Pirmasens
Über 300 Jahre alt: Besuch im ältesten Haus von Erlenbrunn
In der Zollstockstraße 72 befindet sich das älteste Haus des 1969 eingemeindeten Dorfes Erlenbrunn, über mehrere Generationen hinweg ist es noch heute im Besitz der Familie Linn. Aktuell wird es von Rainer Linn bewohnt, der in dem Haus geboren und aufgewachsen ist und als handwerklich begabter Erlenbrunner an so mancher Umgestaltung des ehemaligen Bauernhauses selbst beteiligt war.
„Ich habe unser Haus vor kurzem von meinem Vater Gerhard geerbt, der im November vergangenen Jahres leider verstorben ist. Ich habe in den zwei Stockwerken des Hauses mein ganzes Leben zugebracht und erinnere mich noch gut an die Gespräche zwischen meinem Vater und meinem Großvater, die sich gegenseitig oft Geschichten aus unserer Familie erzählt haben“, so der 43-Jährige. Im Detail kennt Rainer Linn die genauen Verhältnisse der Generationen vor ihm nicht, wie er sagt. Als kleiner Junge habe er die Gespräche zwischen seinem Vater und seinem Großvater Karl Linn, mit dem die Familie unter einem Dach wohnte, gemieden.
„Sicher ist, dass dieses Haus und sein Grundstück schon lange landwirtschaftlich genutzt wurden. Ich selbst bin in der Landwirtschaft groß geworden und habe bis vor fünf Jahren noch Rinder und Schweine gehalten. Ich erinnere mich, dass wir gegenüber unseres Hauses auf der anderen Straßenseite, Stallungen und einen großen Garten hatten, selbst geschlachtet haben wir natürlich auch“, erzählt der gelernte Schlosser. Heute hält Linn nur noch ein paar Gänse und Puten auf dem Grundstück, die ausschließlich für den Eigenbedarf geschlachtet werden.
Ganz aus Back- und Bruchstein gebaut
Seine drei älteren Schwestern wohnen mittlerweile auswärts, als der Vater starb, wurde zunächst über einen Hausverkauf nachgedacht. „Doch an diesem Haus hängen zu viele Erinnerungen, dass ich es nicht über das Herz gebracht habe, zu verkaufen“, erzählt Linn. Mit einem Umriss von zehn auf zwölf Metern ist das älteste Haus in Erlenbrunn ganz aus Back- und Bruchstein gebaut. Rainer Linn selbst hat vor einigen Jahren geholfen, das Dach neu zu decken und die Fassade zu verputzen, dementsprechend sei das Anwesen auch nicht denkmalgeschützt, wie er weiter berichtet.
„Vor wenigen Tagen habe ich ein Dokument gefunden, dass über die Zerstörung der Siedlung im Dreißigjährigen Krieg handelte, auch da hat unser Haus in der Zollstockstraße 72 schon gestanden und wurde ebenfalls zerstört“, erzählt der Erlenbrunner. Auch in den beiden Weltkriegen kam das Anwesen nicht ungeschoren davon: Während der Angriffe auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus erneut teilweise zerstört und später wieder neu aufgebaut.
Kriegsfolge: Giebel musste erneuert werden
„In Erinnerung von den Gesprächen meines Vaters und Großvaters habe ich nur noch, dass sie unter anderem den kompletten Giebel neu machen mussten“, so Linn. Nachdem er das Haus von seinem Vater Gerhard geerbt hat und über die Jahre selbst zur Erneuerung und Verschönerung des Hauses beigetragen hat, steht demnächst die nächste Veränderung im ehemaligen Bauernhaus an. „Ich heize noch komplett mit alten Holzöfen, die bald schon nicht mehr erlaubt sind. Die Installation von neuen Heizungen wird dann die nächste Baustelle in unserem Haus“, kündigt Linn an.
INFO
Der Fernsehsender SWR war kürzlich zu Gast in Erlenbrunn. Er hat einen Beitrag über die Zollstockstraße gedreht. Ausgestrahlt wird der am Mittwoch ab 18.45 Uhr in der Rubrik „Hierzuland“ in der Landesschau Rheinland-Pfalz.