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Donnerstag, 10. Januar 2019 Drucken

Landkreis Südwestpfalz

„Das war wieder eine brutale Nacht“

Der mysteriöse Brummton von Mörlheim nervt jetzt auch eine Familie in Bornheim. Das Landesamt für Umweltschutz kann bisher nur bestätigen, dass es das tieffrequente Geräusch gibt. Es forscht noch nach der Quelle. Doch selbst wenn die gefunden ist, ist keineswegs sicher, dass die Belästigung abgestellt wird.

Von Sebastian Böckmann

Nicht jeder hört das Brummen, aber wer es hört, leidet darunter.

Nicht jeder hört das Brummen, aber wer es hört, leidet darunter. ( Foto: van)

«Landau». „Meine Frau (...) und ich sind gerade wie gerädert aufgestanden. War wieder eine brutale Nacht. Das wird immer stärker. Dieser unterirdische Bass geht bei mir schon soweit, dass ich ähnlich wie Panikattacken bekomme. Mir wird ganz heiß. Einschlafen ist gar nicht mehr richtig denkbar. Erst wenn der Erschöpfungsgrad so hoch ist, dass nix mehr geht. Oh je ... mal sehen wie lange wir das Durchstehen.“ Diese Mail hat gestern Morgen ein Bornheimer RHEINPFALZ-Leser der Redaktion geschickt, der erst seit kurzem, dafür aber massiv von jenem unerklärlichen tieffrequenten Brummton gequält wird, über den zuerst Claus Hund aus Mörlheim Klage geführt hat (wir berichteten mehrfach). Der Bornheimer möchte nicht namentlich genannt werden, berichtet aber, dass er im südlichen Teil Bornheims lebt – also auf der gegenüberliegenden Seite von Hund, der davon ausgeht, dass das Brummen aus dem dazwischenliegenden Industriegebiet kommt.

Wie berichtet, hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt bereits im Juni bestätigt, dass es tieffrequente Geräusche gibt. Sie konnte mit ihren Messmethoden aber keine weitergehenden Aussagen treffen – weder zur Herkunft, noch zur entscheidenden Frage, ob eine schädliche Umwelteinwirkung vorliegt. Die SGD hatte daher das Landesamt für Umwelt um eine qualifizierte Messung gebeten. Die ist im August und im November vorgenommen worden, außerdem hatte das Landesamt Hund zeitweilig ein Messgerät zur Verfügung gestellt, mit dem er selbst über Wochen hinweg den nicht immer vernehmbaren Brummton aufzeichnen konnte. Hund hat zudem mit einer Excel-Tabelle akribisch Protokoll geführt, an welchen Tagen, zu welchen Uhrzeiten und in welcher Intensität er das Brummen gehört hat. Teilweise hat eine Nachbarin seine Beobachtungen bestätigt, die zu einem dicken Packen Papier angewachsen sind. Selbst an Heiligabend und den beiden Weihnachtstagen sei er rund um die Uhr beschallt worden, klagt Hund, der es bedauert, dass sich die Kommunalpolitik für sein Problem bisher überhaupt nicht interessiert habe. Offenbar wolle man ortsansässige Betriebe schützen, vermutet der Mörlheimer.

Claus Hund war auch wiederholt im Industriegebiet unterwegs, um die Quelle des Brummens zu orten. Er ist auch sicher, das dafür verantwortliche Unternehmen gefunden zu haben (Die RHEINPFALZ hat dort angefragt, aber noch keine Rückmeldung bekommen), doch die Behörden wollen sich noch nicht festlegen: „Auch konnte der Verursacher noch nicht ermittelt werden“, heißt es in der Antwort der SGD auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Der SGD liegt das Ergebnis der Messungen des Landesamtes für Umwelt noch nicht vor. Das Gutachten sei jedoch die Grundlage für eine weitere Vorgehensweise und mögliche Konsequenzen und Maßnahmen. Das Problem dabei: Auch tieffrequente Geräusche fallen unter die TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm), aber nicht jedes tieffrequente Geräusch gilt auch als schädliche Umwelteinwirkung. Auch dafür gibt es Richtwerte, die vom Gesetzgeber als zulässig und zumutbar eingestuft werden, erläutert SGD-Sprecherin Nora Schweikert. Daher sind der SGD nach eigenen Angaben die Hände weitgehend gebunden, wenn Grenzwerte nicht überschritten werden. In einem solchen Fall „kann lediglich auf freiwillige Verbesserungen durch den verursachenden Betrieb hingewirkt werden“. Das werde die SGD tun, verspricht Schweikert.

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