Neustadt „Wir hatten noch nie so leckere Türstopper“

Der Advent ist die hohe Zeit des Glühweins – nur muss man ihn auch vertragen können.
Der Advent ist die hohe Zeit des Glühweins – nur muss man ihn auch vertragen können.

Der Showdown bis zum Fest läuft. Ein sicheres Zeichen da-für ist die derzeitige Kälte, bei der man sich genau überlegen muss, mit welchem Gesichtsausdruck man raus geht. Das bleibt dann nämlich so. Oder dass an Adventssonntagen nachmittags aus den gekippten Fenstern des Maternus-Seniorencentrums in Bad Dürkheim „Last Christmas“ herausschallt. Eigentlich geschmacklos, oder? Aber auch, dass Frauen wie ich den Dachboden entrümpeln und den ganzen Plunder in der Wohnung verteilen – wie mein Mann das Dekorieren nennt. Oder dass ich auf Wunsch meiner Tochter glutenfreie Plätzchen backe und er anerkennend sagt: „Wir hatten noch nie so leckere Türstopper ...“ Ich habe daraufhin dann Lebkuchen beim Aldi gekauft, dem Supermarkt, in dem die Vorweihnachtszeit im Auguzember beginnt. War aber auch wieder nicht richtig. Er wollte lieber Spekulatius. Ich hatte mich also wieder mal verspekuliert. Generell bietet die Vorweihnachtszeit ja immer und überall viel Stoff für Zoff. Beim Essen geht’s meist schon los. Meine Tochter will am Heilig Abend was Vegetarisches essen, worauf ihr Vater gereizt meinte: „Wir essen Fleisch. Basta! Du kannst ja den Baum essen.“ Wenn ich aber dann zu ihm sage „Dieses Jahr kümmerst du dich aber mal um die Gans“, dann kommt als Antwort: „Wieso? Ist doch deine Mutter ...“ Auch ein eindeutiges Zeichen, dass bald Weihnachten ist, sind die Weihnachtsmärkte, das „Wacken“ für Bürofachkräfte und Bankangestellte. Zum Beispiel der kleine vorm Engelhorn. Zuerst denkt man immer „Wie schön, endlich wieder Weihnachtsmarkt.“ Danach: „Wow, 5 Euro für einen Glühwein.“ Und nach einer halben Stunde: „Dem nächsten, der mich anrempelt, haue ich eine rein.“ Aber meist trinkt man dann doch lieber noch einen ... Und noch einen. Also ich meist so lange, bis ich sogar Sachen aus Filz toll finde ... Ich gehe aber normalerweise nur nach Feierabend hin … wegen der blöden Glühweinallergie. Ich bekomme vom Glühwein immer dicke Augen und Kopfschmerzen. Ich führe das aber nicht auf die Menge zurück, sondern darauf, dass er sich in Farbe, Opulenz, Aroma und Charakter nur in Nuancen vom Sagrotan-WC-Reiniger- Konzentrat „Hibiskusblüte“ unterscheidet. Mein Kollege geht aber auch gerne mal in der Mittagspause. Neulich hatte er danach eine solche Fahne, dass unser Chef meinte: „Sie wissen, dass trinken während der Arbeit verboten ist, oder?“ Worauf er ihn anlächelte und lallte. „Keine Sorge, Chef, ich arbeite nicht.“ Die Kolumne Die Deidesheimerin Anne Vogd gewann im April 2016 den SWR 3-Comedy-Förderpreis in Bad Dürkheim – für die gebürtige Rheinländerin war das der entscheidende Impuls, ihre Tätigkeit als Diplomkauffrau an den Nagel zu hängen und sich ganz auf Comedy und die „Fünfte Jahreszeit“ zu konzentrieren. Unter der Rubrik „Annes Welt“ veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig, was der 52-Jährigen so durch den Kopf geht.

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