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Dienstag, 21. Mai 2019 Drucken

Landkreis Südwestpfalz

Neue Chance für Güterverkehr?

Südwestpfalz: Eine Ausweitung des Zugverkehrs auf der Wieslauterstrecke – das wünschen sich nicht nur Pendler. Den ersten Schritt dazu hat die Lokalpolitik bereits 2016 getan: mit der Entscheidung für die Modernisierung der Bahnstrecke. Seitdem ist es ruhig geworden um das Millionen-Projekt. Doch hinter den Kulissen wird gearbeitet. Etwa an der Frage, ob ein Ladegleis für Güterverkehr aktiviert werden kann.

Von Mechthild Treusch

Die Modernisierung der Wieslauterbahnstrecke im Dahner Felsenland und ebenso eine Anbindung an den Rheinland-Pfalz-Takt käme vor allem Pendlern, aber auch Touristen zugute.

Die Modernisierung der Wieslauterbahnstrecke im Dahner Felsenland und ebenso eine Anbindung an den Rheinland-Pfalz-Takt käme vor allem Pendlern, aber auch Touristen zugute. ( archivFoto: FREI)

2016 hatten der Kreistag und die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland und Hauenstein sowie Kommunen sich für eine Modernisierung der Bahnstrecke ausgesprochen. Anlass dazu gab eine neue Richtlinie, nach der Investitionen in nicht bundeseigene Schienenstrecken außerhalb des Rheinland-Pfalz-Taktes vom Land mit 85 Prozent gefördert werden sollten. Da nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, wurden die Beschlüsse schnell verabschiedet, um rasch die Planungen für das auf 8,5 Millionen Euro geschätzte Projekt erledigen zu können. Seitdem habe sich aber nichts mehr getan, monierte Bernd Schumacher, Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Grüne/Linke im Kreistag, auch mit Blick auf Reaktivierungspläne in anderen Regionen; seine Fraktion beantragte eine ausführliche Information im Kreisausschuss. Die gab gestern Landrätin Susanne Ganster.

Auch wenn es vielleicht an der Oberfläche ruhig erscheinen möge: Es sei vieles geschehen hinter den Kulissen, versicherte Ganster; so sei etwa ein Antragsentwurf erarbeitet und mit dem Ministerium abgestimmt worden. Inzwischen sei klar: Das Projekt werde in zwei Förderprogrammen abgewickelt werden müssen. Entwurfsplanungen für beide Maßnahmenblöcke lägen bereits vor. Dabei sei nun ein Punkt neu aufgenommen worden: eine mögliche Reaktivierung eines Ladegleises im Industriegebiet Dahn-Reichenbach zur Abwicklung von Güterverkehr. Dafür habe die Wirtschaftsförderungsgesellschaft überprüft, ob anliegende Unternehmen Interesse daran hätten – allerdings mit geringer Resonanz. Ein weiteres Potenzial ergäbe sich aus der Verlagerung von Holztransporten von der Straße auf die Schiene, was auch die Orte entlasten würde. Seit August 2018 seien daher unter Federführung der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG) als Betreiberin der Strecke zusammen mit der Forstverwaltung die Möglichkeiten für eine Reaktivierung des Güterverkehrs ausgelotet worden; bei zwei Holzverladern zeichne sich derzeit ein konkretes Interesse an einer Holzverladung auf die Schiene ab. Die AVG werde nun ein Gutachten dazu erstellen, das dann in eine Nutzen-Kosten-Untersuchung einfließe. Diese sei, betonte Ganster, auch mit Blick auf eine Überprüfung durch den Landesrechnungshof „von zentraler Bedeutung“. Die Überprüfung einer Aktivierung des Ladegleises erhöhe letztlich die Chancen für den Förderantrag. Und auch dann, wenn das Ladegleis nicht darstellbar sei, bedeute es nicht, dass die Erweiterung der Wieslauterbahn damit vom Tisch wäre.

Die Kosten des Projektes wurden mit den Entwurfsplanungen nun konkretisiert: Insgesamt liegen sie bei rund 11,03 Millionen Euro (Grobschätzung 2016: rund 8,6 Millionen). Der Anteil der Landkreises kletterte dadurch auf rund 1,15 Millionen Euro (Schätzung: rund 846.000 Euro).

Dass Wirtschaftlichkeit bedacht worden sei, begrüßte Rainer Hohn (FDP) ausdrücklich. Er mahnte aber zugleich an, dass man bei allem, das für den Ausbau der Bahnstrecke spreche, „nicht zu romantisch vorgehen“ sollte, sondern sich, wenn nötig, auch von dem Projekt wieder trennen sollte. Einen wirtschaftlichen Nutzen, entgegnete ihm Bernd Schumacher (Grüne), könne man auch daran festmachen, wenn ein Verkehrskollaps auf der Straße vermieden werde. Und die Gesamtwirtschaftlichkeit hänge schließlich auch vom Zuspruch der Fahrgäste ab.

Positiv beurteilt das ganze Projekt der Dahner Stadtbürgermeister Alexander Fuhr: Es sei nun eine einmalige Chance, die Reaktivierung umzusetzen, und da müsse man dran bleiben. „Und Sicherung und Ausbau einer Infrastruktur ist auch ein Wert für eine Region.“

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