Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 23. April 2015 Drucken

Kreis Kaiserslautern

Nicht vorher zusammenklappen

Zum größten 24-Stunden-Klapprad-Rennen der Welt treten 156 Fahrer an

 

Die Kette ist blitzblank, die Oberlippe borstig, Muskeln und Geist gestählt – die Teilnehmer des vierten World-Klapps können den Startschuss zum 24-Stunden-Klapprad-Rennen am 1. und 2. Mai in Schopp kaum erwarten. Am Dienstagnachmittag kamen Organisatoren und etliche Fahrer zum letzten freien Training im Schopp-o-drom noch einmal zusammen.

 

Nach dem Ausflug in die Provinz endlich wieder daheim in der Pfalz! Nach Berlin im Vorjahr kehrt der World-Klapp in die Pfälzer Heimat zurück, freut sich der „Pälzer Bu“ Alfons V., die Stilikone im Klappradsport. Und er hat weiteren Grund zur Freunde: Seit einiger Zeit verleiht ihm nicht nur sein goldener Ganzkörperanzug samt Helm Glanz, sondern auch sein zarter Oberlippenbartbewuchs.

Denn der ist Pflicht: Ohne Bart kein Start, schreibt der Veranstalter, der Pfälzer Klappverein aus Dudenhofen, vor. Mit dem jährlich an Zustrom gewinnenden Klappradrennen auf die Kalmit begann es vor 24 Jahren, zum vierten Mal richtet der Verein nun den World-Klapp aus, zweimal in Ludwigshafen, einmal in Berlin. „Es war immer ein wenig peinlich, jedes Mal beim Start dieser Zettel mit der Bartwuchsunfähigkeitsbescheinigung“, muss sich Alfons V. beim Erzählen überwinden. Die braucht ihm Amtsfriseur Rainer Klapp nun nicht mehr ausstellen, denn dessen Hormonbehandlung hat angeschlagen, krault sich Alfons zufrieden den Flaum.

Und der Amtsfriseur ist unerbittlich. „Ich pass ganz genau auf, prüfe mit der Pinzette jedes Haar“, berichtet er. Fahrer, deren Haarwurzeln nicht so wollen wie die Besitzer, oder Frauen, denen partout kein Damenbart wächst, bekommen nach Überprüfung von ihm eine Bartwuchsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt. Dann kommt ein Klebebart zum Einsatz.

Das wird am 1. und 2. Mai exakt 15 Mal der Fall sein. Denn unter den insgesamt 156 Startern – in 39 Vierer-Teams – sind 15 Frauen. Die Teams sind teils gemischt, eine getrennte Wertung gibt es nicht. Gewonnen hat das Team, das am Ende die meisten Runden hat; pro Mannschaft ist immer einer auf der Bahn. „Hm, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde kämen wir auf 720 Kilometer“, rechnet der zweite Vorsitzende und Pressewart des Klappvereins, Holger Gockel, auf die Frage vor, was die Rennleitung denn so im Ziel erwartet.

An Motivation soll es den ambitionierten Klappradlern nicht mangeln. Dafür sorgt das Bühnenprogramm, moderiert von Stefanie Tücking und Udo Scholz, mit Bands wie „Sin Lizzy“, „Die Befeuchter“ und „Le-Jimi-Hering-Klapprad-Experience“. „Beste Voraussetzungen für ein westpfälzisches Woodstock“, kündigt Peter Zürker, Vorsitzender des Klappvereins, an. Allerdings, ein Manko habe Schopp, gesteht er: Es fehlt die Chemieluft. „Aber eine befreundete Firma aus Ludwigshafen hat versprochen, einen Container Chemieluft zu liefern,“ ist auch das Problem gelöst.

Noch vor dem Startschuss um 18 Uhr am 1. Mai, den FCK-Legende Hans-Peter Briegel abgeben wird, wird Zuschauern wie Fahrern einiges geboten. Nachdem die Starter die Rad- und Bartkontrolle durch den Amtsfriseur sowie den ebenso strengen 20-Zoll-Beamten Günter Seiberth durchlaufen haben, stehen sie Spalier für den per Helikopter einfliegenden Schirmherr König Cephas Bansah aus Ghana. „Stichprobenartig“ wird kontrolliert, ob die Fahrer die französische Aussprache für das „24 Heures le Schopp“ beherrschen sowie die Hymne fehlerfrei singen, bevor sie vom König vereidigt werden. Die Zuschauer können anschließend bei einem Helikopterflug das Geschehen aus der Luft beobachten.

Um 0.30 Uhr gehen die letzten Musiker von der Bühne, doch um die noch kreisenden Radler vor dem Einschlafen zu bewahren, unterhält weiter Musik vom Plattenteller. Um 9 Uhr am nächsten Morgen weckt dann der Shanty-Chor der Marinekameradschaft Haßloch die letzten Fahrer.

Die Sekunde der Wahrheit schlägt dann Punkt 18 Uhr: Die Sieger dürfen erschöpft zusammenklappen und die Trophäe „Horst“, die aus der Luft per Fallschirmspringer geliefert wird, in Empfang nehmen. Ein wenig Kraft sollten sie sich noch aufsparen: für die Champagnerdusche, die von 18 bis 18.30 Uhr auf dem Plan steht.

Der neue Messenger Service



Pirmasens-Ticker