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Montag, 19. Dezember 2016 Drucken

Pirmasens: Kultur Regional

Als ob ihnen Rammstein im Genick säßen

CD regional: Neuer Silberling von 7ty Proof mit eigenen Nummern – „Rock’n’Roll Will Never Die“ vereint die musikalischen Temperamente

Von Walter Falk

 

Lassen’s krachen, aber nicht nur: 7ty Proof. ( Archivfoto: frei )

Zum 20-jährigen Bestehen hat die Lauterer Rockband 7ty Proof ein aufsehenerregendes Doppel-Album mit dem Titel „Rock’n’Roll Will Never Die“ herausgebracht. Das Besondere daran: Es sind ausschließlich selbst geschriebene Titel. Eine Bonus-DVD gibt es obendrein. Ganz schön in sich haben es die acht Songs.

 

„Ich will hier raus!“, scheint der Sänger zu rufen und krallt sich mit seinen Fäusten an den Gitterstäben des Gefängnisses fest. Schon das Cover des Silberlings weckt Neugierde. Umwerfend aber wird es, wenn man die CD in den CD-Player schiebt. Die Becken sind groß und so laut, dass sie alles niederschmettern, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Gitarren sind nicht nur verzerrt, sondern von Verzerrung zerfressen. Als hätten sich Andy Braun (Gesang), Christian Zorn (Bass), Hakan Yusufoglu (Gitarre), Marco Leonhardt (Keyboard) und Chris Strasser (Schlagzeug) ein paar Tage in einer dreckigen Garage eingeschlossen. Die Songs ziehen nach vorn, als säße ihnen Rammstein im Nacken und sind sehr tanzbar.

Aber die Fünf von 7ty Proof brutzeln ihr eigenes Barbecue. Wenn sich im fantastisch brachialen Opener „Rock’n’Roll Will Never Die“, in „Run 2 Next Level“ oder „Wild At Heart“ Andy Brauns rauputzraue Stimme aus den Krachinstrumenten erhebt, dann bekommt man es schon ein bisschen mit der Angst zu tun. Mit der Angst, mit der man als Kind einen Horrorfilm angeschaut hat und viel zu fasziniert war, um wegzuschauen. Denn der virtuose Drummer Chris Strasser und der brodelnde Bassist Christian Zorn lassen den Rhythmus so richtig von der Leine. Die Hitze eines Vulkans schlägt einem auch in „Rockstar“ entgegen, wenn Hakan Ysufoglu den bizarr aufgekratzten Gitarrensound auftürmt und Marco Leonhardts Keyboard aufblitzt wie bei einem Gewitter.

Das ist aber lange noch nicht alles. 7ty Proof finden nämlich die richtige Balance zwischen Harmonie und Angriff. Mit Balladen wie „Goodbye“, „Out Of My Tears“ oder „So Long“ begibt sich die Band in hypnotische Sphären. Da weist Andy Braun eindrücklich nach, dass er doch nicht vom Teufel besessen ist. Richtig einfühlsam intoniert er da, ohne ins Sentimentale zu fallen. Weil er vibratolos singt und seine Stimme einen hohen individuellen Wiedererkennungswert hat. Und Brauns Begleiter, besonders der Pianist, spielen mit Herz und Seele und bilden den gefühlsseligen Rahmen für Brauns Gesang. Toller, satter Sound.

So gründet sich der Silberling auf einer geschickten Kombination von eingängigen Balladen und Up-Tempo-Titeln. Insgesamt dokumentiert das Spiel der Formation eine erhebliche stilistische Bandbreite.

Infos

—CD-Tipp: 7ty Proof: „Rock ’n’ Roll Will Never Die“, limitiert auf 500 Kopien. Erwerben kann man die Doppel-CD bei Chris Strasser, Telefon 0160/6267018.

 

—Konzert: 7ty Proof geben am 31. Dezember eine große Silvesterparty mit Buffet im Irish House. Einlass ist ab 19 Uhr; Infos: www.kunstgriff-event.de.

 

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