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Dienstag, 19. März 2019 Drucken

Pirmasens: Kultur Regional

Akustische Kinnhaken kampflustiger Chinesen

Vize-Weltmeister im Beatboxing drehen in der Konzerthalle auf dem Zweibrücker Flugplatz auf– Stimmenimitator ChloroPhil gibt den verrückten Affen

Von Patrick Göbel

Die Mundakrobaten von 4Xsample – Philippe Zeidler alias ChloroPhil (links) und Daniel Mandolini genannt Mando – vertonten in der Konzerthalle unter anderem einen Karatekampf nur mit Mund und Mikrofon .

Die Mundakrobaten von 4Xsample – Philippe Zeidler alias ChloroPhil (links) und Daniel Mandolini genannt Mando – vertonten in der Konzerthalle unter anderem einen Karatekampf nur mit Mund und Mikrofon . ( Foto: Moschel)

Bei Beatboxing und Rap kommt es besonders auf die Improvisation an – dass sie die drauf haben, das bewiesen 4Xsample am Samstagabend in der Konzerthalle auf dem Flugplatz mit Bravur. Gegen Ende sammelten sie persönliche Gegenstände der knapp 30 Zuschauer ein und machten daraus einen ganz eigenen Rap. Comedy-Elemente, Emotion, Abwechslung – dafür sorgten Mando und ChloroPhil und rissen die Zuschauer in einer unterhaltsamen Show mit.

„4Xsample sind hier, wir sind’n Zweierteam, you know, wir beide, wir kommen aus Berlin“, rappt ChloroPhil alias Philippe Zeidler zu flottem Beat. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, denn um 22 Uhr beginnen die beiden Beatboxer mit dem bemerkenswertesten Teil ihres Programms. Rapper Jermaine Dobbins assistiert. Der Nürnberger sorgt mit seinem Rap für Begeisterung und erzählt immer ein bisschen vor seinen Liedern. Er rappt meist auf Deutsch, einzig das berührende Lied „Love“ ist in englischer Sprache.

Harte Schale, weicher Kern – das scheint bei Jermaine Dobbins zu stimmen. In seinem Sprechgesang spielen aufeinander zugehen, Respekt, Toleranz und Liebe eine große Rolle. „Es ist die Kraft meines Vaters, die mich treibt“, rappt er. Oder „Ich schieße mit Liebe, nicht mit Waffen“.

Die Beatboxer von 4Xsample haben das Publikum schnell auf ihrer Seite. Obwohl nur rund 30 Zuschauer gekommen sind, ist die Stimmung gut. Mit so wenig Publikum hätte wohl niemand gerechnet – sind die Musiker doch mehrfach ausgezeichnet und nicht nur in ihrer Heimatstadt Berlin bekannt. „2015 haben wir bei der Beatbox-Weltmeisterschaft den Vize-Weltmeistertitel nach Deutschland geholt“, erzählt der in Bonn, später in Berlin, aufgewachsene Mando alias Daniel Mandolini sichtlich stolz. Hierzulande sind sie das erfolgreichste Beatbox-Duo.

Die beiden lassen sich von den wenigen Zuschauern nicht irritieren und verbreiten ausgelassene, man könnte schon fast sagen, geile Stimmung. Affengeil? Ja, denn der Stimmenimitator ChloroPhil ist ein Meister der Vokalakrobatik und lässt es sich nicht nehmen, einen Affen zu mimen – akustisch und visuell, denn auch seine Gestik und Mimik gleicht der eines überdrehten Primaten, der unbedingt aus seinem Käfig rausgelassen werden will.

Die beiden sorgen zunehmend für Begeisterung und bekommen viel Applaus. Auch ihre Version von den kampflustigen Chinesen – dazu setzen sie sich einen roten, spitz zulaufenden Hut auf – sorgt für viele Lacher. Schon ihre Geräusche beim Aufwärmen der typischen Karatekampftechniken sind legendär. Dann geht alles ganz schnell: Mando tritt mit dem Fuß auf und erzeugt nur mit dem Mund einen lauten, erschütternden Knall. Zurück gibt’s einen Kinnhaken von ChloroPhil, und wieder ertönt ein erstaunlich echt klingendes Geräusch. Vielleicht sollten sie die nachbearbeiteten Geräusche in Filmen erzeugen – und das nur mit ihrem Mund, denn da haben sie mehr drauf, als andere auf drei Instrumenten. Im folgenden Kampf beherrschen die beiden den Spagat zwischen coolen Bewegungen, herausragender Akustik und der Komik, die bei ihrer lustigen Darbietung aufkommt.

Eine ihrer Glanzleistungen liefern sie mit dem Improvisations-Rap über die Gegenstände der Zuschauer. So rappt ChloroPhil, als er ein Taschentuch aus dem von Jermaine präsentierten Hut zieht, in dem die Sachen zuvor gesammelt wurden: „Ey, Diggi, Jermaine, was haste da? Alles okay, hab ich dich verletzt? Ey Digga, beruhig dich mal, nimm ein Taschentuch und denk noch mal – nach, bevor dir irgendwas passiert. Und wenn du jemals deine Tränen verlierst – oder deine Schminke verschmiert – dann ist dit halt nicht passiert.“

Vor Jermaine Dobbins ließen noch drei andere Rapper die Zuschauer warmlaufen: Teifer alias Tobias Stift, Dan-L alias Daniel Staub und Domeed alias Dominic Schmitt sorgten für den Gangsta-Rap. Aber auch sie überraschten mit guten Texten und sorgten für tolle Momente.

Spontanität vom Feinsten, coole Gags und darüber hinaus ein abwechslungsreiches Programm – das waren 4Xsample. Sie haben gezeigt, dass Beatboxing nicht einseitig ist – im Gegenteil: Ihre Darbietung entlud sich in einem Feuerwerk der Wortakrobatik, sodass man am Ende mit offenem Mund zurückblieb.

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