Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wieso Schnelltests bei Erziehern nur begrenzt gefragt sind

Der Antigen-Schnelltest zeigt nach einer Viertelstunde das Ergebnis an.
Der Antigen-Schnelltest zeigt nach einer Viertelstunde das Ergebnis an.

Um das Infektionsrisiko in Kitas und Schulen zu minimieren, können deren Beschäftigte Schnelltests nutzen. Das Angebot ist kostenfrei und kann ohne Angaben von Gründen angenommen werden. Wieso in Neustadt der Ansturm auf den Abstrich dennoch ausbleibt.

Es herrscht wieder etwas Leben in den Neustadter Grundschulen. Die Lehrer unterrichten die Kinder seit Montag wechselweise in den Klassensälen, nachdem der Präsenzunterricht im Land kurz vor Weihnachten wegen des Infektionsgeschehens ausgesetzt wurde. Um das Ansteckungsrisiko im Schulalltag zu minimieren, gibt es neuerdings Antigen-Schnelltests für Beschäftigte der Einrichtungen, auch für Hausmeister und Mitarbeiter der Verwaltung. Es handelt sich um ein Angebot des Landes, das Kollegien aller Schularten kostenfrei und ohne Angaben von Gründen nutzen können. Der Ansturm auf die Anbieter von Schnelltests ist aber bislang ausgeblieben.

Es gibt zwar Lehrkräfte, die sich gleich am ersten Tag nach Wiedereröffnung der Grundschulen für einen Rachenabstrich entschieden haben. Das bestätigt etwa der Leiter der Eichendorffschule, Matthias Hartmann. Innerhalb von einer Viertelstunde konnten die Betroffenen erfahren, ob sie das Coronavirus in sich tragen. Endgültige Gewissheit liefert aber nach wie vor der PCR-Test mit anschließender Laborkontrolle, dessen Ergebnis allerdings meist nach mehr als einem Tag vorliegt.

Land setzt auf freiwillige Selbstkontrolle

Bevor sich das Personal auf Antigene untersuchen lassen kann, muss es bei der Schulleitung einen Berechtigungsschein abholen. Ruth Raach, Rektorin der Heinz-Sielmann-Schule, hat noch kein solches Papier ausgestellt. „Es müssen noch logistische Fragen geklärt werden“, teilt sie der RHEINPFALZ mit. Dabei müsse intern nicht nur geklärt werden, wie die Tests gemacht werden, ohne den Schulbetrieb zu beeinträchtigen. So haben manche Schnelltest-Stationen erst nach Ertönen der Schulglocke geöffnet. Auch soll geprüft werden, ob sich Beschäftigte eine regelmäßige Routinekontrolle vorstellen können. „Dann macht das Ganze auch einen Sinn“, so Raach. Dazu verpflichtet ist das Schulpersonal aber nicht, es ist eine freiwillige Maßnahme.

Beschäftigte von Kindertagesstätten können das Angebot bereits seit Ende Januar in Anspruch nehmen. Die Nachfrage nach den Schnelltests hält sich unter den Erziehern jedoch in Grenzen. Das hat die Stadtverwaltung mitbekommen, deren Fachbereichsleiter Alf Bettinger im Austausch mit den kommunalen Einrichtungen ist. Das berichtet André Willrich vom Stadtverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das in der Speyerdorfer Straße eine Schnelltest-Station betreibt: „Bislang nutzen in der Woche rund 20 Erzieher und Lehrer das Angebot.“ Am Marienhaus-Krankenhaus Hetzelstift hat sich am Montag nur eine Erzieherin testen lassen, heißt es von der Pressestelle auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Auf Umwegen zum Schnelltest

Dass es generell besser laufen könnte mit den Schnelltests, bestätigen Kita-Leitungen. Katrin Kobel, Leiterin des Pauluskindergartens, hat ihren Mitarbeitern zwar pauschal die Berechtigung für einen Schnelltest erteilt. . „Fest steht, dass das Prozedere für uns relativ umständlich ist“, sagt Kobel. Es scheine so zu sein, als ob das anlasslose Testen zügig über die Bühne gehen könnte. In der Realität sehe das aber anders aus.

„Die Mitarbeiter müssen sich jedes Mal bei mir melden. Ich selbst muss einen PC-Zugang haben, um den Schein auszufüllen. Zudem muss ich angeben, ob die Betroffenen als Kontaktperson zweiten Grades gelten, also einen Kontakt mit einem Infizierten hatten, oder es keinen Anlass gibt. Dann müssen sie einen Termin vereinbaren und zur Teststelle hinfahren“, sagt Kobel. Sie fände Schnelltest im Haus praktischer. „Eine Mutter, die von Beruf Krankenschwester ist, hatte angeboten, die Tests zu machen“, erzählt die Kita-Leiterin. Alternativ würde sich auch ihr Personal schulen lassen, damit das Angebot häufiger genutzt wird.

„Tests auf Kinder ausweiten“

Erst dann könnte laut Bettinger von einer Teststrategie gesprochen werden. Einem Rhythmus, der helfen soll, das Ansteckungsrisiko im Haus zu minimieren – sei es innerhalb des Schul- oder Kitagebäudes. Ähnlich wie es in Altenheimen der Fall ist, die in der Regel jeden Tag Beschäftigte vor Dienstantritt testen. Wobei der Vergleich etwas hinkt, wie Bettinger anmerkt. Nicht nur deshalb, weil Pflegekräfte mit Menschen zu tun haben, die im Heim leben und bei einer Ansteckung mit Corona als besonders gefährdet gelten. „Idealerweise müssten die Tests in Kitas auch auf die Kinder ausgeweitet werden, wobei sie dann qualitativ hochwertig und praktischer in der Handhabe sein müssten“, sagt der Leiter des Fachbereichs Jugend, Soziales und Familie.

Christel Laffay, Leiterin der Kita in Forst, lässt sich nach eigener Aussage regelmäßig auf Antigene testen. In ihrer Einrichtung seien die Meinungen aber gespalten: Die eine Hälfte würde es ihr gleichtun, die andere würde von dem Angebot absehen. Letztere Gruppe würde die freiwillige Testung wegen der geringeren Trefferquote nicht als notwendig erachten. „Trotz allem bin ich überrascht, dass das Angebot selten genutzt wird. Gerade wir Erzieher stehen im Berufsalltag mit anderen Menschen in engem Kontakt.“

Lehrkräfte warten auf FFP2-Masken

Für die Schulleiter stehen derweil neben den Abstands- und Hygieneregeln auch das Tragen von Masken an erster Stelle, um Ansteckungen in den Einrichtungen zu vermeiden. Das sagt etwa Stefan Vogt, Schulleiter des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums. Schulleiterin Ruth Raach sieht es nicht anders, beklagt aber, dass der vom Land versprochene Nachschub von FFP2-Masken noch auf sich warten lasse.

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