Mittelhaardt
Zwischen Plopsaland und BASF: So steht es um die Wirtschaft an der Mittelhaardt
Herr Holaus, die Tischrunde Mittelhaardt ist ein noch recht neues Format. Was steckt hinter der Idee?
Die Tischrunden sind ein wichtiges Instrument der IHK Pfalz, um Wirtschaft, Politik und Verwaltung enger zusammenzubringen. Die Grundidee ist einfach: Unternehmerinnen und Unternehmer sollen direkt sagen können, wo sie Probleme sehen, was sie beschäftigt und was sie brauchen. Und daher adressiert die Tischrunde auch aktiv führende kommunale Vertreter und Wirtschaftsförderer, also genau diejenigen, die vor Ort etwas bewegen können. Für uns als IHK ist das sehr wertvoll, weil wir diese Themen aufnehmen und gebündelt weitertragen können, etwa auf Landes- oder Bundesebene. Aber genauso wichtig ist der unmittelbare Austausch vor Ort. Viele Dinge lassen sich schneller klären, wenn man sich persönlich kennt und regelmäßig spricht.
Wie fügt sich die Mittelhaardt in dieses Netzwerk ein?
Die Mittelhaardt war gewissermaßen ein weißer Fleck, den wir schließen wollten. Unser Ziel ist es, möglichst flächendeckend solche Tischrunden anzubieten, sowohl in Städten als auch in ländlich geprägten Regionen. Die Mittelhaardt ist dabei ein besonders spannendes Gebiet: geografisch weitläufig und wirtschaftlich sehr heterogen. Es reicht vom Raum Grünstadt, über Bad Dürkheim und Wachenheim bis nach Haßloch. Entsprechend vielfältig ist auch die Unternehmenslandschaft, von Weingütern über Gastronomie und Handel bis hin zu Industrie, Dienstleistern und Finanzinstituten. Genau diese Mischung macht die Gespräche so wertvoll.
Die jüngste Tischrunde fand im Plopsaland in Haßloch statt. Was waren die wichtigsten Botschaften, die Sie mitgenommen haben?
Zum einen die Atmosphäre: Wir hatten rund 75 Teilnehmer, das ist für eine junge Runde ein sehr starkes Signal. Dass wir diesmal auch Mitglieder anderer Tischrunden einbinden konnten, hat zusätzliche Dynamik gebracht. Inhaltlich war der Abend bewusst breit angelegt. Einerseits hat Bernd Beitz, Deutschland-Direktor von Plopsa, die Entwicklung vom Holiday Park zum Plopsaland erläutert, also ein Beispiel für Investitionen, Markenstrategie und Standortentwicklung. Da wurde sehr anschaulich, wie stark solche Entscheidungen Nachfrage und wirtschaftliche Impulse beeinflussen können. Auf der anderen Seite stand das Thema Transformation mit einem Beitrag der BASF. Dieser Kontrast war spannend: Freizeitwirtschaft auf der einen Seite, Industrie auf der anderen. Aber beide stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Und beide sind darauf angewiesen, dass Rahmenbedingungen verlässlich und Prozesse handhabbar sind.
Sie sprechen die Rahmenbedingungen an. Wo drückt derzeit der Schuh am meisten?
Ein Dauerbrenner ist ganz klar die Bürokratie. Viele Unternehmer berichten, dass Verfahren zu lange dauern oder zu komplex sind. Das betrifft Genehmigungen, Förderprogramme, teilweise auch ganz alltägliche Abläufe. Gerade wenn wir über große Themen, wie Transformation oder Energiewende sprechen, wird das besonders deutlich. Diese Veränderungen gelingen nur, wenn Prozesse funktionieren. Wenn sich Projekte über Jahre hinziehen oder immer neue Hürden entstehen, bremst das Investitionen aus. Es geht dabei nicht darum, Regeln komplett abzuschaffen. Aber Verfahren müssen effizienter werden. Sonst verlieren wir an Wettbewerbsfähigkeit.
Welche Rolle spielen die Kommunen dabei?
Eine sehr große. Wirtschaftsförderung ist ein entscheidender Faktor für die Attraktivität eines Standorts. Wir sehen in der Region allerdings ein sehr unterschiedliches Bild. Es gibt Kommunen, die sehr aktiv sind, gut vernetzt und mit konkreten Angeboten arbeiten. Ein Beispiel sind gemeinsame Sprechtage für Gründer und Unternehmen, wie sie etwa in Grünstadt und im Leiningerland angeboten werden. Das sind niedrigschwellige, praktische Unterstützungen, die wirklich ankommen. Auf der anderen Seite gibt es auch Kommunen, in denen das Thema weniger stark ausgeprägt ist – oft aus Kapazitätsgründen. Da ist sicherlich noch Entwicklungspotenzial vorhanden.
Wie steht es aktuell um die wirtschaftliche Lage in der Region Mittelhaardt?
Die Lage ist gemischt. Es gibt keine einheitliche Entwicklung, sondern sehr unterschiedliche Situationen je nach Branche. Gastronomie und Hotellerie stehen weiterhin unter Druck – nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen des Fachkräftemangels. Der Handel kämpft mit Kaufzurückhaltung und strukturellen Veränderungen. Viele berichten von rückläufigen Umsätzen, zumindest in den ersten Monaten dieses Jahres. Im verarbeitenden Gewerbe spielen zusätzlich internationale Faktoren eine Rolle: geopolitische Unsicherheiten, Exportabhängigkeit, schwankende Märkte. Das größte Problem ist oft die fehlende Planbarkeit. Unternehmen können schwer einschätzen, wie sich Rahmenbedingungen entwickeln, und das hemmt Investitionen.
Gibt es dennoch positive Entwicklungen?
Ja, durchaus. Ein Bereich, in dem wir aktuell Bewegung sehen, ist die Gründung. Wir registrieren wieder mehr Anfragen, etwa zu Gründungszuschüssen oder Finanzierungsmöglichkeiten. Auch Bürgschaftsanfragen nehmen zu, was darauf hindeutet, dass investiert wird. Unsere Beratungsangebote werden stark genutzt, von klassischen Gründungsberatungen bis hin zu Sprechtagen mit Steuerberatern oder Rechtsanwälten. Das zeigt: Es gibt weiterhin unternehmerischen Mut und Ideen. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.
Wenn wir in einem Jahr noch einmal sprechen: Was müsste passiert sein, damit Sie sagen, die Region ist wirtschaftlich vorangekommen?
Ich würde mir wünschen, dass wir Fortschritte bei den Prozessen sehen: weniger Bürokratie, schnellere Verfahren, klarere Zuständigkeiten. Und ich hoffe, dass wir weiterhin positive Signale bei Gründungen und Investitionen haben. Wenn es uns gelingt, bestehende Unternehmen zu halten und gleichzeitig neue zu gewinnen, dann ist das ein gutes Zeichen. Am Ende geht es um Vertrauen: Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass sich Engagement lohnt. Wenn dieses Vertrauen wächst, entwickelt sich auch die Region weiter.