FCK „Brief- und Rücktrittsaffäre“ – Strafanzeige eingegangen [aktualisiert 20.01 Uhr]

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[aktualisiert, 20.01 Uhr, mit Reaktion Wolfgang Erfurts] Die heftige Kritik und der Rücktritt des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Koblischeck auch im Zusammenhang mit einem internen „Brandbrief“ des freigestellten Sportdirektors Boris Notzon halten zumindest das Umfeld des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern weiter in Atem.

Bei der Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken ist an diesem Dienstag eine Strafanzeige einer Privatperson gegen unbekannt eingegangen. Das bestätigte Generalstaatsanwalt Martin Graßhoff der RHEINPFALZ. Der Anzeigende erhebe in der Strafanzeige „den Vorwurf, dass Funktionsträger des 1. FC Kaiserslautern gegen Vorschriften des Aktiengesetzes verstoßen haben“.

Koblischeck: „Anzeige nicht von mir“

Die Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken werde die Strafanzeige entsprechend der Zuständigkeit an die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern abgeben. Diese werde prüfen, ob sich aus dem Inhalt der Strafanzeige „ein Anfangsverdacht für das Vorliegen von Straftaten“ ergebe. Koblischeck betonte im Gespräch mit der RHEINPFALZ am Dienstagnachmittag, von ihm sei die Strafanzeige nicht ausgegangen. „Mit meinem Rücktritt ist die Sache für mich erledigt“, sagte der 61-Jährige, „ich will nicht nachkarten, solange das vom FCK niemand tut.“

Noch keine inhaltliche Prüfung erfolgt

Eine inhaltliche Prüfung der Strafanzeige durch die Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken habe nicht stattgefunden, informierte Generalstaatsanwalt Graßhoff.

Nur einen Monat nach seiner Wahl in den FCK-Aufsichtsrat als einziger Neuer war Koblischeck am Freitag zurückgetreten. Als Grund führte er unter anderem „angetroffene und fortgeführte Verhaltensmechanismen diverser Gremien im Verein“ an. „Dabei handelte es sich um Vorgänge“, schrieb Koblischeck, „die ich weder mit meinem gelebten Werteverständnis noch mit meinem Verständnis von Recht und Gesetz in Einklang bringen kann.“

Zu starke Einmischung?

In einem auf 23. Februar, drei Tage vor der Jahreshauptversammlung des Vereins, datierten internen, aber nun öffentlich gewordenen Kritik-Brief hatte der am 10. März freigestellte Sportdirektor Notzon allerlei Vorwürfe erhoben. So hätten sich die Aufsichts- und Beratungsgremien des Klubs sowie Investoren „in einem zu starken Maß in das operative Geschäft“ eingebracht. Unter anderem hatte Aufsichtsrats- und Beiratssprecher Markus Merk am 31. Januar öffentlich gesagt, die „Cheftrainersuche wird nicht mehr in der Hand von Boris Notzon liegen“. Den Medien präsentiert wurde der neue Cheftrainer Marco Antwerpen nicht vom Sportdirektor oder von der Geschäftsführung, sondern vom Beirat der Profifußball-Kapitalgesellschaft. Die Profisparte firmiert seit 2018 als 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Daher greift für den FCK zum Teil auch das Aktiengesetz. Der Beirat der Kapitalgesellschaft FCK Management GmbH ist zum Teil personengleich mit dem von den Vereinsmitgliedern gewählten e. V. – der Aufsichtsrat entsendet Personen aus seinem Kreis in den Beirat.

Am Montagabend hatte der Vorstand des FCK e. V. mitgeteilt: „Der in der Öffentlichkeit entstandene Eindruck, der FCK beabsichtige keine juristische Klärung, ist nachweislich falsch.“ Der Vereinsvorstand erklärte: „Der Vorstand hat Bernhard Koblischeck am Donnerstag, 25. März, also einen Tag vor seiner Amtsniederlegung, per Mail mitgeteilt, dass der Inhalt des Schreibens von Boris Notzon inhaltlich weiter aufgearbeitet und von einer neutralen und fachlich geeigneten Kanzlei juristisch bewertet werden wird. Die Entscheidung, das Schreiben von Boris Notzon juristisch prüfen zu lassen, erfolgte mit Zustimmung von Aufsichts- und Ehrenrat.“

Koblischeck: Kein Mail-Eingang vom FCK

Koblischeck betonte indes am Dienstagnachmittag: „Am Donnerstag, 25. März, einen Tag vor meiner Amtsniederlegung, habe ich keinen einzigen Mail-Eingang, weder von einem Gremienmitglied noch von einer sonstigen Person des 1. FC Kaiserslautern, zu verzeichnen.“ Koblischeck schrieb, er weise die Aussagen des Vorstandes entschieden zurück.

FCK-Vorstandsvorsitzender: Mail doch erst am 26. verschickt

Wolfgang Erfurt, der Vorstandsvorsitzende des FCK e. V. , hat am Dienstagabend im RHEINPFALZ-Gespräch eingeräumt, dass die Datumsangabe in der Stellungnahme vom Montagabend ein Versehen des FCK-Vorstands war. „Es war ein Zahlendreher, das bitten wir zu entschuldigen. Die Mail habe ich am 26. März um 11.31 Uhr verschickt“, sagte Erfurt der RHEINPFALZ. Koblischecks Rücktrittsmail sei dann am 26. März um 11.39 Uhr bei den FCK-Gremien eingegangen. Der Inhalt von Erfurts Mail von Freitag entspreche jedoch nicht der Vorstandsaussage von Montagabend, sagte Koblischeck.

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