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Donnerstag, 12. Juni 2014 Drucken

Pirmasens: Kultur Regional

Ein Mann für fast alle Fälle

Der Vinninger Florian Pfaff ist bei der Theatertruppe der Mainzer Uni unersetzlich

Von Fred G. Schütz

„Wir sind wahnsinnig froh, dass Florian in diesem Jahr wieder dabei ist“, sagt Mareike Hachemer, Vorstandsvorsitzende des Vereins Musical-Inc. an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Zugegebenermaßen erhält die Redaktion nicht allzu häufig Zuschriften, in denen jemand gelobt wird. Der Brief aus Mainz betrifft den Vinninger Florian Pfaff, der als Zuschauer des Musicals „Fame“ der Mainzer Theater-Truppe Feuer gefangen hatte und nun seit Jahren als Darsteller, Organisator und Koch vor und hinter der Bühne wirkt. Ein Mann für beinahe wirklich alle Fälle.

 

 

„Curtains“, das Ende Mai Premiere hatte, ist mit 50 Darstellern die 20. Musical-Großproduktion der Mainzer Universität. Die Geschichte in Kürze: In einer Musicalproduktion in Boston geschieht ein Mord, der die ohnehin schlechte Produktion endgültig zum Scheitern zu bringen droht. In der Rolle des Musicalproduzenten Sidney Bernstein ist Florian Pfaff besetzt.

Mareike Hachemer erzählt: „Nicht nur in seiner Rolle ist er für die Finanzen eines Musicals zuständig, sondern auch hinter den Kulissen: Florian koordiniert seit Jahren die Geldgeschäfte der universitären Musicalproduktionen. Während seines Studiums der Fächer Anglistik und Theologie trat er der Musical Inc. 2007 bei.

Er übernahm damals im Hippie-Musical „Hair“ die Rolle des Hubert, Leni Riefenstahls Mann, der ihr mit seiner Filmkamera behilflich ist, über den Hippieclan eine Reportage zu drehen. Ein Jahr später wurde Florian König. In „Die drei Musketiere“ verkörperte er stolz König Ludwig XIII, war ein Jahr später als Tom Collins in „Rent“ zu sehen. Aufgrund seiner solistischen Gesangsauftritte in den Musicals wurde Florian von der Presse als „schönster Bariton des Rhein-Main-Gebiets“ bezeichnet.

Florian Pfaff erzählt: „Die Mainzer hatten 2006 ,Fame’ aufgeführt. Ich war als Zuschauer im Publikum und war vollauf begeistert und hab mich beim nächsten Casting beworben. Ich hatte ja schon in der Schule am Leibniz-Gymnasium in Pirmasens im Chor mitgesungen und wollte auch in Mainz ursprünglich nur im Chor mitsingen und weniger schauspielern. Das ließ dann aber nicht vermeiden. So hat sich das über die Jahre hin entwickelt.“

Florian Pfaff ist im Gespräch ein bescheidener Geselle, den bisweilen sogar das Heimweh plagt. „Den Pfälzerwald vermisse ich schon. Wir sind früher fast jedes Wochenende gewandert und ich freue mich jedes Mal wenn ich nach Hause komme.“ Im Brotjob arbeitet bei einer Bank in Frankfurt, „aber nicht als Banker, sondern eher im administrativen Bereich, mache Event-Planung und so was. So habe ich „’ne ganz normale 40-Stunden-Woche. In Mainz hatte ich zwei Jahre pausiert und bin dann für diese Produktion wieder in den Verein eingestiegen.“

Mit dem Pirmasenser Musiker Max Paul, der bei den „Storytellers“ und den „Men Without Horses“ spielt, hat er gemeinsam Abitur gemacht. „Zusammen gespielt haben wir aber leider noch nicht, Max hat ja erst kurz nach dem Abi 2005 so richtig losgelegt, und da war ich schon in Mainz. Wir waren aber oft zusammen bei der Open Stage im Pirmasenser Irish Pub.“ Musikalisch war Florian Pfaff aber trotzdem unterwegs, nicht nur im Schulchor, sondern auch bei der Irish-Folk-Band „Black Velvet“, die es bis heute gibt.

Wer das Personal von Amateurbühnen kennt, hat es meist mit zwei Charakteren zu tun: Jene, die es zur Bühne drängt, und jene, die am liebsten an und hinter den Kulissen arbeiten. Bei Florian Pfaff verbinden sich beide Typen in einer Person: „Die ganze Organisation gefällt mir, das war schon bei den ,Musketieren’ so, da habe ich teilweise die Kostüme geschneidert. Bei ,Rent’ habe ich mich komplett um die Ausstattung und Technik gekümmert. In diesem Jahr bin ich wieder als Kassenwart aktiv – das muss in enger Absprache mit der Technik passieren, weil das ja ein enormer Kostenfaktor ist“, erzählt Pfaff. Und damit nicht genug: Er bekocht auch seine Theater-Freunde mit Leidenschaft: „Das mache ich sehr gerne, das ist ein Hobby von mir. Wenn wir zum Beispiel mit dem Vorstand und dem Kreativ-Team das Stück durchgehen, besprechen und die Planung machen, da mache ich dann immer ein Brunch-Büffet, einen Salat oder koche irgendwie eine Suppe.“ Nein, auf nur eine Sache möchte er sich wirklich ungern festlegen lassen.

Umso mehr dürfte ihn das Lob der Kollegin Hachemer freuen: „Tatsächlich bekommen die Zuschauer Gänsehaut bei Florians Balladen. Bei zwei Metern Körpergröße schwingen besonders die tiefen Tonlagen sanft und wunderbar gefühlvoll. Gleichzeitig liegt Florian auch die sachlich-kalkulierende Business-Seite des Musicals. Von 2009 bis 2011 koordinierte er bereits die Finanzen als Kassenwart im Vorstand des Vereins, was er auch bei der aktuellen Produktion gewissenhaft tut. Florian Pfaff leitet den Kartenverkauf online und an den Verkaufsstellen und organisiert außerdem die ausladenden Feiern der Musical Inc., die Weihnachtsfeier, Premierenfeier, Dernierenfeier und die Verpflegung während des Castings und der harten Probenzeiten. Florian Pfaff backt und kocht liebevoll, dekoriert detailreich und macht auch aus den langweiligsten Räumen stilvolle Locations.“, so Mareike Hachemer.

 

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