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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Pirmasens: Kultur Regional

Eigentlich ganz gut, diese Eigentlich-Band

Matinee mit Sandra Schenk aus Nothweiler und ihrem „Sandra Badal Trio“ in der Landauer Villa Streccius

Von Hans Kraus

Weit über 100 Zuhörer strömten am Sonntag in die Villa Streccius, wo das „Sandra Badal Trio“ zur ersten Landauer Matinee des Jahres aufspielte. Der Kunstverein hatte zum Konzert in die Ausstellung „Habitat – Vom Sich-Einrichten in der Welt“ geladen, die noch bis zum 20. Januar zu sehen ist.

Seit einem Jahr spielt das Trio zusammen, das zuletzt in der Region im April vergangenen Jahres in Nothweiler zu hören war. Will man etwas über die Geschichte der Protagonisten wissen, fängt jeder Satz mit „eigentlich“ an. Denn: Eigentlich ist Sandra Badal, die in Nothweiler wohnt, keine gelernte Jazzvokalistin, sondern eine erfahrene Opernsängerin. Unter ihrem bürgerlichen Namen Sandra Schenk hat sie sich vorwiegend in England ihre Sporen verdient. Ihren Künstlernamen Badal hat sie von der iranischen Großmutter übernommen.

Ihre beiden Begleitmusiker hat sie in Stuttgart gefunden. Eigentlich ist Davide Petrocca, der Bruder des bekannten Gitarristen Lorenzo Petrocca, seit 20 Jahren erfolgreicher Kontrabassist. Er hat sein Handwerk bei dem dänischen Bassisten Niels Henning Oertsted Pedersen in Kopenhagen gelernt. Erst später entdeckte er seine Liebe zur Gitarre. Genau umgekehrt ist es bei Dieter Fischer. Eigentlich ist er Gitarrist, nach dem Gewinn vieler Wettbewerbe sogar ein im wahrsten Wortsinn „ausgezeichneter“. Zum Kontrabass hat er später gefunden.

Aber diese Eigentlich-Band funktioniert trotz unterschiedlicher Wurzeln ausgesprochen gut. Möglich ist das nur, weil alle drei nach Jahren der Suche und des Probierens hier ihre wahre Leidenschaft ausleben, sehr viel Fleiß aufbringen und natürlich über viel Talent verfügen.

Das Spiel des Trios ist von großer stilistischer Vielfalt geprägt. Swing, Chansons, Pop und Bossa Nova, das alles gleich in fünf Sprachen, gehören zum Programm. Das Konzert in der Villa Streccius startete mit dem von Jimmy Van Heusen und Sammy Cahn für Frank Sinatra geschriebenen „Come Fly With Me“. Es folgte „Emily“, ebenfalls ein Sinatra-Song. Dann aber ging es in (beinahe) alle Richtungen, die Populärmusik zu bieten hat: „Invierno Porteño“ von Astor Piazzolla sang Sandra Badal in Spanisch, „Louiza“, von Antonio Carlos Jobim eigentlich als Walzer komponiert, wurde als Bossa Nova und in Portugiesisch vorgetragen. Für dieses und fast alle anderen Arrangements ist Dieter Fischer zuständig. Außerdem für den Groove, der vor allem mit dem E-Bass beim „Gute Laune“-Stück „Sunny Side of the Street“ ordentlich Schub hatte.

Zu einem ersten Höhepunkt wurde „Cry Me a River“, der Song einer Frau, deren Liebhaber sie betrogen hat, aber dann reumütig zu ihr zurück kommt. Der Titel sind die Worte, mit denen sie ihm entgegentritt. Badal konnte hier nicht nur den vollen Umfang ihrer Stimme einsetzen, sie lud den Gesang mit starken Emotionen auf. Dafür erhielt sie von ihrem Publikum lang anhaltenden Beifall.

Der war noch nicht ganz verklungen, als das Trio einen neuen Weg einschlug. Diesmal ging es mit dem Chanson „Dans Ma Rue“, bekannt geworden durch Edith Piaf, nach Frankreich. Das Lied besingt das Los sozial Benachteiligten, die sich mit Prostitution über Wasser halten. Es folgte mit „Wenn sie dich fragt“ eine Hommage an den 2016 viel zu früh gestorbenen Roger Cicero.

Sogar an Filmmusik wagte sich das Trio mit „He’s a Tramp“ aus „Susi und Strolch“. An der Gitarre begleitet vom hervorragend agierenden Petrocca, der im Vorfeld bereits mit einem gekonnten Solo zu „My Blue Valentine“ geglänzt hatte, setzte Badal mit „What Are You Doing the Rest of Your Life“ weitere Höhepunkte. So verwöhnt, forderten die Zuhörer stürmisch eine Zugabe. Die kam dann mit einem echten Klassiker: „Here, There and Everywhere“ vom berühmten „Revolver“-Album der „Beatles“.

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