Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zukunftsaufgabe Denkmalpflege: Das „Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz“ kommt zu seiner Frühjahrstagung nach Deidesheim

Wunderbares Anschauungsobjekt: Das 2014 durch einen Brand verwüstete Teehaus in Ruppertsberg wurde von 2017 an durch einen Förde
Wunderbares Anschauungsobjekt: Das 2014 durch einen Brand verwüstete Teehaus in Ruppertsberg wurde von 2017 an durch einen Förderverein mit viel Engagement ins Leben zurückgeholt.

Das DNK ist der zentrale Dachverband für Denkmalschutzfragen in Deutschland, angesiedelt beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ziemlich schlecht wäre es um viele Baudenkmale in der Republik bestellt, gäbe es nicht Fördervereine oder andere ehrenamtliche Initiativen, die sich mit großem bürger-schaftlichem Engagement um den Erhalt bemühen. Doch wie lange noch? Wie sieht es aus, wenn die „Boomer“ abtreten? Unter anderem um solche Fragen geht es Anfang nächster Woche bei einer Tagung des „Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz“ in Deidesheim.

„Zukunftsaufgabe Denkmalpflege – aktives Ehrenamt und lebendiges Bürgerengagement“ ist die Veranstaltung überschrieben, zu der auch eine Podiumsveranstaltung gehört, die am Montag, 23. März, ab 17.30 Uhr in der ehemaligen Synagoge stattfindet. Das „Deutsche Nationalkomitees für Denkmalschutz“ (DNK) ist der zentrale Dachverband für Denkmalschutzfragen in Deutschland, angesiedelt beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und versteht sich als Schnittstelle zwischen den Regierungen, den Verwaltungen und den Fachleuten, die im Bereich Denkmalpflege tätig sind. Die Deidesheimerin Birgit Franz, Professorin an der Fakultät Bauen und Erhalten der Fachhochschule Hildesheim und nebenbei auch Vorsitzende des Fördervereins Teehaus Ruppertsberg, gehört dem Gremium bereits seit 2013 als Vertreterin der Hochschullehrenden an. Auf ihre Initiative geht es jetzt auch zurück, dass die Tagung der DNK-Arbeitsgruppe „Fachliche Fragen der Denkmalpflege“, die immer im Frühjahr an einem anderen Ort in der Bundesrepublik stattfindet, diesmal in Deidesheim über die Bühne geht. Leipzig, Potsdam und Schloss Raesfeld im Münsterland waren die bis dahin letzten Schauplätze.

Hören, wo vor Ort ganz praktisch der Schuh drückt

Die Frühjahrstagungen seien immer auch dazu gedacht, die Ohren aufzumachen und sich über praktische Probleme vor Ort zu informieren, erklärt Franz. Die seien vielfältig – sei es dass die amtlichen Denkmalpfleger mit den engagierten Ehrenamtlern fremdelten und umgekehrt, sei es der Dschungel voller verwaltungstechnischer und juristischer Fallstricke. Und ein Problem zeichnet sich allerorten immer mehr am Horizont ab: der fehlende Nachwuchs. Das betreffe die Vereine, die zunehmend überalterten, genauso wie das Handwerk, dem es immer schwerer falle, junge Leute für das Thema Restaurierung zu begeistern.

Bei der von ihr organisierten Podiumsdiskussion, die den einzigen öffentlichen Teil der zweitägigen Veranstaltung darstellt, hat Franz darum besonders darauf geachtet, dass auch die Jugend vertreten ist. Eingeladen hat sie deshalb Lina Kraft, die sich – wie übrigens bemerkenswert viele junge Leute – nach der Flutkatastrophe im Ahrtal an einem Fluthilfecamp der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beteiligte. Die junge Frau kam schon als 18-Jährige aus Erfurt nach Bad Bergzabern, um eine Lehre in einem Kunstglaserbetrieb zu machen. Inzwischen studiert sie Konservierung und Restaurierung in Köln.

Vertreter aus Politik, Fachwelt und Ehrenamt diskutieren

Insgesamt wird es am Montagabend sogar zwei jeweils etwa halbstündige Podiumsrunden geben, in denen die Regionalpolitik ebenso vertreten sein wird wie gemeinnützige Vereine oder Projekte und Fachleute. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld wird ebenso teilnehmen wie Deidesheims Altbürgermeister und Ehrenbürger Manfred Dörr und Julian Seckinger, der gleichfalls noch recht junge Beigeordnete für Tourismus, Feste, Weinbau, Wald, Umwelt und Nachhaltigkeit. Mit Hans-Joachim Klein ist der Vorsitzende der Bürgerstiftung Haßloch zugegen, die den alten Festsaal der Brauerei Löwer reaktivierte und der unter anderem vielleicht davon berichten kann, was für Umstände es im deutschen Förderantragswesen mit sich bringt, wenn man eine Stiftung ist und kein Verein. Der Aktionskünstler Olaf Bergmann spricht für den Verein „Projekt 51“, der in Lachen-Speyerdorf sehr behutsam ein historisches Fachwerkhaus saniert. Als Praktiker sind Bernd Jäger und Diana Wetzestein mit von der Partie, er Geschäftsführer einer Firma für Baudenkmalpflege in Oberschwaben und Präsident der Bundesvereinigung „Restaurator im Handwerk“, sie Fachjournalistin für modernen und historischen Holzbau in Nordhessen. Beide sind auch Mitglieder der DNK-Arbeitsgruppe. Moderiert wird das Podium von Ulrike Plate, Landeskonservatorin in Baden-Württemberg. Einen Impulsvortrag hält Birgit Franz.

Ehrenamtliches Engagement stärken, Hemmnisse abbauen

„Ziel ist ein Erkenntnisgewinn zu den Bedürfnissen der ehrenamtlich engagierten in der Denkmalpflege“, unterstreicht sie. „Wie kann man deren Tätigkeit stärken und Hemmnisse abbauen.“ Dass es einen durchaus um den Schlaf bringen kann, wenn man als Vorsitzende eines Fördervereins seine Unterschrift unter einen Riesen-Bankkredit setzt, weiß sie aus eigener Erfahrung mit dem Teehaus Ruppertsberg, das nach dem Brand 2014 nur mit Hilfe des von ihr geleiteten Vereins gerettet werden konnte. Diskutiert werden sollten auch die Erfordernisse der Förderprogramme – beispielsweise die in der Regel nur mit dem Mindestlohn ansetzbaren Eigenleistungen, wodurch notwendige Eigenanteile nur schwerlich nachweisbar sind. Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage, wie projektorientierte Vorhaben abseits von festen Vereinsstrukturen ermöglicht werden könnten. In der Praxis sei das ziemlich schwierig, so die Professorin, „denn einer muss den Hut aufhaben“.

Weil das Teehaus in Ruppertsberg natürlich ein ganz wunderbares Anschauungsobjekt zu all diesen Fragen darstellt, werden die etwa zwei Dutzend Mitglieder der DNK-Arbeitsgruppe diesem vor der Abendveranstaltung einen Besuch abstatten. Alt-ortsbürgermeisterin Ursula Knoll wird sie dabei empfangen. Und übernachten werden alle ganz bewusst im Gästehaus Ritter von Böhl in Deidesheim, das sich im umfunktionierten Alten Spital befindet, einem Bau mit über 500-jähriger Geschichte.

Noch Fragen?

Die Podiumsdiskussion findet am Montag, 23. März, ab 17.30 Uhr in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim statt. Der Eintritt ist frei. Wegen des begrenzten Platzes ist jedoch Voranmeldung unter www.dnk.de/veranstaltung/zukunftsaufgabe-denkmalpflege obligatorisch. Archivfoto: Kai Mehn

Birgit Franz hat die Tagung nach Deidesheim geholt.
Birgit Franz hat die Tagung nach Deidesheim geholt.
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