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Pirmasens

Pirmasens: Profine-Eigentümer über Standort-Zukunft

„Eine Autobahnanbindung wäre toll.“

„Eine Autobahnanbindung wäre toll.“ ( FotoS: Seebald)

„Wir haben nahezu die komplette Führungsriege ausgetauscht.“

„Wir haben nahezu die komplette Führungsriege ausgetauscht.“ ( )

„Wir können nicht jeden nehmen.“

„Wir können nicht jeden nehmen.“

Peter Mrosik, seit dem Jahr 2012 geschäftsführender Gesellschafter und Eigentümer der Firma Profine, hat mit dem Standort Pirmasens noch einiges vor. Die RHEINPFALZ sprach mit ihm über die Pläne für ein europäisches Zentrallager, die schwierige Suche nach Fachkräften und die vielen Auslandsreisen.

Herr Dr. Mrosik, Sie sind vor fünf Jahren über Ihre Beteiligungsgesellschaft Hidden Peak Capital bei Profine eingestiegen. Planen Sie tatsächlich ein langfristiges Engagement?

Es war von vornherein langfristig angelegt, so wie alle meine Beteiligungen unter dem Dach der Hidden Peak Capital. Das sind keine Unternehmen, die zum Verkauf stehen. Es würde vom Horizont her nicht passen, nur in Zyklen von drei, vier, fünf Jahren zu denken, weil die Kunden, meist inhabergeführte Firmen, in Zyklen von 30 bis 40 Jahren planen. Ein Grund für die Probleme, die Profine früher hatte, waren die Finanzinvestoren, die ständig gewechselt haben. Ich habe in Werbung investiert, in die Internationalisierung, in neue Produkte, in eine starke Ausprägung der Marken. Das sind Investitionen, die zahlen sich erst in zehn bis 15 Jahren aus.

 

Wo steht Profine derzeit?

Wir sind jetzt dabei, das Potenzial der Profine zu schöpfen, auch mit stärkeren Umsatzentwicklungen im Ausland.

 

Wie ist die Umsatzverteilung?

Als wir das Unternehmen übernommen haben 2012, war der Umsatzanteil Ausland etwa 75 bis 80 Prozent, 20 Prozent Deutschland. Jetzt sind wir bei 85 Prozent Ausland, wobei die Umsatzentwicklung in Deutschland eine positive ist. Aber das Wachstum im Ausland ist deutlich stärker als das in Deutschland, das wird auch so bleiben. Beispiel Indien. Dort haben wir ein zweites, noch größeres Werk eröffnet. Der Marktanteil von Profine liegt dort bei zehn Prozent. In Deutschland sind 60 Prozent Kunststofffenster am Markt. Es gibt also ein ganz großes Wachstumspotenzial.

 

Wie passt das zusammen, mehr im Ausland unternehmen zu wollen, aber Deutschland nicht zu verkleinern?

Ziel ist es weiterhin, von Berlin und Pirmasens aus Zentral- und Südosteuropa zu beliefern. Das konkurriert aber in der Tat immer wieder mit der Möglichkeit, woanders produzieren zu können – und dort möglicherweise kostengünstiger. Hier haben wir natürlich Fachkräfte, die eine Expertise über viele Jahre haben. Das ist für uns von großer Bedeutung. Und wir haben eine Verantwortung dem Standort gegenüber. Wir haben hier Potenzial, deshalb sind wir hier ganz gut aufgehoben.

 

Sie demonstrieren eine sehr persönliche Verbundenheit zum Standort. Oder ist es üblich, dass der Eigentümer die Jubilare ehrt und die Azubis begrüßt?

Das gehört mit dazu. Mir macht das viel Freude. Wir sind ein Traditionsunternehmen, haben Mitarbeiter, die 25, 30, 45 Jahre mit an Bord sind. Das macht die Profine aus. Die Auszubildenden sind mir besonders wichtig, das sind die Leute, die das Unternehmen in die Zukunft tragen sollen. Ich fördere gern aus dem Haus heraus, also Auszubildende oder junge Menschen, die ein duales Studium absolviert haben und Spaß haben, in der Gruppe zu arbeiten.

 

Sie haben Probleme, Personal zu rekrutieren. In welchen Bereichen klemmt es besonders?

Es fehlen wegen der hohen Nachfrage sehr akut Fachkräfte für die Lagerlogistik und Maschinenbediener und Maschinenführer für die Extrusion. Es ist nicht einfach, adäquates Personal zu finden. Wir brauchen Leute, die motiviert sind.

 

Und wenn Sie die Leute nicht finden?

Wir werden in die Diskussion treten mit den Arbeitsämtern, mit der Politik, auch mit dem Oberbürgermeister. Wir haben den Standort jetzt, wir haben tolle 1200 Arbeitnehmer. Ich sehe gut Chancen, dass wir in den nächsten Jahren hier weiter aufbauen können.

 

Ist fehlende Mobilität ein Problem?

Ich kann es nicht genau sagen, woran es liegt. Es liegt bestimmt nicht an der Profine. Und es liegt bestimmt nicht nur am Standort. In Berlin haben wir ein ähnliches Problem. Und da ist der Speckgürtel ein bisschen größer. Wir haben eine sehr zufriedenstellende Beschäftigungssituation in Deutschland. Das macht die Personalsuche so schwer.

 

Müssen Sie die Leute besser bezahlen?

Wir stehen in direkter Konkurrenz zu Anbietern, die vorwiegend im Ausland produzieren. Von daher müssen wir das Thema Personalkosten durchaus im Auge behalten, auch aus der Verantwortung gegenüber dem Gesamtunternehmen.

 

Ihr Blog liest sich ein bisschen wie Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“.

Mehrmals um die Welt, das ist eine enorme Reisebelastung. Wir liefern unsere Produkte in über 70 Länder, wir sind international. So ein Unternehmen können sie nicht vom Schreibtisch aus führen.

 

Ist dann der 1. FSV Mainz 05, für den Sie Trikotwerbung machen, ein Spaßfaktor?

Mainz ist für uns vor allem mit einem hohen Werbefaktor versehen. Es hieß lange, die Marke Kömmerling habe ihre Riesenstrahlkraft verloren, weil nicht mehr geworben werde. Da hat es sich angeboten, auf einen Bundesligaverein zu setzen. Wir haben uns für Mainz entschieden, das ist ein sehr sympathischer Club. Es hat sich bewahrheitet, dass sich der Markenbekanntheitsgrad über den Fußball signifikant steigern lässt. Mir macht das Spaß, weil ich bei jedem Heimspiel in unserer Loge Kunden aus aller Herren Länder begrüße. Ich pflege im Stadion Kontakte. Das ist für mich der Hauptpunkt. Ich bin nicht der fußballverrückteste Gesellschafter.

 

Sie unterstützen jetzt auch den FKP. Wie wichtig ist dieses Engagement?

Das mache ich sehr gern, nachdem ich die Vereinsführung kennengelernt habe. Der FKP ist Tradition. Was mir die Augen geöffnet hat, war die Resonanz auf das Freundschaftsspiel zwischen Mainz und dem FKP, das ich initiiert hatte. Wir hatten 1700 Zuschauer im Stadion, das war ein begeisternder Nachmittag. Deshalb habe ich die Entscheidung gefällt, ein kleines Sponsoringpaket für den FKP zur Verfügung zu stellen.

 

Sie haben schon sehr viel unternommen in ihrem Leben, waren in den unterschiedlichsten Branchen aktiv. Was treibt Sie an?

Ich war immer motiviert, neue Dinge kennenzulernen. Mir hat es früh Spaß gemacht, Führungsverantwortung zu übernehmen, auch gern in schwierigen Situationen und in unterschiedlichen Industrien. So habe ich mir einen guten Ruf erworben, der mir hilft, Unternehmensanteile zu erwerben. Mit Profine schließt sich der Kreis ein bisschen. Ich habe im Jahr 2006 für eine Bayer-Tochter eine PVC-Fabrik in Marl gekauft, die ihre Rohstoffe in die Fensterindustrie geliefert hat. Von dort kannte ich die Profine.

 

Und wie kamen Sie zur Profine?

Profine war ein im Kern sehr gesundes Unternehmen, das etwas in Schieflage geraten war. Solche Situationen beherrsche ich sehr gut, deshalb ist man an mich herangetreten. Heute können wir sagen, es hat funktioniert.

 

War es richtig, den Markennamen Kömmerling für den Kunstnamen Profine herzugeben?

Profine ist der Name des Unternehmens, aber im Markt gelebt werden nach wie vor die Marken.

 

Wie international ist Profine heute?

Wir haben in 26 Ländern Produktions- und Lagerstandorte und liefern unsere Produkte in 70 Länder. Wir schauen jetzt über den Tellerrand nach Afrika, wir schauen in die arabische Welt hinein, aber wir fokussieren uns auf die Länder und Regionen, wo wir unsere Werke haben.

 

Sie haben seit Ihrem Einstieg am Standort 45 Millionen Euro investiert. Wird das so weitergehen?

Der Trend wird so weitergehen. Wir haben an der B 10 70.000 Quadratmeter Land dazugekauft. Da wird investiert, ohne dass ich ihnen heute sagen kann, wie viel das sein wird.

 

Wovon hängt es ab, ob Sie in Pirmasens das europäische Zentrallager bauen?

Das hängt davon ab, wie die logistischen Wege sinnvoll zu wählen sind. Ob es zukünftig Sinn macht, aus ein, zwei Standorten heraus zu beliefern. Oder ob man neue Standorte eröffnet. Es hängt natürlich auch von den langfristigen Kostenentwicklungen hier in Pirmasens ab. Dass wir den Standort weiter ausbauen werden, das ist sicher.

 

Auf der Europakarte liegt Pirmasens ziemlich zentral. Sind die Verkehrsanschlüsse ein Problem?

Ja, klar. Die Wege nach Pirmasens sind lang, vor allem für Lkw. Natürlich wäre es toll, wenn die Stadt eine Autobahnanbindung bekäme. Daran muss gearbeitet werden. Das ist ein Standortnachteil. Strategisch liegt Pirmasens für die Profine-Welt relativ günstig, weil wir von hier aus Produkte nach Belgien, Holland, Frankreich und Spanien liefern.

 

Wie oft sind Sie hier?

Nicht so oft wie ich es mir wünschen würde.

 

Warum nicht?

Weil ich durchgeplant bin. Ich bin zwei Tage im Monat für Pirmasens geplant, zwei für Berlin, ein bis zwei Tage für mein Büro in Moskau. Und drumherum werden alle Reisen in ferne Regionen gelegt, nach Australien, Neuseeland. Letzte Woche war ich in den USA. Es ist immer wieder befruchtend für mich, mit meinen Leuten weltweit zu sprechen und die Entwicklung des Geschäfts hautnah mitzubekommen.

 

Wie wichtig ist es, dass der Chef im Ausland selbst kommt?

Das ist essenziell. Gerade in Ländern wie Indien. Wenn der Gesellschafter kommt, fühlen sich die Kunden sehr geehrt. Es ist wichtig für sie zu wissen, der steht für eine gewisse Langfristigkeit, der kommt zu uns und lässt nicht zu sich kommen. Es geht da um den persönlichen Austausch. Ich bekomme viel Feedback von Kunden, die sagen, Mensch, dass du es hierher geschafft hast, das ist etwas ganz Besonderes. Ich war vorletzte Woche zum ersten Mal in Moldawien. Im Januar fliege ich nach Albanien. Ich arbeite sieben Tage die Woche für Profine.

 

Haben Sie auch an Ihre Mitarbeiter so hohe Ansprüche?

Unser Anspruch ist es, die qualitativ besten und innovativsten Produkte herzustellen. Dazu brauchen wir die besten Mitarbeiter. Wir legen sehr viel Wert auf Ausbildung, Motivation, auf Engagement. Wir können nicht jeden nehmen. Aber ich bin mit der Mannschaft hochzufrieden.

 

Was kann Profine besser als andere Profilhersteller?

Wir sind innovativer, wir haben über die Marken in allen Ländern einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Wir stellen alle zwei Jahre auf der Messe in Nürnberg neue Produkte vor. Unsere Vertriebsmannschaft ist extrem nah am Kunden. Die allermeisten Leute haben die Tiefen erlebt und gesehen, wie sich das Unternehmen jetzt nach vorne entwickelt hat. Da ist jeder beseelt von dem Gedanken, noch eine Schippe draufzulegen.

 

Haben Sie viel Personal ausgetauscht?

Am Anfang sehr viel. Der vorherige Eigentümer, ein Finanzinvestor, hatte sehr viele Führungspositionen von außen neu besetzt. Die meisten kamen aus der Automobilindustrie. Das hat nicht zusammengepasst. Wir haben nahezu die komplette erste Führungsriege ausgetauscht und durch Mitarbeiter ersetzt, die seit Jahren hier arbeiten.

Wie lange wollen Sie den Job machen?

Ich bin 52, habe schon noch ein bisschen Zeit vor mir. Ich fühle mich ziemlich fit. Und ich habe noch viel vor mit der Gruppe. Es gibt keinen Plan, mittelfristig aufzuhören. | Interview: Peter Rojan und Claudia Schneider

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