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Mittwoch, 02. Oktober 2019 Drucken

Pirmasens

Sturm über Pirmasens: Großer Schaden in wenigen Minuten

Von Andreas Ganter

Unter anderem mit einer Drehleiter war die Feuerwehr auf dem Horeb im Einsatz, um Ziegeln von Dächern zu holen.

Unter anderem mit einer Drehleiter war die Feuerwehr auf dem Horeb im Einsatz, um Ziegeln von Dächern zu holen. (Foto: Kling)

Ein Scherbenhaufen erinnert in der Herzogstraße an das Unwetter.

Ein Scherbenhaufen erinnert in der Herzogstraße an das Unwetter. (Foto: gana)

In der Herzogstraße entwickelte das Unwetter eine enorme Wucht. Sie blieb auch am Mittwoch gesperrt

In der Herzogstraße entwickelte das Unwetter eine enorme Wucht. Sie blieb auch am Mittwoch gesperrt (Foto: gana)

Der Boden der Herzogstraße war auch am Morgen nach dem Unglück voller Ziegelreste.

Der Boden der Herzogstraße war auch am Morgen nach dem Unglück voller Ziegelreste. (Foto: gana)

Kein Durchkommen: Von der Spitalstraße ist die Herzogstraße gesperrt.

Kein Durchkommen: Von der Spitalstraße ist die Herzogstraße gesperrt. (Foto: gana)

Sturmschäden in der Albert-Schweitzer-Straße

Sturmschäden in der Albert-Schweitzer-Straße (Foto: Buchholz)

Sturmschäden in der Albert-Schweitzer-Straße

Sturmschäden in der Albert-Schweitzer-Straße (Foto: Buchholz)

Zerstörter Garten in der Hohannes-Kepler-Straße 7, zerstörter Garten.

Zerstörter Garten in der Hohannes-Kepler-Straße 7, zerstörter Garten. (Foto: Buchholz)

Sturmschäden in der Johannes-Kepler-Straße 7

Sturmschäden in der Johannes-Kepler-Straße 7 (Foto: Buchholz)

Sturmschäden in der Johannes-Kepler-Straße 7

Sturmschäden in der Johannes-Kepler-Straße 7 (Foto: Buchholz)

Es war eine Sache von wenigen Minuten, in denen ein Sturm über Pirmasens rauschte. Der Schaden liegt im sechsstelligen Bereich. Bäume fielen auf Häuser, Ziegel segelten von den Dächern. OB Markus Zwick will nicht ausschließen, dass es ein Tornado war.

Um 17.41 Uhr brach am Dienstagabend der Sturm los, der von der B 10 im Bereich Rauschenbrunnen über die Parkwaldsiedlung und den Alten Friedhof über den Horeb fegte. „Das war eine Sache von fünf Minuten. Da konnten wir keine Meldung herausgeben“, meinte am Mittwoch Feuerwehrleiter Karl-Heinz Bär auf die Frage, wieso das Unwetter nicht über Katwarn angekündigt wurde. So schnell wie der Sturm kam, war er auch wieder vorbei. Die Feuerwehr hatte jedoch bis 21.30 Uhr alle Hände voll zu tun. 46 Mann waren mit zwölf Fahrzeugen im Einsatz. Auch die Polizei zählte dutzende Einsätze und berichtet von Bäumen, die auf parkende Autos fielen. In einem Fall erwischte es einen Mercedes in der Landauer Straße, dessen Insassen glücklicherweise unverletzt blieben.

OB Zwick bittet um Geduld: Aufräumen dauert

Am dicksten getroffen hat es die Parkwaldsiedlung im Bereich des Terrassenwegs. Silke Ohliger-Sefrin betreut dort in der Johannes-Kepler-Straße Haus und Hund ihrer Schwiegertochter. Ein Baum zertrümmerte einen Unterstand, ein Baum- sowie ein Gartenhaus und krachte auf das Hausdach. Die Metallkonstruktion des Unterstandes sei wie ein Kartenhaus zusammengefallen unter dem Gewicht der Eiche aus Nachbars Garten, erzählt Ohliger-Sefrin. „Wenn wir da draußen unter dem zertrümmerten Dach gesessen hätten“, malt sich Ohliger-Sefrin die Folgen aus. Das Dach sei jetzt undicht. Die Familie sei glücklicherweise versichert.

Auf einem Fußgängerweg unterhalb des Hauses liegen alle paar Meter dicke Baumstämme, die wie Mikadostäbe umgefallen sind. Der Weg ist gesperrt. Oberbürgermeister Markus Zwick konnte noch nicht sagen, wann die Verwaltung zum Freischneiden kommt. Die Bürger bat der Stadtchef um Geduld bei der Aufarbeitung der Schäden. Und in den folgenden Tagen sollten Fußgänger immer mal nach oben sehen, ob da lose Ziegel oder abgeknickte Äste eine Gefahr darstellen.

Über 170 Bäume seien im Stadtgebiet beschädigt worden. Allein im Alten Friedhof, der gestern auch gesperrt wurde, seien 50 Bäume betroffen. Spekulationen, wonach es sich um einen Tornado gehandelt haben könnte, wollte Zwick gestern nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen. Der Verlauf spreche für die Tornadothese. Der Deutsche Wetterdienst habe aber keine Daten, die dies bestätigten, sagte Zwick.

Für die Feuerwehreinsätze werden im übrigen Rechnungen fällig. Die würden aber in der Regel von den Versicherungen übernommen, meinte Feuerwehrchef Bär.

Dach der Lutherkirche beschädigt

Der Mittwochmorgen stand im Zeichen des Aufräumens. Die Herzogstraße auf dem Horeb war die ganze Nacht gesperrt und ist es am Tag nach dem Unwetter immer noch. Anwohner berichten, dass der Wind durch die Straße gezogen sei und von einem Dach Ziegel abgedeckt hat.

Die Feuerwehr rückte an und sicherte das Anwesen, holte die losen Ziegel vom Dach herunter – unter anderem mit Hilfe einer Drehleiter. Auf der Straße sind am Mittwoch Bürger mit Besen in der Hand zu sehen. Sie beseitigen Überbleibsel des Sturms. Auf dem Abschnitt der Herzogstraße von Arius bis Wormser Straße, wo der Sturm das Dach beschädigte, liegen immer noch Teile von zerbrochenen Ziegeln. An einer Hauswand haben Bewohner einen Haufen aus Scherben zusammengekehrt. Für die Leute, die hier zusammenstehen und kehren, ist das Unwetter vom Vortag das Thema schlechthin.

Stadtfeuerwehrinspekteur Karl-Heinz Bär sagt, die Feuerwehr habe „enorm viel“ zu tun gehabt. Unter anderem rückten die Wehrleute zur Lutherkirche aus. Pfarrer Wolfdietrich Rasp berichtet von einem Schaden am Dach der Kirche zur Pfarrgasse hin. Außerdem sei ein Blech am Turm in Mitleidenschaft gezogen worden. Wasser sei jedoch nicht ins Innere der protestantischen Kirche gedrungen, das hätten die Lattung und ein Feuchtigkeitsstopp verhindert. Die Schadenshöhe kann Rasp noch nicht beziffern. Aber er geht davon aus, dass sie sich mindestens im oberen vier-, wenn nicht sogar fünfstelligen Bereich bewegen wird. Als „kleines Wunder“ bezeichnet es der Theologe, dass kein Mensch durch die herabstürzenden Ziegel verletzt worden sei.

Im Landkreis: Umgestürzte Bäume und kleinere Überschwemmungen

Umgestürzte Bäume und kleinere Überschwemmungen, die Sand auf die Fahrbahn spülten, hielten die Masterstraßenmeisterei Waldfischbach-Burgalben in der Nacht auf Mittwoch auf Trab. „Wir waren bis 3 Uhr unterwegs“, sagte Jan Lory, stellvertretender Kolonnenführer, am Mittwoch auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Die Straßenwärter waren an der K81 bei Riedelberg, der L477 zwischen Rieschweiler-Mühlbach und Thaleischweiler-Fröschen, an der K10 zwischen Nünschweiler und Rieschweiler sowie an der L501 zwischen Waldfischbach-Burgalben und der B270 sowie auf der B270 selbst im Einsatz. Straßen mussten jedoch keine gesperrt werden, so Lory, allenfalls kurze Zeit während der Aufräumarbeiten. Die dauerten am Mittwoch noch an und werden voraussichtlich am Freitag fortgesetzt. Unter anderem gilt es, beschädigte Schutzplanken zu reparieren. Im Bereich der Straßenmeisterei Dahn gab es derweil gar keine Einsätze. Von einem Blitzeinschlag in Wallhalben berichtete Harald Borne, der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben. Dabei kam es zu Überspannungsschäden, von denen auch das Feuerwehrhaus betroffen ist: Das Telefon funktioniert nicht mehr, berichtete Borne am Mittwoch. Abgesehen von kleineren Einsätzen wegen umgestürzter Bäume, blieb es für die Wehr allerdings ruhig.

|gana

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