagger“ sehen wollen

Dass das Spektakel auch gewissen Unterhaltungswert birgt, zeigen die zahlreichen Schaulustigen, die stets rund um die Baustelle zu finden sind. Vom Hobby-Stadtchronisten bis zum Familienvater, der seinem Sohn mal einen „richtigen Bagger“ zeigen will, lugen etliche Baustellenbesucher durch die Lücken im Bauzaun. Und so mancher gesteht, dass es schon im Herzen ein wenig weh tut, dieses Stück Pirmasenser Geschichte zerbröseln zu sehen.

Der Abriss des viergeschossigen Hauptgebäudes samt Anbauten hatte, nach vorheriger Entkernung, am 30. September begonnen. Das seit 2006 leerstehende Warenhaus hatte laut Stadtverwaltung eine Nutzfläche von rund 5200 Quadratmetern.

Schuhladen, Gastronomie, Lebensmittelhandel und Wohnungen geplant

Der Abriss der Kaufhalle kostet nach Angaben der Stadtverwaltung rund 900.000 Euro, wobei Bund und Land das Vorhaben großzügig unterstützen. Der Rückbau gilt als aufwendig – nicht nur wegen der ursprünglichen Größe der Immobilie mit 21.000 Kubikmeter umbautem Raum –, sondern weil neben Bauschutt Materialien wie Holz, Metall und Kunststoff, aber auch Stoffe mit gesundheitsschädlichen Bestandteilen wie Asbestzement, Holzschutzmittel und Mineralwolle anfielen. Sie mussten getrennt und teilweise aufwendig entsorgt werden.

Was an der Stelle der Kaufhalle entsteht, ist nach wie vor offen. Das derzeit geplante „Schuhstadt-Center“ sieht 400 Quadratmeter für einen Schuhladen vor sowie Platz für Gastronomie, Lebensmittelhandel und Wohnungen