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Donnerstag, 18. April 2019 Drucken

Pirmasens

Pirmasens: Entlassene klagen gegen Peter Kaiser

von Andreas Ganter

Peter Kaiser bezeichnet sich als die älteste Schuhfabrik in Europa. Der Sitz des Unternehmens ist in der Lemberger Straße.

Peter Kaiser bezeichnet sich als die älteste Schuhfabrik in Europa. Der Sitz des Unternehmens ist in der Lemberger Straße. ( Foto: Buchholz)

Die Entlassungen bei Peter Kaiser haben ein juristisches Nachspiel. Und zwar ein gewaltiges: Fast alle Betroffenen klagen gegen den Pirmasenser Schuhhersteller. Eine gütliche Einigung ist nicht in Sicht.

Die Nachricht, dass Peter Kaiser 40 Leute entlassen will, hat sich vor ein paar Wochen nicht nur wie im Lauffeuer in der Stadt verbreitet, sondern sorgt auch heute noch für Gesprächsstoff. Schließlich ist das Unternehmen nicht irgendeine Firma, sondern der letzte noch in Pirmasens produzierende Schuhhersteller – alleine der Name Peter Kaiser und die 181-jährige Firmengeschichte lassen bei vielen Pirmasensern Gedanken an vergangene Zeiten aufleben.

Mittlerweile sind die Details bekannt. Laut dem Betriebsratsvorsitzenden von Peter Kaiser, Andreas Freier-Palm, wurden letztlich 34 Kündigungen ausgesprochen. Sechs Personen konnten intern auf andere Arbeitsplätze umgesetzt werden. Unter den Betroffenen sind Menschen, die teils über 35 Jahre bei der Firma in der Lemberger Straße gearbeitet haben. Die Abfindungen, die ihnen angeboten wurden, spiegeln die langjährige Treue zum Arbeitgeber nicht unbedingt wieder. Nach Informationen der RHEINPFALZ soll sie beispielsweise nach 38 Jahren Betriebszugehörigkeit 15.000 Euro betragen. Eine Mitarbeiterin kommentiert das mit den Worten: „Wir werden abgespeist.“

2000 Euro zusätzlich wurden nicht akzeptiert

Der Zorn der Betroffenen hat sich mittlerweile kanalisiert. Das Arbeitsgericht Kaiserslautern hat Informationen bestätigt, denen zufolge etliche Klagen anhängig sind. Die Betroffenen klagen auf Wiedereinstellung. Die ersten 19 Fälle wurden bereits gerichtlich verhandelt. Allerdings scheiterte der Gütetermin. Angeblich wollte Peter Kaiser 2000 Euro zusätzlich zahlen. Eine Summe, die von den Betroffenen nicht akzeptiert wurde. Eine Entscheidung dieser Fälle ist für einen Kammertermin im Juli anberaumt.

Für Ende April ist ein weiterer Gütetermin angesetzt. Dort sollen mehr als ein Dutzend weiterer Fälle angesprochen werden, die bislang noch nicht verhandelt wurden, heißt es seitens des Betriebsrates. Nach allem, was derzeit zu erfahren ist, dürfte es auch in diesen Fällen keine Einigung zwischen Peter Kaiser und den Klägern geben.

Keiner der Entlassenen hat eine neue Stelle

Jüngst waren die Kündigungen auch Thema im Stadtrat. OB Bernhard Matheis sagte am Mittwoch gegenüber der RHEINPFALZ, dass bei der Arbeitsagentur vier Personen arbeitslos gemeldet seien, die von der Kündigung bei Peter Kaiser betroffen sind. Er habe aus der Schuhindustrie Signale bekommen, dass die Firmen händeringend nach Fachkräften suchen, so der Oberbürgermeister. Er wolle nun schauen, ob er die betroffenen Ex-Mitarbeiter von Peter Kaiser mit den jeweiligen Unternehmen in Verbindung bringen könne.

Wie Mitarbeiter und der Betriebsratsvorsitzende nämlich berichten, hat bislang noch keiner der Entlassenen eine neue Stelle gefunden. Ein Großteil hat sich auch noch gar nicht um einen neuen Arbeitsplatz bemüht. Das hat folgenden Hintergrund. Gerade weil die Entlassenen schon so lange bei dem Traditionsunternehmen arbeiten, ist es gar nicht so einfach, sie schnell los zu werden. Die Kündigungsfrist beträgt rund ein halbes Jahr.

Bei fortlaufendem Lohn freigestellt

Allerdings sind die Betroffenen nach Informationen der RHEINPFALZ bei fortlaufendem Lohn von der Arbeit freigestellt. Das bedeutet, sie haben momentan kein Interesse, anderswo zu arbeiten. Denn das käme letztlich ja Peter Kaiser zu Gute. Die Firma könnte sich so die derzeit laufenden Zahlungen sparen. Außerdem klagt ja ein Großteil der Betroffenen auf Wiedereinstellung – ein übliches Mittel, um Druck auf den (ehemaligen) Arbeitgeber auszuüben und so eine höhere Abfindung zu bekommen. Das letzte Wort haben die Arbeitsrichter.

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