Trier Bewegendes Gedenken in Trier - „Nichts kann diese Tat rechtfertigen“

Ein Kranz der Stadt Trier liegt am Morgen nach der Amokfahrt mit fünf Toten in Trier an der Porta Nigra. Zahlreiche Menschen ged
Ein Kranz der Stadt Trier liegt am Morgen nach der Amokfahrt mit fünf Toten in Trier an der Porta Nigra. Zahlreiche Menschen gedenken hier der Opfer der Amokfahrt eines 51-jährigen Mannes durch die Innenstadt.

Bei einem bewegenden Gedenken am Trierer Wahrzeichen Porta Nigra haben Hunderte Menschen der Opfer der Todesfahrt in der Mosel-Stadt gedacht. Zahlreiche Kerzen und Blumen an dem früheren römischen Stadttor erinnerten am Mittwoch an die 5 Toten und 14 Verletzten. „Trier trauert, Trier leidet, Trier resigniert aber nicht“, sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

Gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer legte er Kränze nieder. „Wir trauern mit den Angehörigen der Toten, und wir beten für die Verletzten“, sagte Dreyer. „Ein Leben lang werden sie die Folgen tragen müssen dieser vier tödlichen Minuten.“ Die Regierungschefin, die selbst in Trier wohnt, sprach von einem traurigen Tag. „Eine Nacht hat nicht geholfen. Keiner von uns hat sich jemals vorstellen können, dass so etwas hier passieren könnte.“ Kein Wort könne das Leid der Betroffenen lindern, sagte die SPD-Politikerin. „Nichts, wirklich gar nichts kann diese brutale und schreckliche Tat rechtfertigen.“

„An den Grenzen des Zumutbaren“

Oberbürgermeister Leibe sagte, die Rettungskräfte seien an die Grenze dessen gekommen, „was man Menschen zumuten kann“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe ihm telefonisch zugesichert, dass er mit der Stadt fühle. Leibe kündigte an, dass die Stadt an diesem Donnerstag um 13.46 Uhr noch einmal an alle Opfer erinnern wolle. Dann sollen auch die Kirchenglocken läuten, sagte der SPD-Politiker.

Bisher ist nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) kein Bekennerschreiben des Amokfahrers von Trier gefunden worden. Bei der Aufklärung komme es nun auf die Vernehmungen und die Bereitschaft des Tatverdächtigen an, seine Motive offenzulegen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im Deutschlandfunk. Vielleicht mache der 51-Jährige Angaben. „Wir hoffen es.“

Derzeit gingen die Ermittler davon aus, dass der Amokfahrer ohne jeglichen organisierten Hintergrund gehandelt habe. Es gebe auch weiter keine Hinweise auf ein politisches Motiv.

Hinweise auf psychische Erkrankung des Täters

Zu den Inhalten der Aussage des Tatverdächtigen machte die Polizei bislang keine Angaben. Der 51-Jährige sollte am Vormittag einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung des Mannes. Die Justizbehörde muss daher noch entscheiden, ob sie Untersuchungshaft beantragt oder die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Mann mit einem PS-starken Geländewagen am Dienstagnachmittag gezielt Menschen in der Trierer Fußgängerzone überfahren. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby. 14 Menschen wurden verletzt.

Alle getöteten Opfer waren aus Trier

Bekannt wurde inzwischen, dass der 45-jährige Mann, der bei der Amokfahrt getötete wurde, der Vater des neun Wochen alten Mädchens war, das durch die Tat ums Leben gekommen ist. Neben der Ehefrau und Mutter des Kindes sei zudem auch ein eineinhalb Jahre alter Sohn der Familie verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei Trier in der Nacht zum Mittwoch mit. Zuvor hatte sie das Alter des jüngeren Geschwisterkinds fälschlicherweise mit neun Monaten angegeben. „Alle getöteten Opfer waren Menschen aus Trier, die in der vorweihnachtlich geschmückten Trierer Fußgängerzone unterwegs waren“, hieß es in der Polizeimitteilung.

Eine Amokfahrt wie in der Trierer Innenstadt lässt sich nach den Worten des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) nur schwer verhindern. „Wenn das Auto zur Mordwaffe wird, dann ist es schwierig zu sagen als Staat, das können wir zu 100 Prozent unterbinden. Nein, das können wir nicht“, sagte er am Mittwoch. „Wie wollen Sie etwas verhindern, wenn ein Mensch sich entscheidet, sich ins Auto zu setzen und gezielt Menschen anzugreifen.“