Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Hoffen und Bangen: „Neustadter Vokalensemble“ singt am Sonntag in der Stiftskirche

Chorwerke des 20. und 21. Jahrhunderts bilden neben Alter Musik den zweiten Schwerpunkt des von Bezirkskantor Simon Reichert gel
Chorwerke des 20. und 21. Jahrhunderts bilden neben Alter Musik den zweiten Schwerpunkt des von Bezirkskantor Simon Reichert geleiteten »Neustadter Vokalensembles«. Beim nächsten Konzert wagt sich der Kammerchor a-cappella unter anderem an die hochanspruchsvolle Motette »Friede auf Erden« von Arnold Schönberg.

Mit dem „Neustadter Vokalensemble“ und einem anspruchsvollen A-Cappella-Programm eröffnet Bezirkskantor Simon Reichert kommenden Sonntag das Konzertjahr in der Neustadter Stiftskirche. Im Zentrum steht Arnold Schönbergs aufrüttelnde Motette „Friede auf Erden“. Gast an der Orgel ist Thomas Lennartz, Titularorganist an der Dresdener Kathedrale St. Trinitatis .

Es ist das letzte Konzert des Weihnachtszyklus und zugleich der Auftakt des musikalischen Reigens 2025 in der Stiftskirche, und das gut 20 Stimmen starke „Neustadter Vokalensemble“ stellt sich dabei erneut mit einer seiner Kernkompetenzen den kritischen Ohren des Publikums. Denn neben Alter Musik, präsentiert in historisch informierter Aufführungspraxis, widmet sich der vornehmlich aus Musikstudierenden oder -lehrenden und vokal ausgebildeten Laien rekrutierte Kammerchor vornehmlich Werken des 20. und 21. Jahrhunderts.

Im Zentrum der vielschichtigen Werkfolge rückt die titelgebende Motette „Friede aus Erden“ noch einmal den 2024 begangenen 150. Geburtstags ihres Schöpfers Arnold Schönberg in den Fokus. Komponiert auf eine Versfolge des Schweizers Conrad Ferdinand Meyer ist Schönbergs op. 13 wohl seine letzte quasi tonale Komposition, auch wenn im Zentrum der zweiten Strophe mit ihrem kriegerischen Rückblick die Themen schmerzhaft dissonant werden.

Zwar wollte Schönberg den reinen A-Cappella-Charakter des Werks gewahrt wissen (so wie es auch heute in der Regel musiziert wird), aber für die Wiener Uraufführung 1911 hatte der Komponist auf Bitten des künstlerischen Leiters Franz Schreker einen stützenden Orchestersatz gefertigt. Denn die Partitur erwies sich gesangstechnisch als gewaltige Herausforderung und ist es bis heute, auch wenn das Werk mittlerweile längst zum Kanon professioneller Ensembles zählt. Inhaltlich pendelt die Motette zwischen Weihnachtsbotschaft, Kriegsbrutalität und unbeirrbarer Hoffnung auf Frieden. Und erreicht dadurch derzeit eine geradezu beklemmende Aktualität. Musikalisch bebildert Schönberg das aufreibende Sujet im krassen Wechsel von Dur und Moll, homophoner und polyphoner Satztechnik, mal konsonant, mal dissonant, rhythmisch aufgeladen zudem, und von den ausführenden Vokalisten fordert er gewaltige Tonumfänge und dynamisch alles, was an Randextremen möglich ist.

Auch alle übrigen Werke des Abends stehen im direkten Bezug zur Weihnachtsbotschaft. Da ist etwa der englische Lobgesang „Ize Cherubimi“ des bedeutenden polnischen Komponisten Krystof Penderecki. Oder die Komposition „Stars“ des 1977 geborenen Letten Erik Esenvalds, deren chorische Ausrichtung durch den effektvollen Einsatz einer Glasharfe erweitert wird. Als Hommage an Penderecki bezeichnet Simon Reichert die Motette „O magnum mysterium“ des Finnen Jaakko Mäntyjärvi, „wobei dieses Stück allerdings auch eine ganz eigene tiefgründig finnische Färbung aufweist.“ Vom 2020 verstorbenen Pepping-Schüler Heinrich Poos erklingt mit seiner „Magnificat“-Erzählung eine eindrucksvolle marianische Vision: Kraftvoll lautmalerisch werden hier die Gewaltigen vom Thron gestürzt, die Niedrigen erhöht. Sehr intim wirke im Kontrast dazu das „Nunc dimmitis“ von Arvo Pärt.

Teils begleitend, teils als Solist wirkt an der Edskes-Orgel Thomas Lennartz mit. Der vielfach preisgekrönte Konzertorganist ist seit 2008 Organist an der ehemaligen Hofkirche Dresden (heute St. Trinitatis) mit ihrer bedeutenden Silbermann-Orgel. Zugleich unterrichtet er Orgelspiel an der Leipziger Musikhochschule und ist dort auch Direktor des Kirchenmusikalischen Instituts.

Termin

„Friede auf Erden“, Sonntag, 12. Januar, 18 Uhr, in der Stiftskirche Neustadt. Karten in der Buchhandlung Quodlibet in Neustadt.

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