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Donnerstag, 08. Februar 2018 Drucken

Landkreis Südwestpfalz

Warum die Merzalber so „närrisch“ sind

Heimatgeschichte: Die „Neecher“ sind stolz auf ihren Uznamen und ihre lange Fasnachtstradition

Von Marianne Teuscher

Die neueste Idee: ein T-Shirt mit dem (Ursprungs-)Logo der „Närrische Neecher Merzalben“.

Die neueste Idee: ein T-Shirt mit dem (Ursprungs-)Logo der „Närrische Neecher Merzalben“. ( Foto: Marianne Teuscher)

MERZALBEN. Ein kleines Dorf mit gerade mal 1200 Einwohnern hält eine närrische Tradition aufrecht, die mindestens bis ins Jahr 1594 zurückreicht. Belegt ist, dass die Dorfjugend damals zu einem „Fastnachtstanz“ und Beköstigung auf die Burg Gräfenstein eingeladen wurde. Über die Jahrhunderte entwickelten sich Merzalber zu den „närrischen Neechern“.

Aufmüpfig waren die Merzalber schon immer. So steht es in der Ortschronik „750 Jahre Gräfensteiner Land, 1237-1987 Gemeinde Merzalben“. Wegen dieser „Unwilligkeit“ der Bürger entstand später der Uzname „Neecher“.

Blättern wir in der Dorfgeschichte zurück. Walter Flammann hielt in der Ortschronik fest: „Die Beschwerde der Untertanen war, dass der schon vor langen Zeiten üblich gewesene Brauch, vor Herrenfastnacht für die Kinder des Amtes den Fastnachtstanz auf dem Gräfenstein abzuhalten, wobei alle Kinder mit Mütschen (Weißbrot), Wein und Braten bewirtet worden seien, eigenmächtig abgestellt worden sei.“ Dieser urkundliche Eintrag ist der Beweis: Die Merzalber kämpften schon immer um ihre Fasnachtbräuche.

Bezüglich des Uznamens „Neecher“ gibt es – ebenfalls in der Ortschronik nachzulesen – verschiedene Variationen. Am glaubwürdigsten und am häufigsten von den älteren Mitbürgern erzählt ist jene, dass sich die Merzalber als „unfügsam“ zeigten. So habe einmal mehr der damalige Pfarrer Richard Frank (1912 bis 1949) eine Kirchensammlung abgehalten. Der Lohn der Bürger war karg, die Bauernfamilien arm, das magere Sammelergebnis in der Kirche für Pfarrer Frank einfach nur „ärgerlich“. Bei der Sonntagspredigt las er seinen Schäflein von der Kanzel die Leviten. Er habe sie als „Heiden“ bezeichnet. „Angeblich soll Pfarrer Richard Frank wörtlich geäußert haben: ,Christen wollt ihr sein? Heiden seid ihr. Neecher seid ihr!’ Und somit sei der Uzname für die kleine Gemeinde geboren gewesen“, heißt es in der Chronik. Heute, in Zeiten, in denen Necknamen eher aus der Mode sind, pflegen die Merzalber den Erhalt ihres Uznamens „Merzalwer Neecher“ mit großer Leidenschaft.

Um die Brücke zur Fasnacht zu schlagen: Brauchtum und Aufmüpfigkeit fanden zusammen im Namen „Närrische Neecher Merzalben“. Das erste Mal den Namen auf die Straße getragen hat der Pfälzerwald-Verein 1976 mit einem Miniumzug samt vermoddelter „Neecher“. Schon 1977 stieg der Männergesangverein mit ein, natürlich mit „Neecher-Musikanten“ an Bord. Der Clauser („Hawe“)-Heimatdichter Valentin Becker verfasste im März 1981 ein Gedicht auf die „Narrenschau in Merzalben“. Kleiner Auszug: „Die Narreschau in Merzalwe war toll: Bei schäänem Wetter war’n die Schtroße voll; geschtoppt met Leit, vun weit un bräät, fer alt un jung Pläsier un Frääd.“ Diese „Pläsier un Frääd“ endete dann 1986 nach dem zehnten Fasnachtsumzug. In der RHEINPFALZ vom 12. Februar 1986 ist zu lesen: „Klirrende Kälte: Tausende von Zuschauern und ein sehenswerter zehnter Jubiläumsumzug, das war ein echtes Neecher-Narrenspektakel.“ Es sollte der letzte dieser Art sein.

Wegen der „klirrenden Kälte“ suchten die Jecken einen molligen Ausweg im FCM-Sportheim. Dort stieg 1983 die erste Prunksitzung unter Walter Flammann, Hans-Joachim Gutting und Waldemar Arenth (einziger „Ur-Neecher“). Immer ohne Motto. Die Sitzungen fanden von 1983 bis 2004 statt, mit Ausnahme des Golfkriegjahrs 1991. Aber 2004 verstarb der damalige Sitzungspräsident Markus Fränzel – ein „Rodalwer Grienesputsche“, der sich bestens bei den „Neechern“ integriert hatte – unerwartet mit erst 41 Jahren. Die Fasnachtsfans standen unter Schock. Nach fünf Jahren, 2009, gelang unter Michael Cisler und Oswald Teuscher ein fulminanter Neustart. Seitdem feiern die „Närrischen Neecher“ wieder jedes Jahr an zwei Abenden Prunksitzung. Seit 2011 gibt es die Rathauserstürmung. Die Idee von Sylvia Teuscher und Nicole Helfrich, unterstützt von „Oberfasnachter“ Michael Cisler, einen „Narren-Nachtumzug“ zu starten, erwies sich vor drei Jahren als Volltreffer.

Unvergessen bleiben die kleinen „närrischen“ Einsätze der Jahre vor den Umzügen und Prunksitzungen: etwa die Maskenbälle des MGV im Gasthaus „Zur Burg Gräfenstein“. Hier gab es eine Schnapsbar, die auch den stärksten „Neecher“ umhaute, wie erzählt wird. Später feierten die Jecken die Maskenbälle im Sportheim. Im Gasthaus „Pfälzer Wald“ bot Wirtin Rosa Neuberger „Schlorum“ an. Und ihre Nachfolgerin, Edith Joneleit, lud zu lustigen Kappensitzungen ein. Solche Kappensitzungen am Rosenmontag waren in den 50er und 60er Jahren im „Café Hecht“ der Renner. Im Pfarrheim wurde um die 70er Jahre Fasnacht gefeiert.

Im November 2017 haben es die Fasnachter auch amtlich gemacht und den Verein „Närrische Neecher Merzalben“ gegründet. Die A-Capella-Gruppe „Neecher Harmonists“ hat eine „Fasnachtshymne“ kreiert: „Fasnacht gebbt’s nur bei de Neecher un nirgends wo annersch ...“ Na ja, ganz so ist es nun aber doch nicht!

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