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Montag, 11. September 2017 Drucken

Landkreis Südwestpfalz

Elektromobilität auch auf dem Land

Hauenstein: Tabea Rößner und Felix Schmidt von den Grünen plädieren für bessere Radwege und schnelleres Internet

Von Klaus Kadel-Magin

Bernd Schumacher (links), Kreisvorstandssprecher der Grünen, die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner, der Wahlkreiskandidat Felix Schmidt und Jutta Paulus, Landesvorsitzende der Grünen-Partei, informierten in Hauenstein über die Chancen der E-Mobilität. Den Wahlkampf bestreitet Tabea Rößner mit einem Elektroauto.

Bernd Schumacher (links), Kreisvorstandssprecher der Grünen, die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner, der Wahlkreiskandidat Felix Schmidt und Jutta Paulus, Landesvorsitzende der Grünen-Partei, informierten in Hauenstein über die Chancen der E-Mobilität. Den Wahlkampf bestreitet Tabea Rößner mit einem Elektroauto. ( Foto: Klaus Kadel-Magin)

„Die Automobilindustrie bestimmt unser Leben.“ Für die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner geht der Umstieg auf die E-Mobilität viel zu langsam, da sich die Bundesregierung von den Autolobbyisten am Nasenring durch die Arena ziehen lasse. Am Freitagabend präsentierte die Abgeordnete zusammen mit dem Grünen Wahlkreiskandidaten Felix Schmidt in Hauenstein ihre Vision einer fast sauberen Mobilität.

Die seit acht Jahren für die Grünen im Bundestag sitzende Rößner geht im Wahlkampf mit gutem Beispiel voran. Seit fünf Wochen rollt die Mainzerin mit einem Elektroauto durch die Lande. Am Freitag führte ihr Weg von Mainz nach Bingen und Hauenstein, wo sie nachladen musste, bevor die Fahrt weiter nach Speyer ging. „Man kann auch in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz mit dem Elektroauto gut unterwegs sein“, versicherte die Abgeordnete, die im Wahlkampf bisher kein einziges Mal ohne Saft stehengeblieben sein will.

Für Rößner ist die Umstellung der Mobilität auf elektrische Antriebe schon jetzt besser im Hinblick auf den Klimawandel als Benziner oder gar Dieselfahrzeuge. „Selbst mit dem heutigen Strommix aus Kohle, Atom und erneuerbarer Energie ist ein Elektroauto sauberer als ein Benziner“, erläuterte die Abgeordnete in Hauenstein. Und die Elektromobilität will der Zweibrücker Wahlkreiskandidat Felix Schmidt nicht allein auf Autos angewendet wissen. Die Bahn gehört nach seiner Meinung komplett elektrifiziert. Die Schweiz mache vor, dass dies möglich ist. Die Queichtalstrecke könnte längst elektrifiziert sein und als Südstrecke für die Pfalz einiges an Verkehr aufnehmen. Mit dem derzeitigen Angebot werde die Bahnlinie nur von denen genutzt, die keine andere Wahl hätten, so Schmidt. Die Bedenken gegen eine Elektrifizierung wegen des Güterverkehrs kann Schmidt nicht teilen. Die Bahn müsse auf leisere Waggons umstellen, die schon verfügbar seien, ergänzte Rößner. Das Beispiel der Fußball-WM und des damit verbundenen S-Bahn-Ausbaus bis Homburg zeige, dass ein attraktives Angebot auch genutzt werde, wenn es da ist, schilderte Schmidt.

Ähnlich sieht es für den passionierten Radfahrer Schmidt bei der Infrastruktur für Radfahrer aus. Vielerorts gebe es in der Südwestpfalz noch Radwege mit einer ungenügenden Breite, die in den 60er-Jahren mal als gut angesehen wurde. Radschnellwege und reine Fahrradstraßen würden auch in der bergigen Südwestpfalz das Rad als Verkehrsmittel für den Alltag praktikabel machen, vor allem mit den immer häufiger genutzten Pedelecs.

Mit modernen Verknüpfungen von Bahn, Bus und Elektrofahrrädern könne auch auf dem Land eine Mobilität ohne Auto attraktiv gemacht werden. „Mobility on demand“ sei so ein Beispiel in Form eines internetbasierten Sammeltaxis, bei dem ein Algorithmus die Strecke berechne. „Aber das geht nur, wenn auch überall Internet zu finden ist“, so Rößner, womit die Abgeordnete ihren zweiten Schwerpunkt anriss: die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet. Hier habe die Bundesregierung mit der Förderung der von der Telekom favorisierten Vektorisierung eine wichtige Entwicklung verschlafen und komplett versagt. Bei der Vektorisierung wird Glasfaser nur bis zu Verteilerkästen in den Stadtvierteln gelegt und ab dort werden mit vorhandenen Kupferkabeln die Daten weitergeleitet. Mit dieser Technik stoßen laut Rößner die Kunden schon jetzt wieder an die Grenzen. Besser wäre ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser bis an die Haustür gewesen, wie er beispielsweise in Teilen der Südwestpfalz von einer Schweizer Firma jetzt betrieben wird. Mit der Förderung des Vectoring bekämen hingegen Kommunen, die eigene Glasfasernetze ausbauen wollen, weniger Förderung. „Das ist aber die zentrale Voraussetzung für eine Entwicklung im ländlichen Raum“, mahnte Rößner eine bessere Internetversorgung an.

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien müsse ebenfalls hier vor Ort mehr passieren, forderte Schmidt. „Da geht es gar nicht, dass die Bundeswehr sich gegen Windräder hier stellt. Hier muss die Region mal sagen, jetzt reicht es“, so Schmidt im Hinblick auf die aktuelle Diskussion um Windräder, die angeblich das Luftkampfübungssystem Polygone der Bundeswehr störten.

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