Handball
Zwei junge Diedesfelderinnen spielen um EM-Titel
Jette Dürk und Annika Kutschera stammen aus der Jugend des TV Kirrweiler. Sie sind inzwischen für die Bundesligisten HSG Bensheim-Auerbach und Borussia Dortmund am Ball, wurden für die Handball-EM der weiblichen U17 in Podgorica in Montenegro nominiert. Die ehemalige pfälzische Vereinszugehörigkeit ist nicht ihre einzige Gemeinsamkeit.
Ihre Koffer haben sie schon am Wochenende gepackt, gestern folgte die Anreise mit der Deutschen Bahn von Mannheim nach Dortmund. Und heute geht es per Flug nach Montenegro. Mittendrin im 18-köpfigen Aufgebot von Bundestrainer Gino Smits sind Jette Dürk und Annika Kutschera. Sie sind nicht die einzigen pfälzischen Talente, die der Deutsche Handball-Bund (DHB) für die Europameisterschaften der weiblichen U17 in den kommenden zwei Wochen nominiert hat. Mit Mira Bender (Albersweiler) und Louisa Werner (Dirmstein) tragen sie den bundesdeutschen Adler auf der Brust und sind im Quartett zum Treffpunkt nach Westfalen gereist. Es ist für alle der erste sportliche Höhepunkt in der noch jungen Karriere.
Zwei und vier Länderspiele
Auf der Europameisterschaft in Podgorica treffen die pfälzischen Mädchen mit der Nationalmannschaft der weiblichen U17 in der Vorrunde auf Nordmazedonien, Portugal und die Slowakei. Über die Stärken der ersten drei Gegner haben sich Jette Dürk und Annika Kutschera noch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Zunächst sind sie froh, dass sie nominiert wurden. „Ich habe damit nicht gerechnet, deshalb ist die Freude umso größer“, erzählt Jette Dürk. Nicht anders ist es bei Annika Kutschera. „Es ist schon etwas Besonderes, das erste große Turnier bestreiten zu dürfen“, sagt Kutschera. Bisher habe sie erst zwei Länderspiele bestritten. Dürk dagegen schon vier. Aber sie überzeugten im jüngsten Test vor einer Woche innerhalb eines Lehrgangs gegen Dänemark und sicherten sich die Tickets für die EM.
European Olympic Youth Festival oder EM?
Dabei hatten sie auch die Chance, mit einer U17-Auswahl des DHB beim European Olympic Youth Festival (EYOF) in Skopje dabei zu sein. Aber Bundestrainer Gino Smits entschied sich bei den pfälzischen Mädchen für eine EM-Teilnahme. Dass die deutsche weibliche U17 am vergangenen Samstag im Endspiel die Schweiz besiegt und die Goldmedaille geholt hat, sorgte auch für Freude bei Dürk und Kutschera. „Ich habe mich sehr für die anderen gefreut. Auch wir wollen bei der EM zeigen, dass wir um die Medaillen spielen können“, sagt Jette Dürk. Kutschera ließ durchblicken, dass sie auch gerne beim EYOF dabei gewesen wäre: „So ein wenig das Flair von Olympia zu erleben, wäre auch toll.“ Trotzdem ist sie auf die nächste Aufgabe fokussiert. „Ich möchte schon zeigen, was ich kann, aber auch viel Spaß dabeihaben“, erzählt Kutschera und zeigt sich zuversichtlich, dass sich die DHB-Auswahl in Montenegro von der besten Seite präsentieren wird.
Dürk die Jüngste
Davon ist auch Jette Dürk nach den beiden Auftritten gegen Dänemark vor Wochenfrist überzeugt. Die 15-Jährige ist nicht nur die jüngste Spielerin im Kader des Deutschen Handball-Bundes (DHB), sondern besetzt gemeinsam mit Annika Kutschera auch die Position auf der linken Außenbahn. Das ist aber nicht die einzige Gemeinsamkeit.
Denn beide haben ihre Anfänge bei Heike Nickel im TV Kirrweiler gemacht und leben mit ihren Familien in Neustadt-Diedesfeld. „Das ist schon verrückt“, stellt Jette Dürk fest. „Ich bin überzeugt, dass wir beide uns sehr gut auf dieser Position ergänzen“, überlegt Kutschera, die sich nach ihrer Ellenbogenverletzung wieder zur Bestform gefunden hat. Noch im vergangenen Jahr vertrat sie die deutschen Farben bei der Beach-Handball-EM und erreichte mit dem Team den fünften Platz. „Ich hätte gerne in diesem Jahr die WM gespielt, aber mein Fokus liegt jetzt in der Halle.“
Im Sportinternat
Seit Sommer vergangenen Jahres lebt die 17 Jahre alte Rechtshänderin im Internat des Frauen-Handball-Bundesligisten Borussia Dortmund und konzentriert sich neben der Schule ganz auf ihren Sport. Das ist bei Jette Dürk anders. Sie pendelt regelmäßig zum Training und zu den Spielen der HSG Bensheim-Auerbach nach Südhessen und lebt weiterhin bei ihren Eltern in Diedesfeld. „Ich komme mit der Situation gut zurecht. Meine Eltern unterstützen mich sehr“, erzählt die zierliche Flügelflitzerin, die im kommenden Schuljahr die zehnte Klasse am Leibniz-Gymnasium in Neustadt besucht.