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Freitag, 27. Januar 2017 Drucken

Pirmasens

Entsetzen über Drückjagden bei Pirmasens

Vor allem Rehe haben die Jäger bei den Drückjagden in Windsberg im Visier. ( Foto: dpa)

Uli Osterheld, Geschäftsführer von Pro Jagdkonzept, mit seinem Hund Wilko im Wald bei Windsberg. ( Foto: dpa)

Die Firma Pro Jagdkonzept GmbH aus Kandel hat die Jagd bei Windsberg übernommen und löst gleich mit ihren zwei ersten Drückjagden Entsetzen und Proteste aus. 134 Rehe wurden dabei geschossen. Viel zu viele, meint der Kreisjagdmeister. Der Wildbestand war zu groß, argumentiert die Jagdgenossenschaft. Am Dienstag ist die nächste Drückjagd.

Im Jahr 2015 hatte die Firma Pro Jagdkonzept bei der Übernahme der Jagd in Großsteinhausen ähnliche Reaktionen hervorgerufen. Auch dort war eine große Zahl an Rehen bei Drückjagden geschossen worden. In Großsteinhausen hat sich die Aufregung gelegt. Dafür schlagen nun in Windsberg die Wellen hoch. Dort hat nicht nur die hohe Anzahl der geschossenen Rehe für Unmut gesorgt, sondern auch die Art der Weiterbehandlung. Die Tiere sollen an einem viel frequentierten Wanderweg ausgeweidet worden sein, wodurch der Weg nicht mehr passiert werden konnte, ohne durch Blutlachen zu waten, wie Petra Köhler aus Windsberg berichtet. „Mich und andere Windsberger hat das viele Blut total entsetzt“, beklagt Köhler, die darin eine Respektlosigkeit der Jagdgesellschaft sieht. Die Windsbergerin versteht nicht, wie die Verantwortlichen der Jagdgenossenschaft Pirmasens zulassen konnten, dass die Wildbestände dermaßen bejagt werden dürfen.

„Wir jagen wenig, aber wenn, dann erledigen wir alles und dann ist wieder Ruhe“, erklärt Uli Osterheld von der in Kandel ansässigen Firma Pro Jagdkonzept die Vorgehensweise seines Unternehmens. Der Jäger war selbst überrascht von den hohen Abschusszahlen der Drückjagden Anfang Dezember und Mitte Januar. „Ich hatte mit 20 Rehen gerechnet.“ Im Dezember liefen jedoch 82 Rehe vor die Flinten der 45 Jäger, die an der Drückjagd beteiligt waren, am 14. Januar dann noch mal 52 Rehe.

39 Wildschweine wurden insgesamt bei beiden Drückjagden geschossen. „Wir zeigen, wie viele Rehe wirklich da waren“, kontert Osterheld auf die Kritik. Der Wildbestand sei in dem Revier schlicht viel zu hoch gewesen, das habe das Ergebnis der Drückjagd verdeutlicht. Die Probleme mit Wildschweinen für die Windsberger Landwirte dürften sich nach den Drückjagden erledigt haben. „Wildschweine liegen nicht mehr im Revier“, schätzt Osterheld.

Ganz allein hat Osterheld die Jagden im Dezember und Januar nicht organisiert. Zeitgleich veranstaltete das Forstamt Westrich in seinem Bereich des Staatsforstes auch eine Drückjagd. Dort wurden im Dezember 37 Rehe und 20 Wildschweine sowie im Januar 21 Rehe und neun Wildschweine erlegt, wie Forstamtsleiter Theodor Ringeisen mitteilt. „Der Rehwildbestand ist sehr hoch“, meint der Forstamtsleiter. Die zuvor zuständigen Jäger hätten „sehr zurückhaltend“ gejagt, so seine Einschätzung. Die von Osterheld und dem Forstamt geschossene Zahl von 192 Rehen mag hoch erscheinen. „Das Rehwild wird dadurch aber nicht zum Aussterben gebracht“, beruhigt er. Der Wald werde von der kleineren Anzahl an Rehen profitieren, so Ringeisen. Die Waldverjüngung funktioniere dann besser. Baumarten wie Tanne, Hainbuche, Eiche und Waldkirsche würden durch zu viele Rehe ausselektiert.

„Laut einer forstbehördlichen Stellungnahme war im Jagdbezirk Pirmasens-Windsberg aufgrund der allgemeinen Verbisssituation von einer Gefährdung des waldbaulichen Betriebszieles auszugehen“, teilte eine Sprecherin der Stadtverwaltung als Untere Jagdbehörde zu der Vergabe des Auftrags an Pro Jagdkonzept mit. Dies spreche für einen erhöhten Rehbestand. Als Ziel seien 50 Rehe in dem Revier festgelegt worden. Uwe Bißbort, Landwirt in Windsberg und stellvertretender Vorsitzender der Jagdgenossenschaft, der mitverantwortlich für die Vergabe der Jagd an Pro Jagdkonzept war, erläuterte: Die Jagdgenossen hätten zunehmende Schwarzwildschäden bemerkt und der bisher zuständige Jäger habe dies nicht in den Griff bekommen. Deshalb sei der Vertrag mit ihm ein Jahr früher als geplant beendet worden.

„Das Konzept von denen ist richtig“, ist Bißbort auch nach den Protesten noch überzeugt. „Jeder weiß, dass der Rehwildbestand in der Südwestpfalz weit überhöht ist.“ Aus den Abschusszahlen könne abgeleitet werden, dass zuvor über 200 Rehe im Bezirk waren. 50 sollten es aber nur sein. „Das waren viermal so viel, wie der Wald verträgt.“ Die Kritik an dem Platz, wo das Wildbret ausgeweidet wurde, kann Bißbort nachvollziehen. Bei der nächsten Jagd werde das anders gehandhabt.

Bißbort betonte, dass Pro Jagdkonzept keinesfalls alle anderen Reviere im Jagdbezirk Pirmasens übernehmen werde. Die meisten Reviere würden 2017 wieder verlängert. Die Jagdgenossen wollten zunächst beobachten, wie sich die Reviere, auch das Windsberger, weiterhin entwickeln, bevor eventuell an Pro Jagdkonzept ein weiteres Revier vergeben werde.

Bei der Jagdgesellschaft des Forstes war übrigens der Trippstadter Wildbiologe Ulf Hohmann mit von der Partie, als Privatmann. Seiner Meinung sprechen die hohen Abschusszahlen bei der zweiten Jagd für einen überhöhten Rehwildbestand. „Das kann als sehr hoher Bestand interpretiert werden.“ Wobei auch das Landschaftsbild mit Wechsel von Wald und Feld hohe Rehzahlen hervorbringe. Hohmann würde eine Zählung seines Instituts in dem Bezirk favorisieren, um Klarheit zu erlangen in der jetzt losgetretenen Diskussion. „Wir haben die Instrumente zum Zählen.“ |kka

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