Rheinland-Pfalz Sommertrend: Schnelles Geld per Schockanruf
Die Polizei – und die Bevölkerung – sind weiterhin mit ständig neuen Wellen von Telefonbetrug konfrontiert, der besonders ältere Menschen als Opfer ins Visier nimmt. Im Juli wurde in Rheinland-Pfalz eine Welle mit Fallzahlen im mittleren dreistelligen Bereich registriert, „fünf- oder sogar sechsstellige Schadenssummen (pro Fall) sind hierbei keine Seltenheit“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemeldung von Landeskriminalamt (LKA) und Verbraucherzentrale.
Die Wellen entstehen nach Recherchen der RHEINPFALZ am SONNTAG dadurch, dass organisierte Banden sich von Callcentern im Ausland aus – in Polen, der Türkei, wohl auch in Großbritannien – phasenweise auf bestimmte Regionen konzentrieren, wo schon „Abholer-Teams“ warten und mit den Menschen in Kontakt treten, die Geld oder Wertsachen übergeben. Telefonbetrug, so das LKA, bleibe „ein bevorzugtes Mittel krimineller Banden, um insbesondere ältere Menschen unter Druck zu setzen und zu betrügen“.
Die miesen Tricks – und die Tipps des LKA
Die Täter agieren mit unterschiedlichen Tricks, die alle auf eines abzielen, das schnelle Geld. Zu den häufigsten Betrugsmaschen zählen:
Falsche Polizisten: Die Anrufer geben sich als Polizeibeamte aus und behaupten, das Zuhause des Angerufenen sei Ziel eines geplanten Einbruchs. Um die Wertsachen „in Sicherheit“ zu bringen, fordern sie zur Übergabe von Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände an vermeintliche zivile Polizisten auf, die persönlich vorbeikommen. Die Betroffenen sollen in dem Glauben handeln, sie kooperieren mit der Polizei – tatsächlich übergeben sie ihre Wertsachen direkt an die Täter.
Enkeltrick/Messenger-Betrug: Die Täter melden sich per Telefon oder Messenger-Dienst (beispielsweise WhatsApp) und geben sich als Enkel, Tochter, Neffe oder ein anderer Verwandter aus. Sie behaupten, in einer akuten finanziellen Notlage zu sein – etwa wegen eines Unfalls, einer Rechnung oder einer dringenden Anschaffung – und bitten um schnelle finanzielle Hilfe.
Schockanruf: Die Betrüger täuschen eine dramatische Ausnahmesituation vor – meist einen schweren Unfall oder ein Verbrechen, das angeblich ein nahes Familienmitglied verursacht hat. Um eine angebliche Inhaftierung oder Anklage abzuwenden, wird eine hohe Kaution gefordert.
Falsche Bankmitarbeiter: Die Betrüger täuschen eine unrechtmäßige Abbuchung vor und fordern zur Bestätigung einer pushTAN auf. In anderen Fällen wird unter einem Vorwand die Abholung der Bankkarte inklusive PIN organisiert – mit gravierenden finanziellen Folgen für die Betroffenen.
Die Tipps des LKA zum Schutz vor Telefonbetrug lauten: Beenden Sie verdächtige Anrufe sofort. - Die Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an. Geben Sie niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte. Kontaktieren Sie Angehörige oder Ihre Bank ausschließlich über bekannte Nummern – niemals über die Rückrufnummer. Bestätigen Sie keine pushTAN-Anfragen ohne Überprüfung. Geben Sie niemals Ihre PIN weiter – weder am Telefon noch persönlich. Stellen Sie gezielte Fragen, die nur echte Familienangehörige
beantworten können. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, wenn Sie betrogen wurden.
