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Mittwoch, 26. August 2015 Drucken

Pirmasens: Lokalsport

Der Aufsehen erregende „Fall Hornberger“

Sport-Geschichte(n): Warum der Top-Sprinter aus Waldfischbach 1936 seine olympische Goldmedaille nicht als FKP-Läufer gewann

Von Wolfgang Kauer

 

Nicht nur in Sportkreisen großes Aufsehen erregte vor 80 Jahren der Wechsel des Waldfischbacher Ausnahmesprinters Gerd Hornberger (1910 - 1988) vom FK Pirmasens zu Eintracht Frankfurt. In dem Buch „Leichtathletik in der Pfalz“ führt der Dahner Karl Theodor Thelen einen bisher nicht allgemein bekannten, eigentlich banalen Grund für Hornbergers Verlassen von „Die Klub“ an.

Gerhard „Gerd“ Hornberger, der sich erst als 22-Jähriger intensiv mit der Leichtathletik zu beschäftigen begann, hatte den FKP 1934 auch außerhalb des Fußballs weithin bekannt gemacht. Er wurde mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel Europameister, sprintete bei Sportfesten „sagenhafte“ Zeiten über 100 und 200 m – seine Pfalz-Rekorde von 10,4 und 21,3 Sekunden sollten mehrere Jahrzehnte halten – und galt als aussichtsreicher Kandidat für Olympia 1936 in Berlin. Seine Sprintleistungen waren umso bemerkenswerter, als sie trotz nicht idealer Trainingsbedingungen erreicht und gehalten wurden.

Die miserablen Trainingsbedingungen, aber wohl auch die in der „Pirmasenser Zeitung“ 1935 geschilderte Erfahrung Gerd Hornbergers, „gegenüber anderen, nicht so verdienstvollen Sportlern bei jeder Gelegenheit benachteiligt zu werden“, haben offenbar den Wechsel nach Frankfurt verursacht. Den letzten Ausschlag jedoch gab ein Vorfall, der in dem erwähnten Buch wie folgt dargestellt wird.

Demnach hatte Hornberger einen Tag nach der Aussprache am 1. Februar 1935 auf der Geschäftsstelle des FKP dessen Maskenball in der Turnhalle besuchen wollen. Was offenbar daran scheiterte, dass der soeben offiziell zum Olympia-Anwärter ernannte Europameister und mehrmalige Länderkampf-Teilnehmer Eintritt bezahlen sollte - „im Gegensatz zu den Stars des Vereins, den Fußballern“. Und weil er im Vertrauen auf seine Bekanntheit seine Mitgliedskarte nicht vorwies, sollte er vermutlich gar den Eintrittspreis für Nichtmitglieder zahlen. In dem düpierten FKP-Leichtathleten mochte es gebrodelt haben. Buchautor Thelen merkt dazu an: „Die Organisatoren des Maskenballs schienen hellseherische Fähigkeiten zu haben, lautete doch das Motto der Veranstaltung ,Die Bombe platzt′“.

Die platzte in der Tat. Hornberger kündigte die Mitgliedschaft und schloss sich Eintracht Frankfurt an, zu jener Zeit eine Hochburg des Sprints. Als Eintracht-Läufer wurde der Waldfischbacher 1936 Olympiadritter mit der 4x100-m-Staffel – im Zwischenlauf über 100 m schied er aus – und 1938 erneut Staffel-Europameister. Später versöhnte er sich mit dem FKP.

Gerd Hornberger führte nach dem Krieg über 22 Jahre den Leichtathletik-Verband Pfalz, gehörte dem Beirat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes an und war Delegationsschef der deutschen Leichtathletik-Mannschaft bei einer Städtereise und zwei Länderkämpfen in Japan. Für seine Verdienste um den Sport im Allgemeinen erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

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