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Pirmasens

Ministerpräsidentin besucht Kita auf dem Kirchberg

von Anna Warczok

Keine Berührungsängste zeigten gestern die Kinder der ökumenischen Kindertagesstätte auf dem Kirchberg beim Besuch von Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Keine Berührungsängste zeigten gestern die Kinder der ökumenischen Kindertagesstätte auf dem Kirchberg beim Besuch von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. ( Foto: Buchholz)

Zu große Gruppen, zu wenig Personal – Erzieherinnen in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen klagen schon lange über immer schlechter werdende Arbeitsbedingungen. Um sich ein Bild von der Lage zu machen, besuchte Ministerpräsidentin Malu Dreyer gestern die ökumenische Kita auf dem Kirchberg.

Wer da den Raum betritt, wussten die Kinder der ökumenischen Kindertagesstätte „Im Regenbogenland“ ganz genau. „Malu Dreyer“, riefen die Kleinen laut, als Kita-Leiterin Sieglinde Geßner-Mlinaric sie nach dem Namen des Gastes fragte. Was Dreyer beruflich macht, wusste die Gruppe auch sofort – kein Wunder, hing das Foto der Ministerpräsidentin umgeben von vielen gemalten Kinderfiguren doch an mehreren Stellen in der Kita.

Keinerlei Berührungsängste

 

Die Kinder hatten sich gut vorbereitet, sangen Lieder für die Ministerpräsidentin – unter anderem ein Ständchen zu ihrem Geburtstag vor drei Tagen – und zeigten keinerlei Berührungsängste. „Welche Sprachen sprichst du?“, wollte ein kleiner Junge von Dreyer wissen, nachdem die Gruppe das Lied „Bruder Jakob“ gleich in mehreren Sprachen, unter anderem auf Türkisch, Russisch und Polnisch, gesungen hatte. Antwort: Deutsch und Englisch spricht Dreyer gut.

 

„Jetzt würden wir Erwachsene auch gerne etwas loswerden“, leitete Geßner-Mlinaric zum eigentlichen Grund für Dreyers Besuch über. Die war als Reaktion auf ein Schreiben gekommen, das die Kita-Leiterin mit Dekanin Waltraud Zimmermann-Geisert an verschiedene Politiker geschickt hatte, mit dem Appell: „Es muss endlich was passieren.“

Es hapert an einigen Punkten

 

Geßner-Mlinaric hatte sich auf Dreyers Besuch ebenso gut vorbereitet wie ihre Kita-Kinder. In einer Präsentation zeigte sie auf, an welchen Punkten es ihrer Meinung nach derzeit hapert – und das waren einige. „Wir stehen vor neuen Herausforderungen, haben neue Aufgaben. Was sich aber fast gar nicht verändert hat, ist der Personalschlüssel“, nannte sie den ersten wichtigen Punkt. Für 25 Kindergartenkinder sind derzeit im Schnitt zwei Erzieher zuständig – viel zu wenige, findet Geßner-Mlinaric, wenn man bedenkt, was die Fachkräfte alles zusätzlich leisten müssen.

 

Als Beispiel nennt sie die Verfügungszeit, die im Personalschlüssel nicht berücksichtig wird. Damit ist die Zeit gemeint, die Erzieher für Aufgaben außerhalb der Gruppenbetreuung haben sollten, etwa für Vor- und Nachbereitung sowie Kooperationsangebote mit Grundschulen. Laut Arbeitszeitgesetz sollte 23 Prozent der Gesamtarbeitszeit als Verfügungszeit genutzt werden. „Voraussetzung dafür ist“, sagt Geßner-Mlinaric, „dass alle Erzieherinnen im Haus sind.“ Bei Krankheit oder Urlaub sei die Verfügungszeit das Erste, was wegfällt.

Krankenstand ist hoch

 

Der schlechte Personalschlüssel wirke sich auch auf die Leistungsfähigkeit der Erzieher aus. Der Krankenstand in der Einrichtung sei hoch. „Wir arbeiten seit Jahren an unserer Belastungsgrenze“, sagt die Kita-Leiterin. Mit ein Grund dafür sei, dass es in der Einrichtung viele Kinder gebe, die eine intensivere Betreuung brauchen. Von den 114 Kita-Kindern auf dem Kirchberg haben 67 einen Migrationshintergrund, sieben sind Flüchtlingskinder und 79 haben einen erhöhten Betreuungsbedarf, etwa weil sie entwicklungsverzögert sind. Belastend seien auch die Sprachbarrieren bei einigen Kindern und Familien. Zwar arbeiten in der Kita auch Sprachförderkräfte, doch bräuchten viel mehr Kinder eine intensivere Förderung, als es mit den derzeitigen Mitteln möglich sei.

 

Der hohe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in den innerstädtischen Einrichtungen sei ein strukturelles Problem, sagte Mathias Detzen, Leiter des Protestantischen Verwaltungsamts Pirmasens. „Viele Familien wohnen hier wegen der günstigen Mieten, und hier haben wir nun mal unsere Einrichtungen.“ Angesprochen auf die Wohnsitzauflage, die von der Stadtspitze immer wieder ins Gespräch gebracht wird, um den Zuzug von Flüchtlingen zu stoppen, verwies Dreyer auf Integrationsministerin Anne Spiegel. Sie habe Oberbürgermeister Bernhard Matheis signalisiert, für Pirmasens eine Sonderlösung zu finden. Man sei im Gespräch.

Dreyer verweist auf Gesetzesnovelle

 

Die Ministerpräsidentin betonte zudem, dass es in rheinland-pfälzischen Kitas im Vergleich zu anderen Bundesländern eigentlich einen guten Personalschlüssel gebe. Sie wolle sich die Situation in der Kita auf dem Kirchberg im Vergleich mit anderen Einrichtungen anschauen. Und sie verwies auf die geplante Kita-Gesetzesnovelle. Ziel der Novelle sei es, Programme stärker zu vereinheitlichen und die Finanzierung in den Einrichtungen transparenter und klarer zu regeln. Es gebe große strukturelle Unterschiede in der Kita-Landschaft, was eine Herausforderung sei. Klar sei aber, dass etwas getan werden müsse. „Ich glaube, der Weg, den Bildungsministerin Hubig mit der Novelle geht – weg von den Geldtöpfen, hin zu Sonderlösungen –, ist richtig.“

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